In Nienhagen ist ein Streit um das Guthaben der bei der 875-Jahr-Feier im vergangenen Jahr erzielten finanzielle Erlöse entbrannt. Der Verein Dorfgemeinschaft macht beim ehemaligen Festkomitee offene Forderungen geltend. Das wiederum lehnt diese ab.

Nienhagen l Udo Schuster, der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Nienhagen, erklärt den Grund der Differenzen zwischen seinem Verein und dem ehemaligen Festkomitee: "Ein Mitglied unseres Vereins hat sich um die Digitalisierung von Fotos, die bei dem Jubiläum entstanden sind, gekümmert. Es handelt sich um einen finanziellen Aufwand von etwa 300 Euro." Diesen Aufwand möchte das betreffende Mitglied jetzt ersetzt haben. Der Fakt ist dem Vorsitzenden des ehemaligen Festkomitees, Benno Liebner, bekannt. "Diese Forderung wurde an uns herangetragen, das ist richtig", bestätigt er. "Allerdings muss ich darauf verweisen, dass es für diese Tätigkeit keinen Auftrag von uns gegeben hat." Die Idee sei im Vorfeld der Veranstaltung an das Festkomitee herangetragen worden, allerdings mit dem Hinweis auf eventuelle hohe Kosten abschlägig beurteilt worden. "Wir hatten also schon zu diesem Zeitpunkt deutlich gemacht, dass der Gedanke an sich ein guter wäre, wir aber keine Gelder dafür bereitgestellt hätten." Die Initiative, die Digitalisierung vorzunehmen, sei aus seiner Sicht zwar lobenswert, aber eben als rein private Aktion zu werten. Auf einer Sitzung des Vereins Dorfgemeinschaft habe er dazu bereits Stellung bezogen und die Sicht des ehemaligen Festkomitees dargestellt.

"Ein Mitglied unseres Vereins hat sich um die Digitalisierung von Fotos gekümmert. Es handelt sich um einen finanziellen Aufwand von etwa 300 Euro."

Udo Schuster, Vorsitzender des Vereins Dorfgemeinschaft

"Um aber eine gütliche Einigung zu erzielen, habe ich 50 Euro aus meiner eigenen Tasche angeboten und den Verein Dorfgemeinschaft aufgefordert, es mir gleich zu tun", erklärt er. "Wenn wir alle etwas dazu geben, sollten wir die Forderung begleichen können." Dieser Vorschlag sei aber abgelehnt worden, mit der Begründung, es seien doch Spendengelder auf das Konto des Festkomitees eingegangen, die dafür verwendet werden könnten. Das unterstreicht auch Udo Schuster noch einmal. "Fakt ist, die Bürger haben im Vorfeld der Veranstaltung Gelder gespendet, die für Nienhagen bestimmt waren und auch so verwendet werden sollten", äußert er sich. "Die Digitalisierung dient dazu, die Bilder für die Nachwelt zu erhalten. Also sollte das ehemalige Festkomitee auch die Rechnung begleichen."

Liebner argumentiert jedoch dagegen und sagt: "Die Auszahlung ist so nicht möglich. Die Spenden der Bürger sind allesamt in die Ausrichtung der 875-Jahr-Feier eingeflossen. Wir haben am Ende sicherlich einen Überschuss von 2800 Euro erzielt. Das sind allerdings zwei verschiedene Paar Schuhe. Der Dorfgemeinschaftsverein verwechselt hier die Spendengelder mit dem Erlös." Außerdem sei eine nachträgliche, anderweitige Verwendung der Gelder nicht möglich. Inzwischen habe sich das Festkomitee aufgelöst und die Einwohner bei einer eigens einberufenen Versammlung dazu aufgefordert, über die Verwendung des Erlöses zu befinden (Volksstimme berichtete). Die erschienenen Bürger folgten seinerzeit dem Vorschlag des Festkomitees, die Gelder an den neu gegründeten Technik- und Kulturverein zu übergeben, um die alte Schule in Nienhagen und den dort geschaffenen Spielplatz zu pflegen und zu erhalten. Das der Volksstimme vorliegende Protokoll dieser Versammlung trägt die Unterschriften von 13 Bürgern. Liebner erklärt dazu: "Die Versammlung wurde öffentlich in der Presse und als Aushang angekündigt. Jeder hätte dazukommen und seine Ideen vorstellen können. Nach dem Treffen hat sich das Festkomitee aufgelöst." Somit sei der Erlös an den neuen Verein gegangen, der in seinem Gründungsprotokoll ausdrücklich den Verwendungszweck festgehalten habe. Benno Liebner, der auch der Vorsitzender dieses Technik- und Kulturvereins ist, setzt fort: "Ich kann nicht gegen die Satzung meines Vereines verstoßen. Das würde ich aber, wenn ich die Gelder jetzt zweckentfremdet verwenden würde."

"Die Auszahlung ist so nicht möglich. Die Spenden der Bürger sind allesamt in die Ausrichtung der 875-Jahr-Feier eingeflossen. Der Dorfgemeinschaftsverein verwechselt hier die Spendengelder mit dem Erlös."

Benno Liebner, Vorsitzender des ehemaligen Festkomitees

Das sieht man beim Verein Dorfgemeinschaft nicht so. Udo Schuster kontert: "Ich habe im Januar ein Gespräch mit unserer Bürgermeisterin geführt und darauf verwiesen, dass das Geld für Nienhagen und dringliche Projekte im Ort verwendet werden sollte." In diesem Zusammenhang schlug er vor, das Vordach des Dorfgemeinschaftshauses zu erneuern, da es baufällig sei. "Im Jahr 2010 ist das Vorhaben in den Haushalt eingestellt, aber wegen einer Haushaltssperre nicht umgesetzt worden", berichtet Schuster. "Jetzt wäre doch genug Geld vorhanden, das Projekt, welches laut einem Kostenvoranschlag etwa 1000 Euro kosten soll, in die Tat umzusetzen." Schwanebecks Bürgermeisterin, Christina Brehmer (Die Linke) bestätigt die Fakten gegenüber der Volksstimme. "Das ist richtig, wir haben darüber gesprochen und ich habe zugestimmt, dass die Gelder im Ortsteil Nienhagen verwendet werden sollten. Allerdings habe ich die Entscheidung darüber den Bürgern überlassen. Im Protokoll der Einwohnerversammlung ist die Verwendung für die Pflege des Spielplatzes und die Sanierung der alten Schule als Zweck angegeben." Die Baufälligkeit des Vordaches des Dorfgemeinschaftshauses sei ebenfalls eine Tatsache. "Allerdings wurde bei der Begutachtung festgestellt, dass es lediglich eine hohe Schneelast wohl nicht mehr tragen könne." Sie werde den Fakt noch einmal im Stadtrat vorstellen. Wenn aber dort keine Gelder für die Sanierung des Daches zur Verfügung gestellt werden könnten, bleibe nur die Lösung, das Dach komplett zu entfernen oder - sofern das möglich sei - nachträgliche Sicherungsstützen einzubauen.

"Ich bedauere es persönlich sehr, dass es jetzt zu diesem Streit in Nienhagen gekommen ist", fügt sie hinzu. "Wer gesehen hat, wie die Einwohner des Ortsteils bei der Organisation des Jubiläums Hand in Hand gearbeitet und sich gegenseitig unterstützt haben, der kann die Situation gar nicht verstehen." Alle hätten ihren Anteil am großen Erfolg der 875-Jahr-Feier gehabt.

Der Verein Dorfgemeinschaft hat Ende Januar einen Brief an den Stadtrat übergeben, in dem die Begleichung offener Forderungen und die Sanierung des Vordaches von den Spendengeldern verlangt werden. Den Eingang bestätigte die Bürgermeisterin: "Ich werde ihn dem Stadtrat vorlegen".

 

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