Halberstadt/Quedlinburg l "Ausverkauft" - Das sind zahlreiche Vorstellungen von "Schneewittchen" gewesen. In Szene gesetzt wurde das beliebte Märchen vom Ballettensemble des Nordharzer Städtebundtheaters unter Regie von Jaroslaw Jurasz. Für alle, die das Stück nicht sehen konnten oder es erneut erleben wollen, wird morgen um 15 Uhr im Großen Haus Halberstadt eine Zusatzvorstellung angeboten.

Ein Grund für den Erfolg der Inszenierung ist neben der berühmten Vorlage, den bunten Kostümen und ausgefeilten Tänzen die stimmungsvolle Musik. Komponiert wurde diese von Joachim Kielpinski. Ein Unbekannter ist der Musiker, Komponist und Schauspieler nicht im Harz. Mehrmals war er in Inszenierungen des Nordharzer Städtebundtheaters als Gast zu sehen.

Sein Herz gehört der Musik, sagt Kielpinski. Das Gefälle sei jedoch nicht sehr groß. Er erläutert: "Schauspiel kann faszinierend sein. Die Erfahrungen, die ich auf der Bühne sammle, kommen mir beim Komponieren zugute". Schon zu Beginn seiner Karriere hat der Berliner, der seit 2012 in Quedlinburg lebt, beide Bereiche miteinander vereint.

Erste Erfolge feierte Kielpinski mit der 1979 gegründeten "Gaukler Rock Band". Schon zwei Jahre später entwickelte sich daraus die "Gaukler Rock Bühne" - eine Mischung aus Rockmusik, Puppen- und Schauspiel, Tanz, Kabarett und Pantomime. Eine feste Zielgruppe mit seiner Arbeit anzusprechen sei nie sein Ziel gewesen, so der Wahl-Quedlinburger und ergänzt: "Die schönsten Vorstellungen jedoch hatte ich immer für Familien."

Im Schreiben von Musikstücken für ein junges Publikum sieht er eine Herausforderung. "Kinder sind nicht höflich. Sie sind ehrlicher, sensibler, unbedarfter. Es ist anspruchsvoller, für sie zu schreiben", betont der Komponist begeistert. An ihren Gesichtern könne man ablesen, welche Schwächen ein Stück habe. "Alles, was bei Kindern funktioniert, funktioniert auch bei Erwachsenen. Andersrum ist das nicht der Fall", fügt der Diplom-Musiker hinzu.

Zur Musik ist Kielpinski erst sehr spät gelangt. Zwar mochte er die "Beatles" und "Rolling Stones", aber erst im Alter von 16 Jahren griff er selbst zum Instrument - einer Gitarre. Statt mit Noten und Saiten beschäftigte er sich zuvor mit Speichen und Bremsen. "Ich wäre fast Leistungssportler geworden. Meine erste Liebe war der Radsport", verrät Joachim Kielpinski lachend. Jedoch habe der enorme Leistungsdruck ihm irgendwann den Spaß und die Leidenschaft am Sport genommen.

Dafür entwickelte er schnell eine Passion für seine Gitarre, entschied sich für ein Studium der Musik. "Mit Abschluss!", sagt der 60-Jährige schelmisch. Den Schritt zum Berufsmusiker habe er sich lange überlegt, sich nebenher in verschieden "ordentlichen" Berufen probiert. "Man muss selbst wissen, ob man gut ist, bevor man sich für ein Leben als Künstler entscheidet", sagt er.

Seine Eltern haben ihn auf diesen Weg unterstützt, wenngleich sie nicht ganz glücklich damit waren. Kielpinski berichtet im typischen Berliner Dialekt: "Mein Vater ist Arzt, meine Mutter Lehrerin - ich bin halt völlig aus der Art geschlagen!".

Seine Tochter sei wiederum "geradliniger geraten". Sie habe durchaus dichterisches Talent, berichtet Kielpinski voller Vaterstolz. Die 33-Jährige entschied sich dennoch, als Dolmetscherin und Flugbegleiterin tätig zu sein. Aktuell baut sie mit ihrem Lebensgefährten ein gastronomisches Unternehmen in der Schweiz auf. "Sie soll ihren eigenen Weg zum Glück finden. Solche Entscheidungen muss man jedem selbst überlassen. Diese Freiheit hat man mir schließlich auch gelassen", betont er.

Seinen eingeschlagenen Lebensweg habe er nie bereut. "Bisher hat mir alles, was ich in der Musik gemacht habe, Spaß bereitet", resümiert der 60-Jährige. Reich werde er davon nicht, aber er könne gut leben. "Ich bin zufrieden. Es gibt sehr viele Glücksmomente."