Halberstadt l Das Kammerkonzert am Sonntag im Rathaus-Saal war ein wirkliches Festkonzert. Mit Sekt und Saft feierte Halberstadts Konzertgemeinde das 45-jährige Jubiläum der "Stunde der Musik" - und besonders den Gründer der Reihe, den Vorsitzenden des Halberstädter Kammermusikvereins Hans-Ulrich Sauer.

Höchst respektabel erwarb er sich große Verdienste um die bürgerliche Musikpflege. Er holte Spitzenkünstler aus Deutschland und der Welt, wie Igor Oistrach, Swjatoslaw Richter, Annerose Schmidt, Peter Rösel und Manfred Scherzer, Karl Suske, Detlev Eisinger und René Hirschfeld, die Dresdner Barocksolisten und die britischen Vocalisten "The Scholars", die Budapester Capella Savaria, das Wiener Concilium musicum und die Hallenser Madrigalisten nach Halberstadt.

Fast jeden Monat gab es ein kammermusikalisches Ereignis von Rang. Seit 1969 in ununterbrochener Folge, mit alter wie mit zeitgenössischer Musik. Hans-Ulrich Sauer förderte heimische Künstler wie Catalina und Karl Huros wie auch Nachwuchstalente wie Maxim Böckelmann und Sebastian Menz. Die Gästeliste liest sich wie ein "who is who" der internationalen Kammermusik. Kaum ein Instrument, keine Klangfarbe ist ausgelassen.

Wie einen solch engagierten Mann ehren, dem die Musik alles bedeutete? Die seine Arbeit als Pädagoge ebenso bestimmte wie "seine" geliebte "Stunde der Musik"? Kirchenmusikdirektor Prof. Klaus-Jürgen Teutschbein stimmte dazu den Kanon "Viva la musica" von Michael Praetorius an. Das Publikum im ganzen Saal erhob sich wie ein Mann und sang das Musik-Loblied des Halberstädter Organisten und Kapellmeisters (1572-1621) mit. Eine bewegende Laudatio für das Lebenswerk von Hans-Ulrich Sauer, der zugleich auch wichtigen Sponsoren der Kammermusik-Reihe - der Harzsparkasse und der NOSA - wie auch seinen unermüdlichen Mitstreitern im Vorstand dankte.

Ein lebenspralles und stürmisches Werk

Selbstredend waren auch das Programm und die Interpreten dieses Konzerts erlesen. Die sechs Musiker der Hamburg Chamber Players spielten von Johannes Brahms das Streich-Sextett Nr. 1 B-Dur op. 18 und von Peter Tschaikowski das Streichsextett d-Moll op. 70 "Souvenir de Florence". Ein fantastisches Ensemble!

Die Besetzung mit zwei Violinen (Ian Mardon und Eduard Tachalow), zwei Bratschen (Julia Mensching und Friedrich Eckart) und zwei Violoncelli (Rolf Herbrechtsmeyer und Georg Parwasser) brachte schönste Ausgewogenheit des Klanges. Zugleich verschoben sich die Grenzen von kammermusikalischer Zwiesprache hin zum Effektvoll-Orchestralen. Beim volkstümlich-empfindsamen Brahms ebenso wie in Tschaikowskis Andenken an Florenz, das er nach der Rückkehr aus der Toskana und seiner Oper "Pique Dame" im Juni 1890 wie in Trance komponierte.

Es ist ein lebenspralles, stürmisches Werk. Wie Gitarrenfeuer wirkt die Pizzicatobegleitung im ersten und zweiten Satz. Die Solovioline spielt dazu einen melodiösen Gesang, der vom Cello aufgenommen und dann von Viola und Violine beantwortet wird. Im dritten Satz dann - angestimmt von der Bratsche - russische Tonwelten, die von den übrigen Instrumenten verarbeitet werden. Der vierte Satz ist am ausgelassensten, er verlangte den Chamber Players an Virtuosität alles ab.

Eine fast orchestrale Klangfülle, die raffiniert über ein Fugato bis hin zur fulminanten Schlusssteigerung führte. Und zu Bravorufen und sechs Minuten stehender Ovationen für die Solisten!

Gelungener kann ein Jubiläumskonzert nicht sein.