Einradfahren entwickelt sich zum Trendsport, darin ist sich Radsport-Präsident Günter Grau sicher. Umso mehr hat es ihn bei seinem Besuch in Dingelstedt gefreut, dass sich so viele junge Leute im Huy für die Disziplin begeistern.

Dingelstedt l Kinderleicht sieht es bei denen aus, die es können: Sie springen Seil, zeigen Küren, fahren Schleifen und Kurven, halten scheinbar mühelos die Balance. Das alles gelingt ihnen auf nur einem Rad - ohne Lenkrad, Bremsen oder Hilfsmittel - dafür mit lächelnden Gesichtern. Wie viel Übung dazu gehört, diese Akrobatik-Akte zu bewältigen, haben Einradfahrer aus Dingelstedt und dem TSV Uehrde (Niedersachsen) ihren Eltern und Schaulustigen am Wochenende gezeigt.

Die beiden Gruppen verbindet seit einigen Jahren eine Freundschaft. "Als wir uns 2008 gegründet haben, sind wir durch Zufall auf die Gruppe aufmerksam geworden und zweimal hingefahren, um uns Tricks abzuschauen. Schon lange haben wir einen Gegenbesuch geplant", berichtete Rosemarie Lodahl. Sie trainiert die Kinder und Jugendlichen ab dem 8. Lebensjahr gemeinsam mit ihrem Mann Hans-Hermann, dem Ideengeber für die Sektion des Dingelstedter Sportvereins. Etwa 25 nehmen an den wöchentlichen Übungstagen des Rentnerehepaars teil.

"Es ist beeindruckend, wie begeistert die Kinder trainieren. In der Größenordnung ist das in Sachsen-Anhalt fast einzigartig. Hier steckt ein Riesenpotenzial ", sagte Günter Grau (62) erfreut. Der Radsport-Präsident aus Magdeburg fügte hinzu: "Einradfahren entwickelt sich gerade zur Trendsportart". Deshalb solle man das Potenzial künftig noch mehr nutzen und die Huy-Einradfahrer auf Wettbewerbe vorbereiten. "Wir überlegen gemeinsam mit dem Sportverein, welche Strategien man entwickeln kann. Eine Möglichkeit wären Partnerschaften mit anderen Vereinen", erläutert Grau.

Das wünscht sich auch Claudia Müller. Die ehrgeizige 15-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern der Dingelstedter Gruppe. "Es wäre schön, wenn wir so etwas wie heute öfter machen würden. Wir lernen dadurch so viel", berichtete die Schülerin. Sie könne sich vorstellen, an Wettbewerben teilzunehmen und später eine eigene Gruppe zu leiten.

Wie das gemacht wird, konnte sie sich beim Vereinstreffen bei Katrin Feuerhahn abschauen. Die Niedersächsin trainiert seit neun Jahren mit rund 30 Kindern. Auf die Disziplin ist sie durch eine ihrer Töchter aufmerksam geworden. "Sie hat sich ein Einrad zu Weihnachten gewünscht. Das fand ich toll. Wir haben dann gemeinsam gelernt, wie es funktioniert", berichtete Feuerhahn. Dabei seien der 42-Jährigen ihre Erfahrungen als Fitness-Trainerin und Rehasportleiterin zugutegekommen.

Resolut gab sie beim Trainingstag im Huy Anweisungen, erläuterte den Mädchen und Jungen wie ihnen die Balance-Akte gelingen und dirigierte Küren. "Die sind einfach besser als wir", gestand Rosemarie Lodahl neidlos.

Verstecken müssen sich die Dingelstedter mit ihrem Können jedoch nicht. Regelmäßig begeistern sie bei Veranstaltungen im Huy mit ihren Auftritten. Einen Fan haben sie auch in Elke Rietmüller (65) gefunden. Ihr sei es wichtig, die Sektion des Sportvereins zu fördern, so die Dingelstedterin. Auf ihre Initiative entstand eine Spendenaktion: Jeder, der seine Pfandflaschen im hiesigen Supermarkt abgab, konnte den Geldwert für die Einradfahrer spenden. "Rund 340 Euro haben wir dadurch erhalten", teilte Rosemarie Lodahl erfreut mit.

 

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