Zum 100-jährigen Jubiläum der Stadtbibliothek "Heinrich Heine" wirft ein neues Zeitalter seine Schatten voraus. Immer mehr Leser sparen sich den Gang zur Ausleihe und laden sich ihren Lesestoff am Computer oder anderen elektronischen Lesegeräten zu Hause herunter.

Halberstadt l Neben kommerziellen Internet-Angeboten bieten seit 2013 die Bibliotheken in Sachsen-Anhalt im Verbund zahlreiche Möglichkeiten, sich elektronisch Bücher, Hörspiele, Musik, Videos oder Zeitungen und Zeitschriften bequem auszuleihen. Inzwischen sind fast 20 000 Angebote in den Bereichen Kinder- und Jugendbibliothek, Schule und Lernen, Sachmedien und Ratgeber, Belletristik und Unterhaltung sowie Musik verfügbar.

"Wir zählen aktuell rund 500 Ausleihen im Monat per Internet", berichtet Bärbel Richter, Mitarbeiterin der Stadtbibliothek "Heinrich Heine" in Halberstadt. Sie bietet mit Bibliothekarin Maria Schmidt jeden Monat eine Schulung für Interessierte an. Zwar kann jeder die Hilfe-Funktion der Internetseite nutzen, doch manche Frage bleibt angesichts der vielen englischen Begriffe sowie verschiedenen elektronischen Systeme offen. "Die ersten Schulungstermine waren sehr gut besucht", so Maria Schmidt.

Künftig soll es dieses Angebot im Bibliothekskeller jeden zweiten Donnerstag im Monat geben, abwechselnd vormittags und nachmittags. "Wir sind aber auch zu den normalen Ausleihezeiten da und beantworten gern Fragen", hieß es.

Die beiden Expertinnen brachten den Besuchern beim jüngsten Treffen die unterschiedlichen Darstellungsformen der Medien und die Vorgehensweise beim Herunterladen nahe.

Man kann auf der Internetseite nach bestimmten Themen, Autoren oder Titeln suchen, zunächst eine Leseprobe vornehmen, ein Angebot für 24 Stunden reservieren oder vorbestellen. Neuerscheinungen und Bestseller sind erfahrungsgemäß rasch vergriffen. Wer ein Werk vorbestellt hat, bekommt elektronisch Bescheid, wann ein Abruf wieder möglich ist.

"In unserem Bibliotheksverbund haben wir eine breite Angebotspalette, es kann aber nur immer eine bestimmte Anzahl wie in der Original-Bibliothek ausgeliehen werden", erläuterte Bärbel Richter.

Wer technisch durchblicke, könne ein ausgeliehenes Buch zu Hause auch vom PC auf einen Laptop oder ein anderes Lesegerät übertragen. Lediglich beim System "Kindl" funktioniert dies nicht. Zum Schluss muss der Leser kein Buch in die Bibliothek zurückbringen. Er kann es auch nicht speichern, sondern nach Ende der Ausleihzeit erlischt die Nutzungsmöglichkeit automatisch.

"So bleiben unsere Kostenanteile überschaubar und die Leser können trotzdem die gesamte Angebotsvielfalt nutzen."

Birgit Sommer, Leiterin der Stadtbibliothek Halberstadt

Leserin Anni Szymek hatte bisher Probleme am heimischen Computer. "Ach so, diesen Punkt muss ich noch richtig sehen", stellte sie bei der Schulung fest und hofft nun, dass die "Onleihe" künftig ohne Probleme klappt.

Ein Buch selbst in die Hand zu nehmen steht für viele Leser weiterhin im Mittelpunkt. "Doch wir müssen uns für die Zukunft rüsten", weiß Bibliothekschefin Birgit Sommer. Sie ist froh, dass für Sachsen-Anhalt eine solche Verbundlösung geschaffen wurde und vom Land finanziell unterstützt wird. "So bleiben unsere Kostenanteile überschaubar und die Leser können trotzdem die gesamte Angebotsvielfalt nutzen."

Informationen unter www.biblio24.de.