Halberstadt l Unscheinbare Container am Franziskanerkloster sind die Anlaufstelle für Menschen aus der Region Halberstadt, die in Not geraten sind. "Viele denken` das kann mir nicht passieren`. Aber das Leben ist anders", sagt Rolf Lange.

Er gehört zu den 14 Mitarbeitern der Wärmestube, die in den Blechhäusern untergebracht ist. In den letzten Jahren hat das Team eine Entwicklung beobachtet. "Gerade zu den Mahlzeiten sind es viele ältere Gäste. Ein Trend Richtung Altersarmut ist durchaus spürbar", erläutert Rolf Lange.

"Gäste" - auf diesen Begriff legt der 59-Jährige besonderen Wert. "Das ist für ihre Psyche und ihren Selbstwert wichtig", betont er. "Sie wollen keine Almosen, deshalb zahlen sie einen Obolus für das Essen." 50 Cent sind es für ein Frühstück, ein Euro für die Mittagsmahlzeit. Die "kalte Tasche", gefüllt mit Lebensmitteln für Zuhause, gibt es für 1,50 Euro.

Kostendeckend sind diese Beträge nicht. Neben der Unterstützung des Trägers, dem Caritasverband für das Bistum Magdeburg, helfen hiesige Lebensmittelhändler und verschiedene Spenden.

So hat die Harzsparkasse vor einigen Jahren eine Aktion ins Leben gerufen. Kunden der Bank erhalten jedes Jahr einen kostenlosen Kalender, für den sie eine Spende entrichten können. Neben den Wärmestuben in Halberstadt und Wernigerode profitiert die Harzer Tafel in Quedlinburg von dem Geld. "Alle Einrichtungen sind ähnlich geartet. Es sind Institutionen für Menschen, die auf die Unterstützung anderer angewiesen sind", sagt Peter Pinkernelle, Niederlassungsleiter der Harzsparkasse in Halberstadt. 2552,22 Euro sind dieses Mal für die Halberstädter Einrichtung zusammengekommen. "Mit den Spendengeldern wird das Containerdach geflickt. Es ist über die Jahre undicht geworden", berichtet Rolf Lange.

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es die Wärmestube in der Domstadt. Das Spektrum, aus dem sich ihr Klientel zusammensetzt, ist breit: junge Alleinerziehende; Familien; Menschen, die in Insolvenz geraten sind; Rentner; Auszubildende. "Manche kommen nur einmal, andere seit Jahren", sagt Rolf Lange. Um Hilfe zu erhalten, müssen die Betroffenen ihre Bedürftigkeit nachweisen.

In der Wärmestube erhalten sie neben dem Essen die Möglichkeit zur Körperpflege, zum Ausbessern der Kleidung und neue Sachen aus der Kleiderkammer. Darüber hinaus geben die Mitarbeiter - acht von ihnen sind ehrenamtlich tätig - Informationen für Beratungsstellen, medizinische Versorgung und Behördengängen.

Um diese Unterstützung abzusichern, sind Spenden notwendig, so Lange. "Gerade Sachspenden wie Kleidung können wir gut gebrauchen. Auch freuen wir uns über die Apfelkisten und ähnliches, die uns Gartenbesitzer bringen", ergänzt der Halberstädter. Die Anzahl der Gäste steige leider stätig.

Wie schnell die eigene Existenz gefährdet sein kein, hat der Familienvater am eigenen Leib erfahren. Der Maschinenbauer mit Abitur verlor vor einigen Jahren seinen Job. Daraufhin suchte er eine neue Aufgabe. Diese fand er 2006 in der Wärmestube. Erst war er ehrenamtlich tätig, seit 2007 ist Rolf Lange festangestellt. "Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich der Herausforderung gewachsen bin", erinnert er sich. Aber das Vertrauen und die Anerkennung, die ihm die Gäste entgegenbringen, seien mittlerweile eine Bereicherung für ihn.