Der Osterwiecker Wertstoffhof wird häufig von Dieben heimgesucht. Zum Eindringen treten sie den Zaun nieder und haben offenbar auch am helllichten Tage keine Scheu.

Osterwieck l Es war zur Mittagszeit an einem Sonntag im Januar, als der Osterwiecker Christian Behrendt bei einem Spaziergang zwei Osteuropäern begegnete, die über den Maschendrahtzaun aus der Rückfront des Wertstoffhofs stiegen. Mit zwei auffällig lackierten Fahrrädern waren sie gekommen und fuhren nun ihr Diebesgut im Koffer ab.

Behrendt wandte sich danach an die Stadtverwaltung, damit der Zaun repariert wird, um weiteren Diebstählen vorzubeugen. Um so überraschter war er diese Woche, als er nochmal im Gewerbegebiet vorbeischaute und den Zaun wieder heruntergetreten vorfand. "Ich bin sprachlos", sagte er. "Dann muss man den Zaun eben mit Stacheldraht oder Streckmetall sichern."

Der Zaun war vom Bauhof zwischenzeitlich repariert gewesen. "Wir müssen den Zaun jede Woche wieder hochziehen", berichtete Osterwiecks Wirtschaftsförderer Peter Eisemann. Seit über einem Jahr registriere man mit größerer Regelmäßigkeit Einbrüche in den Wertstoffhof. Dabei würden es die Diebe aber nicht etwa auf Metallschrott, sondern vor allem Elektroschrott absehen. "Wir suchen nach einer Lösung, den Wertstoffhof besser zu sichern." Die Stadt habe sogar schon eine Videokamera installiert. Doch diese reiche nicht aus, um Gesichter zu erkennen und Täter zu überführen.

Erst einmal habe die Stadt eine Anzeige erstattet. Da sei auch ein Autokennzeichen bekannt gewesen. Doch das Verfahren sei eingestellt worden, weil die Täter schon wieder in Osteuropa waren.

Unverhältnismäßig sei es nach Eisemanns Einschätzung, einen teuren Zaun um das Objekt zu ziehen, "um Schrott zu schützen". Auch nur diese eine Einstiegsstelle besser zu sichern, bringe wenig. Lange seien die Täter auch von der Straße aus eingestiegen.

Auch bei der Polizei sieht man keine rechte Lösung, den Einbrüchen zuvorzukommen, obwohl das Objekt bei der Streifentätigkeit mit berücksichtigt werde. "Wenn jemand gesehen wird, sofort den Polizeinotruf 110 wählen", rät Kriminalist Ulrich Scholle aus der örtlichen Polizeistation. Ihm sei aus dem zurückliegenden Jahr auch nur eine Anzeige bekannt. Wenn auch die Einbrüche ärgerlich sind, die Schäden seien relativ überschaubar. "Da haben wir ganz andere Schwerpunkte. Und auch die Stadt hat mit den vielen Einbrüchen in ihre Gebäude ganz andere Probleme", sieht es Scholle.

Michael Dietze, der Vorstand der Entsorgungswirtschaft Harz (Enwi), hält es für keine Lösung, etwa den Zaun jetzt heruntergetreten zu lassen. "Da kann man ja die Tore gleich offen lassen. Das würde ich nicht tolerieren."

Der Elektronikschrott werde von der Enwi verkauft. Im Jahr bringe das eine sechsstellige Summe, die letztendlich die Personengrundgebühr, die jeder Einwohner bezahlt, senken hilft. "In der Summe entsteht also durch den Diebstahl ein Schaden für die Bürger." Diebstähle gebe es auch an anderen Wertstoffhöfen der Entsorgungswirtschaft. Eine wirkliche Lösung würde Dietze durch Wachpersonal sehen. In einem früheren Fall von Altpapierdiebstahl habe das Wirkung gezeigt.

Vertreter von Stadtverwaltung und Entsorgungswirtschaft wollen kurzfristig vor Ort über die Sicherung des Osterwiecker Wertstoffhofs beraten.