Röderhof l Beherzt taucht Carl Vetter den Malerpinsel in den Farbeimer. An einem neuen Werk arbeitet der Künstler, der sich unter anderem mit Rauminstallationen sowie Klang, Farb- und Licht-Aktionen beschäftigt, nicht. Seine Freude an der Tätigkeit wird davon jedoch nicht getrübt. "Das ist eine tolle Farbe", sagt er begeistert. Was für den ungeübten Betrachter ein normales Weiß ist, bringt den Künstler in Schwärmen. "Es ist ein Gemisch aus Rügenkreide, Leim und Wasser. Es hat eine ganz eigene Leuchtkraft und ist ökologisch", erläutert der Aktionskünstler aus der Nähe von Salzwedel. Auch für seine Arbeiten verwende er gern Naturmaterialien.

Mit dem Huy fühlt sich der 64-Jährige seit einigen Jahren eng verbunden. 1994 hatte er in Röderhof erstmals eine Ausstellung. Mittlerweile ist er Mitglied im hiesigen Kunstverein. Ehrensache also, beim ersten Arbeitseinsatz des Jahres anzupacken. "Ich liebe dieses Haus, diese Gegend", betont Vetter während des Anstreichens einer Wand.

Gemeinsam mit anderen Kunstvereins-Mitgliedern - bundesweit sind es etwa 50 - bereitet er die Räume der ersten Etage für die neue Saison vor. Schon Anfang März werden diese von zwei Stipendiaten bezogen. Drei Monate lang leben und arbeiten dann Nancy Jahns aus Halle und Thomas Henniges aus Leipzig im Haus des Kunstvereins.

Was sie in dieser Zeit kreieren, wie sie dabei von der Region inspiriert werden und wie es ist, als Künstler zu leben, geben sie am Sonntag, dem 25. Mai, preis. Dann sind Besucher im Rahmen der Reihe "Offenes Atelier" in Röderhof willkommen.

Noch zwei weitere Stipendiaten-Duos, dieses Mal ausschließlich aus Deutschland, werden bis zum Saisonende folgen. Die Möglichkeit für einen Arbeitsaufenthalt in Röderhof gibt es seit 1991. Finanziert werden die Stipendien durch Gelder des Landes Sachsen-Anhalt.

Die Auswahl der Bewerber erfolgt auf unterschiedlichen Wegen, berichtet Ingund Wegewitz vom Kunstverein. "Zwei wählen wir aus, die anderen vier Plätze werden durch Kuratoren vergeben." Dieses Prozedere habe sich als das wirkungsvollste herausgestellt. "Wir wollen möglichst unterschiedliche Bewerber aus verschiedensten Richtungen. Das ist nicht möglich, wenn immer der gleiche Personenkreis auswählt", erläutert Wegewitz. Einschränkungen für Bewerber gäbe es kaum. Künstler im Alter zwischen 20 und 70 hätten das Stipendium bereits genutzt. "Wir nehmen allerdings keine Studenten an. Sie haben andere Möglichkeiten, sich fördern zu lassen", so die Künstlerin.

Das Interesse an dem Arbeitsaufenthalt im Huy sei dauerhaft groß, ebenso dafür, seine Arbeiten im Haus gegenüber vom Schloss Röderhof zu präsentieren. Die erste Ausstellung diesen Jahres wird am 25. Mai eröffnet. "Es werden Objekte einer Gruppe von acht Textilkünstlern zu sehen sein. Jeder von ihnen hat eine ganz eigene Handschrift", kündigt Ingund Wegewitz an.