Die gute Nachricht ist seit dem Jahreswechsel bekannt: Die Strom- und Gaspreise werden für die Stadtwerke-Kunden nicht steigen. Das kommunale Unternehmen setzt unter anderem auf 100 Prozent Biogas.

Halberstadt l "Nur ein Viertel des Preises können wir selbst beeinflussen", sagt Dr. Rainer Gerloff. Der Energieexperte leitet Vertrieb und Energiehandel der Halberstadtwerke. Gemeinsam mit Geschäftsführer Bodo Himpel erklärt er in einem Pressegespräch, wie es den Halberstädtern gelingt, in diesem Jahr den Gas- und Strompreis stabil zu halten. "Drei Viertel der Summe sind staatlich reguliert. Zum einen machen 54,5 Prozent des Preises Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Ein gutes Viertel sind Transportkosten, die ebenfalls staatlich vorgegeben sind. Nur bei einem Viertel des Preises können wir Einfluss nehmen, bei Erzeugung und Vertrieb", erläutert Gerloff.

Dass man zumindest in diesem Jahr trotz der Erhöhung der Umlagen für erneuerbare Energie und abschaltbare Lasten sowie der Offshore-Haftungsumlage dem Preis-Aufwärtstrend nicht folgt, sei harter Arbeit zu verdanken, so Gerloff. Zum einen habe man günstige Einkaufskonditionen nutzen können und zum anderen die Effizienz im eigenen Unternehmen verbessert. "Der Strompreis wäre um einen Cent gestiegen. Das klingt vielleicht nicht viel. Aber so ein einzelner Cent ist jede Menge Geld."

Ob man so einen Ausgleich auch 2015 hinbekommen kann, sei derzeit nicht zu überblicken, betont Gerloff. "Bislang ist nicht klar, wie die Politik den Spagat zwischen den völlig gegensätzlichen Zielen von Infrastrukturausbau und Kosteneindämmung hinbekommen will. Wir wissen nicht, was 2015 auf uns zukommt."

Um die Preise zumindest für das eine Jahr stabil zu halten, haben die Stadtwerke ganz auf Biogas umgestellt. Da die Förderung für die Kraft-Wärme-Kopplung beim Betrieb des eigenen Blockheizkraftwerkes ausgelaufen ist, wird der in Halberstadt erzeugte Strom nicht auf dem Markt angeboten, sondern direkt ins Mittelspannungsnetz der Stadt eingespeist. Das heißt, der hier erzeugte Strom fließt direkt an die Stadtwerkekunden.

Außerdem kaufen die Stadtwerke auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas aus Bayern ein, sodass bilanziell das Heizkraftwerk seit dem 1. Januar komplett mit Biogas betrieben wird. Bilanziell heißt, dass das, was aus den Leitungen kommt, nicht unbedingt tatsächlich Biogas ist.

Das Biogas wird in Bayern erzeugt, kann dort aber oft nicht optimal genutzt werden, weil zum Beispiel nur Strom erzeugt und die dabei anfallende Wärme nicht benötigt wird. "Der Wirkungsgrad ist dort viel geringer, als hier, wenn wir in den Blockheizkraftwerken sowohl die entstehende Wärme ins Fernwärmenetz einspeisen als auch den Strom ins Netz geben. Das ist sinnvoller Umgang mit dem Gut Biogas." Der Betrieb der Anlagen mit Biogas erfordere ein anderes Management, auf das das Mitarbeiterteam sich gut vorbereitet habe. Zudem leiste das Unternehmen mit dem Einsatz von Biogas einen erheblichen Anteil an der Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes in Halberstadt. "Das ist schließlich eines der Ziele des Klimaschutzkonzeptes der Stadt. Das Ganze wird so eine ökologisch und betriebswirtschaftlich charmante Geschichte", sagt Gerloff.