Die Wülperöder sorgen sich um die Zukunft ihrer nagelneuen Kindertagesstätte und suchen nach einem Weg, diese zu erhalten. Vielleicht als Familienzentrum.

Wülperode l Die modernste Kita der Stadt Osterwieck steht in Wülperode. Erst vor drei Jahren wurde sie bezogen, gebaut aus den Steuermillionen, die die Gemeinde vor der Gründung der Einheitsgemeinde Stadt Osterwieck zur Verfügung hatte. Entschieden hatte sich die Gemeinde zum Neubau in einer Zeit, als die alte Kita aus den Nähten platzte.

Jetzt ist es andersherum. Nur noch Zillys Kita ist unter den 14 Einrichtungen der Stadt ähnlich schlecht ausgelastet wie die "Kleinen Strolche" in Wülperode, der damalige Kinderboom ist nun im Schulalter.

Die Stadt Osterwieck strebt an, die Hortkinder, die bisher am Grundschulstandort in Bühne betreut werden, gleich nach dem Unterricht in die Kitas ihrer Wohnorte zu schicken. Aber auch das wäre nur eine Rettung für die Zeit, in der die große Kinderschar im Hortalter ist. Zumal nicht mehr die Stadt Osterwieck über Wohl und Wehe einer Kita entscheiden kann, sondern mit dem vergangenes Jahr in Kraft getretenen Kinderförderungsgesetz nun der Landkreis zuständig ist. Ohne entsprechende Auslastung, es wird von 75 Prozent gesprochen, würde an die Stadt kein Landesgeld für die Kita weitergereicht werden.

Mit Thomas Harmsen stellte ein Professor der Fachhochschule für Soziale Arbeit in Wolfenbüttel das Modell eines Familienzentrums vor. Über 40 Wülperöder kamen dazu am Mittwochabend in die Kita, nicht nur junge Eltern, auch viele Rentner darunter. Harmsen stammt aus Nordrhein-Westfalen. Und dort seien Familienzentren Landesprogramm, es gebe sie flächendeckend, selbst in Ortschaften von hundert Einwohnern. Auch in Niedersachsen seien die ersten 200 entstanden, "der Trend ist eindeutig", so Harmsen. "In zehn Jahren werden sie auch in Niedersachsen flächendeckend sein. Es gibt nichts besseres als ein Familienzentrum."

Diese Einrichtung sei die Vernetzung von Bildungs- und Erziehungsangeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, so brachte es der Professor auf den Punkt. Die Ideen über die Kita hinaus seien praktisch grenzenlos. Vom Familiencafé, dem Nordic-Walking-Kurs, Sprechstunden von Beratungsstellen bis zum Vortrag des Kinderarztes. Angebote nicht nur für Eltern, die ihre Kinder in der Tagesstätte haben. Man benötige zum Aufbau vor allem eine Steuerungsgruppe und "den Glauben, dass es geht".

Die Wülperöder brachten indes viele Bedenken vor, dass so ein Familienzentrum eben nicht funktionieren könnte. Von der rechtlichen Seite wie Versicherungsschutz, von den Stromkosten, dem Saubermachen, der nur einen vorhandenen Toilette im Haus bis zur zwiespältig betrachteten Situation, ob in der 500-Seelen-Gemeinde nun ein mehr oder weniger kulturelles Leben herrscht, das hier eingebunden werden könnte. Dazu die klamme Stadt, die für das Wülperöder Haus keinesfalls mehr Geld ausgeben kann als jetzt schon. "Diese Bedenken sind in fast allen Familienzentren am Anfang normal", berichtete Thomas Harmsen aus seinen Erfahrungen. Er könnte sich vorstellen, dass auch Studenten, die er betreut, beim Aufbau in Wülperode mithelfen.

Interessierte Gäste kamen zu der Veranstaltung auch aus Zilly. Dort geht eine Bürgerinitiative bereits seit zwei Jahren neue Wege, um zum einen die Kita zu erhalten und zum anderen die Generationen zusammenzuführen. "Das ist ein harter Weg", sagte deren Sprecher Marc Heyer, machte den Wülperödern aber Mut: "Ich kann sie nur motivieren."