Blankenburg l Kaum war die großflächige Sperrung der Garagenanlage am Regenstein aufgehoben worden, wurden am Freitag wieder Bauzäune aufgestellt. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) vernebelten mehrere Garagen und einen Abwasserkanal, um herauszufinden, welchen Weg sich der giftige Stoff gebahnt haben könnte, der Mittwoch vergangener Woche einen Menschen das Leben gekostet hat. Am späten Nachmittag wurden außerdem die Betonböden mehrerer Garagen angebohrt, um weitere Proben zu nehmen. "Wir müssen einfach wissen, was genau passiert ist", sagte Kreis-Umweltamtschef Torsten Sinnecker. Die Proben wurden noch am Abend von Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse in ein Polizei-Labor nach Berlin gefahren.

Auch zehn Tage nach dem Gift-Alarm gibt der Fall weiter Rätsel auf. Selbst die Expertisen der bundes- und landesweit renommiertesten Chemiker bringen bislang kaum Licht ins Dunkel. Ganz im Gegenteil: Hinter den Kulissen schwelt offenbar ein Kompetenzstreit. Sollen sich die Verantwortlichen auf die Warnung der Feuerwehr-Experten aus Heyrothsberge berufen oder sich auf die Entwarnung durch die Gift-Spezialisten der Bundeswehr in Gestalt des Aufklärertrupps aus dem bayerischen Sonthofen verlassen?

Wie es heißt, habe Landrat Martin Skiebe am Freitag höchst selbst angeordnet, dass die Expertise von Prof. Dr. Elke Jahn vom Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge (IBK) für das weitere Vorgehen der Behörden in Blankenburg zu gelten habe. Diese sei völlig überrascht gewesen, als sie aus der Volksstimme erfahren habe, der 100-Meter-Sperrbereich um die verseuchte Garage sei aufgehoben worden. Bezeichnenderweise, so verriet ein Insider, habe niemand von der Bundeswehr den Kontakt zu Prof. Jahn vom Forschungs-Institut gesucht, obwohl die Expertin für die Chemie der Gefahrenabwehr die erste war, die in der Blankenburger Garage Proben genommen und diese analysiert hatte. Auch wird die Qualität der Bundeswehr-Expertise inzwischen infrage gestellt, beispielsweise weil in deren Analyse jegliche Mengenangaben von den vorgefundenen Stoffen fehlen sollen. Trotzdem gaben die ABC-Aufklärer Entwarnung.

Der amtierende Direktor des IBK, Frank Mehr, stellte auf Volksstimme-Nachfrage klar, dass sein Institut zum selben Ergebnis gekommen sei, wie später die ABC-Aufklärer aus Bayern. "Bei dem Gift handelt es sich um THT. Nur die Quelle ist nicht genau klar, ebenso wenig die Herkunft", so Mehr. Allerdings sprach er auch noch von anderen "Verdachtsstoffen". Zu diesen ominösen Chemikalien soll beispielsweise eine Substanz gehören, die für die Herstellung von synthetischem Rauschgift geeignet ist.

Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck brachte es auf den Punkt: "Das ist alles höchst rätselhaft und kein gewöhnlicher Fall."