Es ist geschafft. Die unansehnliche Ruine der einstigen HO-Gaststätte in Klein Quenstedt ist verschwunden. Die Neugestaltungspläne aber müssen noch warten.

Klein Quenstedt l "Ich verfolge das Drama von Anfang an mit", sagt Bernd Seifert. Er steht neben seinem Haus in Klein Quenstedt und blickt auf das Nachbargrundstück. Ein Bagger schaufelt Dreck weg, zwei Männer verteilen mit einer Schaufel ein Kiesgemisch, das ein Radlader vom Lkw am Straßenrand abholt und dann abkippt. Schwarze Folie entlang des Fundaments soll verhindern, dass wieder Feuchtigkeit aus dem Erdboden ins Mauerwerk des angrenzenden Hauses dringt. "Unser Haus war früher einmal einfach an das seit 1872 bestehende Gebäude angebaut worden. Wir hatten gar keine Brandmauer dazwischen", erzählt Bernd Seifert. Er hat in den vergangenen Monaten, nachdem eine Baufirme etwas Baufreiheit zwischen seinem Wohnhaus und der Gaststätten-Ruine geschaffen hatte, den Giebel mit einem Ziegelbehang versehen.

Ortsbürgermeister Hubertus Baer (CDU) freut sich über die Aktivität von Bernd Seifert, ist sie doch ein Mosaiksteinchen, um das Dorfbild ansehnlicher zu machen. "Es gibt wohl keinen Einwohner, der sich nicht darüber freut, dass dieser Schandfleck endlich verschwindet", sagt Baer. Sei Blick ruht auf der Brachfläche, an deren Rand ein paar Mauersteine noch eine Gewölbedecke erahnen lassen. "Das war früher der Bierkeller", erklärt Bernd Seifert.

Die Mitarbeiter des Stadt- und Landschaftspflegebetriebes Stala leisten ganze Arbeit, in kurzer Zeit sind auch diese Steine entfernt.

Drei Keller sind mit Erde verfüllt. Vorher haben sie den Schutt weggeräumt, alte Heizungsrohre, Stromkabel, Möbel, Gardinen und allerlei mehr entsorgt. "Da war viel Handarbeit notwendig", berichtete Baer, der die gut zwei Wochen dauernden Arbeiten aufmerksam verfolgt hat.

Rund 33 000 Euro hat die Stadt für die Beräumung der Fläche zur Verfügung gestellt, informiert Stadtsprecherin Ute Huch auf Volksstimme-Anfrage. Zur Zukunft des Platzes gibt es keine Aussagen. Allerdings hofft Ortschef Baer, dass die Pläne, hier eine mobile Marktfläche zu schaffen, irgendwann doch noch umgesetzt werden. Die Ideen dazu sind bereits zu Papier gebracht. Finanziert werden sollte die Umgestaltung durch EU-Mittel aus dem sogenannten Leader-Programm. "Wir hatten sogar gute Chancen auf Fördergeld", sagt Baer, "aber weil die Stadt aufgrund der Schuldenlast keinen genehmigten Haushalt hatte, untersagte die Kommunalaufsicht der Stadt, die notwendigen Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Aber vielleicht können wir nochmal einen Anlauf in dieser Richtung unternehmen", so Baer.

Ein Teil der Fläche wird auf jeden Fall neu gestaltet, soll hier doch nach Abschluss der umfangreichen Straßensanierung im Ort die Bushaltestelle Platz finden. Die wird von der Wendeschleife an die Straße der Freundschaft verlegt und soll, so die Informationen des Ortsbürgermeisters, auch barrierefrei gestaltet werden. "Baustart für den zweiten großen Abschnitt ist laut Planungsunterlagen am 3. März", sagt Baer, "bis 15. Oktober soll die Straße der Freundschaft komplett saniert sein." Gearbeitet werde halbseitig und in drei größeren Etappen.

Dass die Ruine doch noch so rasch verschwunden ist, ist mehreren Umständen zu verdanken, erklärt Hubertus Baer. Zum einen habe der Besitzer das Gelände wohl doch noch überraschend abgetreten. Der Landkreis, der an dem stetig verfallenden Gebäude Notsicherungen vornehmen musste, hatte sich im Grundbuch eintragen lassen, um das ausgegebene Geld wieder eintreiben zu können. " Es muss eine Einigung mit der Stadt gegeben haben", mutmaßt Baer. "Und Oberbürgermeister Andreas Henke folgte meinem Drängen und hat Anfang des Jahres entschieden, dass hier gehandelt wird. Daraufhin rückten die Stala-Mitarbeiter an, worüber wir uns sehr freuen."

Bilder