Halberstadt l Der Name ist Programm: Reisen für alle. Was auf den ersten Blick selbstverständlich scheint, ist es nicht. Wer mit Kinderwagen unterweg ist, im Rollstuhl sitzt, eine Krücke braucht oder andere Hilfsmittel benötigt, um sich zurechtzufinden und fortzubewegen, merkt schnell, wo die Grenzen sind. Hohe Stufen, keine Aufzüge, holpriges Pflaster, keine Wickelmöglichkeit, keine Handläufe, schlechte Ausschilderungen.

Oft kann schnell Abhilfe geschaffen werden, oft bedarf es größerer Umbauten. "Aber wir haben überall gemerkt, dass das Thema Barrierefreiheit inzwischen mehr wahrgenommen wird", sagt Christiane Strohschneider. Als Geschäftsführerin des Fremdenverkehrsverbandes Halberstadt und Umgebung sowie als Chefin der Halberstadt-Information liefen bei ihr die Fäden zusammen, als am neuen Reiseführer "Reisen für alle" gestrickt wurde.

Die Idee, so berichtet sie, wurde schon vor anderthalb Jahren geboren. Damals gab es ein erstes Treffen mit verschiedenen Partnern. Die Stadtinformation Osterwieck, der Internationale Bund aus Badersleben, Vertreter des Rolli-Clubs Halberstadt und Detlef Eckert, engagiert im Behindertenverband, berieten darüber, wie man die Region touristisch attraktiver für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen machen könne. "Das ist eine Herausforderung und eine Chance zugleich", sagte Strohschneider. Herausforderung sei, die Leistungsanbieter wie Gastronomen und Hoteliers für das Thema zu sensibilisieren, aber auch im öffentlichen Raum die Barrierefreiheit stärker im Fokus zu haben.

Die Chance bestehe darin, in einem hartumkämpften Markt neue Zielgruppen zu erschließen. Und, so Strohschneider, "wir haben gerade bei den Kulturtouristen viele Wiederkehrer, die regelmäßig die Region besuchen. Diese Menschen werden auch älter und wenn sie merken, dass wir uns Gedanken machen, bleiben sie uns treu."

Christiane Strohschneider freute sich ebenso wie Manuela Bode, die neue Chefin der Stadtinformation Osterwieck, dass der Reiseführer pünktlich vor der großen Reisemesse ITB in Berlin fertig ist, so dass damit schon geworben werden kann.

In dem Heft finden sich nicht Beschreibungen der schönsten Tourismusziele, sondern wichtige Informationen zu diesen Sehenswürdigkeiten. Komme ich als Rollstuhlfahrer problemlos dort hinein? Oder zumindest nach Anmeldung? Sind die Toiletten barrierefrei, die Türen breit genug, die Stufen auch mit Gehbehinderung zu schaffen? Gibt es Audioführungen, Angebote für Hörbehinderte oder Familien mit kleinen Kindern? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wurden alle Anbieter besucht, mit dem Zollstock gemessen, Stufen gezählt.

"Menschen mit Handicaps bereiten sich meist gründlicher auf eine Reise vor als Menschen ohne gesundheitliche Einschränkungen", ergänzt Kerstin Römer vom Rolli-Club Halberstadt. Mit der Broschüre habe man einen ganz großen Schritt in die richtige Richtung gemacht, auch wenn noch einiges zu tun sei", sagte Kerstin Römer. Und Detlef Eckert gab zu bedenken, das rund 40 Prozent der Menschen von Einschränkungen unterschiedlichster Art und Dauer betroffen sind.

Die notwendigen Infos zu geben, ist wichtig. "Das müssen dann auch die Anbieter vor Ort tun, sonst war die ganze Arbeit für die Datenbank des Reiseführers umsonst", sagte Eckert, denn oft fragen Reise-Interessierte direkt in den Hotels oder Einrichtungen nach, wie die Besuchsbedingungen sind und was man sich noch anschauen könne in der Umgebung.