Ein wenig enttäuscht ist Jens Klaus schon, dass zum allerersten Arbeitseinsatz in diesem Jahr nur eine Handvoll Helfer gekommen ist. Er hofft nun, dass die Beteiligung an den kommenden Einsätzen reger sein wird. Denn bis zum Beginn der diesjährigen Badesaison ist noch viel zu tun.

Von Ramona Adelsberger

Aderstedt l Rauchschwaden steigen auf über der Badeanstalt Aderstedt. "Wir verbrennen hier schon mal den Winter", sagt Jens Klaus, der Vorsitzende des Fördervereins Badeanstalt Aderstedt, lachend. Ein wenig verloren wirkt die Handvoll Männer, die sich an diesem Sonnabendmorgen aufgemacht hat, um das Gelände des Aderstedter Bades auf Vordermann zu bringen. "Wir sind über 50 Mitglieder im Verein, wir hoffen mal, dass sich noch mehr Freunde der Badeanstalt aufraffen und mithelfen", so Klaus. Gelegenheit dazu wird es in der nächsten Zeit an jedem Sonnabendvormittag ab 9 Uhr geben. Nur am 8. März nicht. Das hätte allerdings nichts mit dem Frauentag zu tun, "an diesem Tag spielen wir Skat in Schlanstedt", sagen die Männer schmunzelnd.

Bereits seit zehn Jahren befindet sich die Badeanstalt Aderstedt in den Händen des Fördervereins. Mit der Zahl der Besucher ist der Verein zufrieden, an Spitzentagen können schon mal über 200 Gäste begrüßt werden. Die Lage des Bades, das sich auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei befindet, ist sehr geschützt,sodass die Gäste auch bei windigerem Wetter baden und schwimmen können.

Kinderbecken wird saniert

"Dank eines großzügigen Sponsors sind wir in diesem Jahr in der Lage, das Kinderbecken zu modernisieren", berichtet Jens Klaus. Das Becken wird umgebaut und mit Folie ausgekleidet. Diese Arbeiten sollen zum Saisonbeginn beendet sein.

Für die diesjährige Saison, die am 24. Mai mit einem Neptunfest beginnen soll, sind einige besondere Höhepunkte geplant.

Ein "Arschbomben-Blues"

"Bereits zum dritten Mal wird der beliebte ,Arschbombenwettbewerb` ausgetragen. Dieser wird am Sonnabend, dem 14. Juni, stattfinden. Für den Abend ist es uns gelungen, für alle Musikfreunde ein ganz besonderes Konzert zu organisieren. Wir erwarten die ,Engerling Blues Band` aus Berlin, die in den 1980ern die Ostrockpalette bereichert hat", erzählt Jens Klaus. Weiterhin sei ein großes Sommerfest mit Frühschoppen am 2. und 3. August geplant.

Doch bis dahin sei noch jede Menge zu tun, um die Badeanstalt wieder attraktiv zu machen. "Aufräumen alleine reicht nicht", verrät Jens Klaus.Der Förderverein Aderstedt ist Betreiber und Eigentümer zugleich mit allen Rechten und Pflichten. So gäbe es keinen regulären Badebetrieb, wenn der Verein nicht für einen Retungsschwimmer sorgen würde. Dieser wird von der DLRG gestellt, mit der der Verein einen Vertrag hat. "Den Rettungsschwimmer müssen wir bezahlen", erklärt Jens Klaus. Um das zu finanzieren, reichen die Mitgliedsbeiträge bei Weitem nicht aus. Die Gastronomie an der Badeanstalt ist verpachtet, das bringt ein paar zusätzliche Einnahmen.

Dass die Finanzen des Vereins äußerst knapp sind, bereitet dem Vorsitzenden Bauchschmerzen. "Wir leben von der Hand in den Mund und gehen betteln", gibt er unumwunden zu. "Und wir sammeln Schrott." Dass dieser in der Vergangenheit bereits mehrfach direkt vom Sammelplatz gestohlen wurde, ärgert alle im Verein. "Die Leute haben keine Hemmungen, letztendlich bestehlen sie sich doch selbst", sagt Jens Klaus.

Angebote für die Kinder

Mit den beschränkten Mitteln des Vereins alle Ausgaben zu bestreiten, sei jedes Jahr ein riesiger Kampf. Jens Klaus erinnert sich: "Vor Jahren war kurz vor der Eröffnung die Pumpe kaputt, eine neue musste her, das waren 800 Euro, diese taten richtig weh."

Selbst der Beckenanstrich, der alle zwei bis drei Jahre erneuert werden muss, reiße mit knapp 3000 Euro ein großes Loch in die Kasse. Daher ist der Verein auf Sponsoren angewiesen und auf uneigennützige Arbeit der Vereinsmitglieder und Freunde der Badeanstalt. Um so mehr freut er sich über die Helfer Mike Andree und Lucas Engel, die zufassen, obwohl sie keine Mitglieder des Fördervereins sind.

Jens Klaus sieht einen Unterschied zwischen seinem Verein und einem Kegel- oder Skatclub: "Wir machen das hier nicht für uns, sondern für Aderstedt und für die Kinder." Zum Beispiel kommen in jedem Jahr die Jungen und Mädchen der Grundschule aus Schlanstedt zum Schwimmlager nach Aderstedt.