Wernigerode l Stimmung wie auf einem Schulhof herrscht im AudiMax in Wernigerode. Es wird gelacht, gerannt und Papierflieger unternehmen mal mehr, mal weniger gelungene Flugversuche. 250 Mädchen und Jungen haben den modernen Hörsaal der Hochschule Harz fest in ihrem Griff. Zum ersten Mal in diesem Jahr hat sie in Kooperation mit dem Internationalen Bund (IB) zu ihrer kindgerechten Vorlesungsreihe eingeladen.

Das Foyer in der ehemaligen Papierfabrik ist eine viertel Stunde vor Veranstaltungsbeginn überfüllt. Dicht gedrängt warten Sprösslinge mit ihren Eltern darauf, in den Hörsaal zu gelangen. "Kinder, die keine Anmeldung haben, warten, ob es eventuell doch noch freie Plätze gibt", sagt Andreas Schneider, Pressesprecher der Hochschule.

Kurze Zeit später sitzen alle Studenten auf Zeit auf ihren Plätzen in den Sitzreihen. Rektor Prof. Armin Willingmann lässt eine Mitarbeiterin eine gelbe und rote Karte hochhalten. "Rot ist wie beim Fußball Platzverweis", sagt Willingmann und ergänzt mit einem Lächeln: "Das wird bei euch wohl nicht nötig sein."

Die Mini-Studenten im Alter von acht bis zwölf Jahren sind das Publikum von Christian Fitzner, Musikdirektor und Geschäftsführer des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode. Unter seiner Leitung beginnt eine Führung durch die Kunst des Musizierens und der Klänge. Fitzner hat sie so vorbereitet, dass sie sich von normalem Schulunterricht abhebt, aber trotzdem noch für die Knirpse verständlich ist. "Schwierig war es, das doch recht anspruchsvolle Thema altersgerecht zu gestalten", sagt der Musikdirektor. Außerdem würde er normalerweise ja nicht soviel reden, sondern eher mit den Händen arbeiten, erklärt er in der Pause zwischen den Veranstaltungsblöcken.

Mit Glockengeläut geht es los. Tief dröhnt der Ton von Kirchenglocken durch den Saal. Der Orchesterleiter erklärt, wozu Klänge genutzt und was mit ihnen für Reaktionen hervorgerufen werden. Aber Fitzner doziert nicht nur. Er bindet die Anwesenden mit ein. Wenn er Musikbeispiele abspielt, fragt er danach die kleinen Zuhörer, wie die Musik auf sie gewirkt hat. Vereinzelt melden sich Junior-Studenten und antworten mit "traurig" oder "lustig". Der Dozent lässt nicht alle Antworten durchgehen und fragt: "War das wirklich wütend? "War das nicht eher ein dramatischer Klang?" Gleichzeitig demonstriert er die unterschiedlichen Klänge auf dem Klavier.

Fitzner nutzt für seine Vorlesung Werke von großen Komponisten. Beethoven, Bach, Mozart und Strawinsky dienen dem Orchesterleiter zur Verdeutlichung seines Themas. Wurde doch im Titel der Vorlesung Aufklärung versprochen, warum Musik den Menschen manchmal traurig oder fröhlich stimmt.

Im zweiten Veranstaltungsblock erhöht der Referent den Mit-Mach-Faktor. Einige Kinder haben Instrumente mitgebracht und dürfen dem Publikum ihr Können an Klavier, Gitarre und Blockflöte präsentieren. Da aber nicht alle Solisten sein konnten, wird ein paar Mal im Chor gesungen. "Musik erlernt man vor allem durch Zuhören und Mitmachen", erklärt Fitzner diesen Schritt. Für richtig ausgelassene Stimmung sorgt dann der "Kanon der Gefühle", ein Musikstück, das ausschließlich aus vertonten Gefühlsregungen wie Wut, Trauer und Überraschung besteht. Die Kinder jauchzen, brummen und lachen unter dem Dirigat von Fitzner. Dieser kann seine Freude nicht verbergen und grinst von einem zum anderen Ohr.

Zum Abschluss werden besonders fleißige Nachwuchsstudenten prämiert. Teilnehmer, die zum vierten Mal bei der KinderHochschule dabei waren, werden zum Bronze-Studenten gekürt. Ab der siebten Teilnahme bekommen die Kinder die silbernen Ehrung, nach zehn Teilnahmen die goldene. Junior-Studenten, die 13 Mal teilgenommen haben, werden zu Genie-Studenten ernannt. Für die Mädchen und Jungen ist das laut Pressesprecher Schneider "ein Anreiz, die KinderHochschule zu besuchen".

Den nächsten Stern im Junior-Studentenausweis können sich die Lernwilligen am 17. Mai bei der nächsten Veranstaltung abholen. Gedächtnistraining ist das Thema, Referent ist Johannes Mallow, Gedächtnissport-Weltmeister von 2012.

Anmeldung und weitere Informationen im Internet unter: www.kinderhochschule.eu

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