Sie ist gut in Frankreich angekommen, die Trompete des August Binkebank. Das Städtische Museum Halberstadt stellt das Instrument als Leihgabe zur Verfügung. Die Signaltrompete kam im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 zum Einsatz.

Halberstadt l Das Einschussloch im Instrument ist ein beredtes Zeugnis. Militärgeschichte pur. Die soll nun auch im neuen Museum in Gravelotte erzählt werden. Die Halberstädter Signaltrompete von August Binkebank, der beim "Todesritt von Mars la Tours" dabei war, wird ab April in Gravelotte/Metz gezeigt (Volksstimme berichtete).

Am Montag übergaben Armin Schulze, Direktor des Städtischen Museums Halberstadt, und Claus-Dieter Kunkel als Vertreter des Halberstädter Geschichtsvereins, die preußische Signaltrompete des Kürassiers Binkebank als Leihgabe an das kurz vor Eröffnung stehende Museum in Gravelotte bei Metz. Die neue, vom Kulturministerium und dem Departement Moselle finanzierte Einrichtung wird künftig zu den französischen Nationalmuseen zählen.

Noch bestimmen Baugerüste das Bild

Eric Necker, Chefkonservator des Departements, und Christine Tourneux nahmen das Exponat in Empfang. "Die Übergabe der Leihgabe ist der bisherige Höhepunkt einer Kooperation zwischen Halberstadt und Metz-Gravelotte, die 1993 begann", berichtet Armin Schulze nach seiner Rückkehr.

Das neue Gebäude des Museums des Krieges von 1870/1871 und der Annexionszeit an der Rue de Metz am Eingang der Gemeinde Gravelotte, genau gegenüber der in "deutscher Zeit" gebauten Gedenkhalle, sieht noch sehr nach Baustelle aus, so Schulze. Intensiv werde an der Fassade und der Vorplatzgestaltung gearbeitet. Auch im Erdgeschoss mit Empfangs-, Vortrags- und Sonderausstellungsräumen gebe es augenscheinlich noch viel zu tun.

"Der Eindruck ändert sich im Ausstellungsgeschoss in der ersten Etage. Die Vitrinen, die in wenigen Tagen die Exponate aufnehmen, stehen an Ort und Stelle. Zahlreiche Gemälde lehnen verpackt an den Wänden, die schon mit Informationen zu den historischen Ereignissen vor nunmehr 144 Jahren versehen sind. Zusammen mit zwei großen, auf Podesten platzierten Haubitzen ist bereits eine Vorstellung der späteren Ausstellung im architektonisch minimalistischen Raumkonzept möglich", berichtete der Halberstädter.

Trompete wird an prominenter Stelle präsentiert

Chefkonservator Eric Necker erläuterte die Konzeption der Präsentation: eine sich auf das Wesentliche konzentrierende Informationsvermittlung, gepaart mit beeindruckenden Exponaten und zahlreichen medialen Bild- und Toninstallationen. Die Texte aus der unmittelbaren Kriegszeit sind in französisch und deutsch und der Zeit nach dem Kriegsende in deutsch-französisch gehalten. Einen Überblick der zeitgeschichtlichen Ereignisse geben Zeitungsberichte aus beiden Ländern.

Unmittelbar im Eingangsbereich der Ausstellungsetage wird die Leihgabe des Halberstädter Museums, die "Trompete von Mars la Tour" des in Osterwieck geborenen Kürassiers Binkebank zu sehen sein. "An ganz prominenter Stelle also", so Schulze.

Die ehemals in der "Ruhmeshalle" der Paulskirche in Halberstadt installierte Trompete war im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Gedächtnisikone des dritten, von Bismarck provozierten "Einigungskrieges". An dessen Ende wurde der preußische König Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zu "Kaiser Wilhelm". Das war die Geburtsstunde des Deutschen Reiches. Das Instrument erinnerte an den "Opfergang" der Halberstädter Kürassiere, der Braunschweiger Husaren und der Ulanen aus Salzwedel am 16. August 1870 in der Nähe von Gravelotte, einer Reiterattacke, an der am Ende fast die Hälfte der 800 Reiter starken Truppe tot oder verwundet war.