Seit mehr als 20 Jahren setzt sich Hildegard Loose für die Gleichstellung von Frauen ein. Für ihr Engagement wurde sie nun vom Frauenverband des Landkreises geehrt - und war bis zur letzten Minute völlig ahnungslos.

Halberstadt l Sie ist wohl die einzige, die von nichts weiß. Als Hildegard Loose den Raum im Halberstädter Frauenzentrum "Lilith" betritt, verstummen Gespräche, verstohlene Blicke treffen sie. Noch bevor die 50-Jährige über die Situation nachdenken kann, beginnt Astrid Meyer mit ihrer Laudatio auf die Frau des Jahres. "Sie macht es eben, sie quasselt nicht", beschreibt die Vorsitzende des Unabhängigen Frauenverbandes (UFV) die noch immer ahnungslose Geehrte. Doch je länger sie spricht, desto weniger Zweifel gibt es: Die "Mitfrauen" des Vereins, wie sie sich selbst nennen, haben für Hildegard Loose gestimmt.

Sie kümmert sich ehrenamtlich um die Finanzen des UFV im Harz, übernimmt jedoch auch gern andere Aufgaben, berichtet Astrid Meyer. Seit mehr als 20 Jahren setzt sie sich für Frauen ein, war Wegbereiterin für das Frauenhaus in Halberstadt, Mitherausgeberin der "femm" - einer regionalen, politischen Zeitung für Frauen. Sie gestaltet, schreibt, rechnet. "Und dabei drängt sie sich nie in den Mittelpunkt", betont Meyer.

"Es ist mir einfach ein inneres Bedürfnis", sagt Hildegard Loose bescheiden. "Ich bin selbst eine emanzipierte Frau und möchte anderen helfen, sich selbst zu helfen." Nach wie vor bestehe die Notwendigkeit, sich politisch für Gleichstellung zu engagieren. "Ich habe das Gefühl, dass in der letzten Zeit nicht viel passiert ist. Wir führen die selben Diskussionen wie vor 20 Jahren", sagt die Dardesheimerin, die aus Erfurt stammt. Als Beispiel führt sie den "männlichen" Sprachgebrauch und die Ungleichheit in der Entlohnung von Männern und Frauen an. "Leider sind das Themen, die keine große Lobby haben. Es ist schwer, Sponsoren für unsere Arbeit zu finden", sagt die zweifache Mutter. Ein Grund zur Resignation sei das jedoch nicht.

Zum Dank für ihr stetes Engagement erhielt sie ein einzigartiges Schmuckstück von der Frauengruppe. Eine Kette mit dem Vereinslogo und einem Malachit daran. "Das ist ihr Geburtsstein", erläutert Bärbel Herre. Die gelernte Goldschmiedin hat das Schmuckstück angefertigt. Es ist bereits der sechste Anhänger, jeder wurde individuell auf die Trägerin abgestimmt. Denn genau so oft wurde bereits die Frau des Jahres gekürt. "Wir haben damit begonnen, um ein öffentliches Zeichen zu setzen und Frauen herauszuheben, die sich besonders engagieren", erläutert Vereinsvorsitzende Astrid Meyer. Zudem soll so angeregt werden, über die Frauen und ihre Arbeit nachzudenken.

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