Ein Petitionsausschuss auf Kreisebene, kurze Wege für kurze Schülerbeine und kostengünstige Mobilität dank eines speziellen Harzer Schülerfreizeittickets - Ziele, mit denen die Linken in die Kreistagswahl gehen. 70 Kandidaten sind am 25. Mai am Start.

Quedlinburg l Die Linkspartei rückt bei der Kreistagswahl die Probleme der jüngeren Generation in den Fokus und stellt die "100-prozentige soziale Ausrichtung" in den Mittelpunkt. Bei ihrem Kreisparteitag haben die Linken am Wochenende nicht nur die Schwerpunkte für den Kreistags-Wahlkampf formuliert, sondern auch 70 Kandidaten für die Wahl am 25. Mai nominiert.

Zur bewussten sozialen Ausrichtung zählen für Kreischef André Lüderitz insbesondere ein dichtes Grundschulnetz und die nötige Mobilität der Schüler. Die Linken sprechen sich grundsätzlich gegen weitere Grundschul-Schließungen aus und gehen damit auf Distanz zur SPD.

Deren Kreischef Ronald Brachmann hatte den Linken vor Wochenfrist deutliche Ovationen für eine Zusammenarbeit gemacht. Signale, die André Lüderitz erfreut registriert hat. Es werde, sagte er am Rande des Kreisparteitags, noch vor dem Wahltermin im Mai auf Kreisebene Gespräche geben, um die Zusammenarbeit bei bestimmten Sachthemen abzuklopfen. "Es gibt - losgelöst von der strittigen Grundschulfrage - gemeinsame Schnittmengen, die es auszuloten gilt." Zudem stünden auch viele SPD-Mitglieder in den Ortsgruppen dem Vorstoß ihrer Parteispitze mit Kultusminister Stephan Dorgerloh, die Mindestschülerzahl an Grundschulen auf 80 anzuheben, kritisch gegenüber, so Lüderitz. "Wir müssen sehen, was geht und was nicht. Ich persönlich halte die Anhebung auf 80 Schüler für nicht machbar." Die Kurskorrektur der CDU in der Grundschulfrage bezeichnet Lüderitz als "frech, da sich die Kollegen von der CDU bislang stets pro 80 Schüler positioniert haben".

Weniger Schulen und eine rückläufige Zahl von Freizeitangeboten in der Fläche bedeuteten längere Wege für die Jugendlichen, so Lüderitz. Hier wollen die Linken mit einem speziellen Harzer Schülerfreizeitticket (Hasch) gegensteuern. Es soll - ähnlich dem Urlaubsticket Hatix - Schülern bei einem geringen Monatsbeitrag die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen. Inhaber des Sozialpasses sollen zusätzliche Preisnachlässe erhalten.

Geht es nach den Linken, soll ein Instrument aus dem Landtag auf Kreisebene etabliert werden: Ein Petitionsausschuss, in dem Bürger Kritik gegenüber Behörden und öffentlichen Einrichtungen formulieren können. Ferner machen sich die 460 Mitglieder der Linkspartei im Harzkreis für eine zwischen Kreis und Land besser abgestimmte Förderung von Sportstätten und touristischen Attraktionen stark. Doppelförderungen wie beim Kurzentrum Bad Suderode und der Bodetal-Therme in Thale dürfe es nicht mehr geben. In der Debatte um das Harz-Klinikum hat die Linkspartei eine klare Position: "Ja zur weiteren Fusion der Kliniken Quedlinburg und Wernigerode und nein zu jeglichen Privatisierungsgedanken", so Lüderitz.

Weitere Schwerpunkte im Wahlprogramm sind der Ausbau der Sozialpass- und Familienangebote. Die 50-prozentige Ermäßigung auf Einzelfahrscheine für Sozialpass-Inhaber soll gesichert und auf das neue Schülerfreizeitticket ausgedehnt werden. Ferner wollen die Linken die Integration von Senioren und Menschen mit Handicaps ins Alltagsleben voranbringen, gegen die Folgen von Hartz-IV kämpfen und den Nahverkehrsplan im Rahmen einer öffentlichen Diskussion überarbeiten. Die kulturellen Angebote sollen vor dem Rotstift geschützt und die Sportvereine maßvoll finanziell unterstützt werden, heißt es im Wahlprogramm mit der Überschrift "100 Prozent Sozial". Der Wirtschaftsförderung im Kreis wollen die Linken einen Neustart verordnen. Dabei müssten die Bedürfnisse der Unternehmen sowie der Beschäftigten in den Mittelpunkt rücken. Das "Bündnis gegen Rechts" im Kreistag soll fortbestehen. Zudem fordern die Linken eine bessere Finanzausstattung für die Kommunen, um deren Selbstverwaltung zu garantieren.