Die Seniorenakademie ist unter neuer Leitung erfolgreich in das neue Jahr gestartet. Zahlreiche interessierte Besucher, darunter auch von der Seniorengruppe der HaWoGe, informierten sich zum Thema Stadtentwicklung. Dazu konnte Leiterin Gerda Rühe den ehemaligen Baudezernenten der Stadt, Rainer Schöne, begrüßen.

Halberstadt. Der Fachmann erinnerte anhand zahlreicher Fotos von historischen Stadtansichten und Plänen an die Entwicklung Halberstadts seit dem Jahr 1581. Aus diesem Jahr hatte Rainer Schöne ein erstes Stadtbild parat. "Damals gehörte Halberstadt zu den 20 größten Städten Deutschlands, heute sind wir etwa auf Rang 300", sagte er. Das Bistum Halberstadt hatte einst die Größe des heutigen Sachsen-Anhalt und dementsprechend gab es in der Stadt des Bischofs auch viele repräsentative Bauten. Eindrucksvoll wurde auf mehreren Stadtplänen der Ring der Stadtbefestigung deutlich, den man so noch heute ablaufen kann, weil sich an ihm entlang viele Grünanlagen befinden. Auch um 1804 bestand die Stadt fast nur aus Häusern innerhalb der Stadtmauern. Zum "großen Sprung" wurde dann mit der Jahrhundertwende angesetzt. Ein Stadtplan von 1905 zeigt, dass im Süden der Stadt kräftig gebaut wurde. 1914 reichte die Stadtplanung bereits bis an die Halberstädter Berge.

Ein anderer Plan macht die früheren Vorhaben deutlich, neben dem Sargstedter Weg eine Eisenbahntraße über den Huy in Richtung Dingelstedt zu verlegen. Dieses Vorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt, aber die Sargstedter Siedlung gebaut.

1940 gab es dann Pläne für einen großen Bahnhofsvorplatz. Im Sonntagsfeld reichte die Planung für die Wohnbebauung bereits bis zum Waldrand. Heute wird dort mit einem 100-Meter-Mindestabstand geplant und gebaut. In der Nazizeit gab es Pläne für den Aufbau eines großen Verwaltungszentrums. Das sollte mit einem großen Aufmarschplatz in der Nähe des Gerichts entstehen.

Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung

Für die Besucher gab es außerdem Einsichten in zahlreiche Pläne zum Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung. So wurde ein Dokument vom Mai 1945 mit dem Plan für einen großen Heineplatz und große Wohnquartiere gefunden. "Mit wenigen Gebäuden wollte man die Stadt beleben", so Schöne. 1945 fand dazu bereits ein erster Architekturwettbewerb statt.

"In den verschiedenen Aufbauplänen bis in die 1980er Jahre wurden schließlich immer weniger repräsentative Bauten vorgesehen", erläuterte Schöne. Dagegen konnte der völlige Umbau der Altstadt schließlich gestoppt werden.

Nach der politischen Wende gab es wieder einen Architekturwettbewerb für die Bebauung des Stadtzentrums. Den ersten Preis erhielt ein Büro aus Braunschweig, das die historischen Häuserfluchten im Stadtzentrum erhalten wollte. Dies wurde mit einigen Änderungen auch umgesetzt.

"Ja, genau das ist es, ein Stück altes Halberstadt", sagte ein Teilnehmer beim Anblick der historischen Fotos. "Ein sehr informativer Vortrag. Es wurden viele Kindheitserinnerungen wach", resümierte Gerda Rühe. Sie dankte Rainer Schöne für seine Ausführungen und hofft, das auch die nächsten Veranstaltungsthemen der Seniorenakademie auf so großes Besucherinteresse stoßen. Ihr besonderer Dank galt der Leitung der HaWoGe, die die Vorbereitung der Veranstaltungen tatkräftig unterstützt hatte. In der Regel wird an jedem ersten Montag im Monat zu der Akademie eingeladen.