Dieses Jahr ist ein Wahljahr. Im Mai werden die Gemeinderäte und Ortschaftsräte im Huy neu bestimmt. Nachdem sich Irene Markworth (CDU) fünf Jahre als Ortsbürgermeisterin für Schlanstedt eingesetzt hat, stellt sie sich nicht noch einmal zur Wahl.

Schlanstedt l "Ich hatte immer den Anspruch, dass die Bürger mit meiner Arbeit zufrieden sind", sagt Irene Markworth zurückblickend. Offensichtlich hat sie das erreicht, denn viele Schlanstedter haben versucht, sie zum Weitermachen zu überreden. Irene Markworth erinnert sich: "Nach der 1075- Jahrfeier 2008 sprachen mich verschiedene Leute an, ob ich nicht kandidieren wolle." Bürgermeisterin sei sie dann eher zufällig geworden. "Damals hatte ich mir das Ziel gesetzt, fünf Jahre zu arbeiten und diese sind jetzt eben um." Unter den Ratsmitgliedern überwiege zwar das Bedauern, es gebe aber auch viel Verständnis für ihre Entscheidung. Allerdings sei zur Zeit noch kein potenzieller Nachfolger in Sicht. Es gebe zwar genügend Bewerber für den Ortschaftsrat, aber noch keinen für die Spitze.

Mit Blick auf die jüngere Entwicklung von Schlanstedt gibt Irene Markworth unumwunden zu, dass sie sehr bedaure, dass die Burg verkauft worden sei. "Die Burg war einst Mittelpunkt des Dorflebens der Schlanstedter und wäre niemals verfallen", ist sie überzeugt. Zwar gehöre der Burgstall als Dorfgemeinschaftsraum noch der Gemeinde, aber Burgstall sei eben nicht Burg.

Stolz ist Irene Markworth, dass sie mit der Idee des Stammtischs Unternehmer und Vereine an einen Tisch gebracht hat. "Dadurch sind sich die Bürger näher gekommen und die Vereine ziehen an einem Strang", sagt sie erfreut. Beispiele seien das Kinderfest oder der Weihnachtsmarkt. Auch sei das Interesse der Bürger an ihrem Ort spürbar gewachsen.

"Strengere Gesetze müssen her, um die Schandflecke verschwinden zu lassen."

Als nicht gelungen in ihrer Amtszeit sieht sie hingegen den immer noch schlechten Zustand einiger Straßen in Schlanstedt. "Das habe ich leider nicht geschafft", sagt sie.

Sorgen macht sie sich auch um den Leerstand im Ort und die Sauberkeit dieser Grundstücke. Als Beispiel nennt sie die Kreuzbergschule, die allmählich verkomme und wo der Fußweg bereits zugewachsen sei, auch den Bauernhof gegenüber der "Heimatstube". "Wie kann es sein, dass uns bei so offensichtlich verkommenden Gebäuden die Hände gebunden sind. Wir brauchen dringend strengere Gesetze, um die Eigentümer in die Pflicht nehmen zu können", fordert sie.

Hinsichtlich der Gewerbeansiedlung befinde sich Schlanstedt in einer komfortablen Position. Mit Dateko, Froximun und Strube gebe es gute Arbeitgeber im Ort. Um allerdings junge Familien nach Schlanstedt zu locken, müsse der Ort attraktiver werden. Dazu gehöre unbedingt auch der Erhalt der Grundschule. Ihrem Nachfolger wünscht Irene Markworth, "dass er die Arbeit in ihrem Sinne fortsetzt und bei Vorhaben, die sie nicht beenden konnte, mehr Glück hat."

Sie sagt: "Ich bin jetzt 71 und manches fällt mir nicht mehr ganz so leicht. Und ich habe noch so viel vor." Da sei noch ein Regal voller Bücher, die darauf warten, gelesen zu werden. "Zur Zeit lese ich Puschkin", sagt sie. Nachdem sie fünf Jahre als Bürgermeisterin immer im "Dienst" war, möchte sie in Zukunft mit ihrem Mann noch gemeinsame Unternehmungen starten. Irene Markworth beschreibt: "Wir haben keine Weltreisen vor, uns zieht es in den Harz und höchstens mal in den Spreewald." Auf dem Tisch liegt eine handgearbeitete Decke. "Ich liebe Hardanger Stickerei und freue mich darauf, wieder mehr Zeit für Handarbeiten zu haben." Außerdem singe sie im Chor und werde wieder aktiv in der Seniorenunion der CDU in Halberstadt arbeiten.

Auch für ihre Familie mit Kindern und Enkeln soll wieder mehr Zeit sein. Diese seien übrigens nicht ganz unschuldig an ihrer Entscheidung. Mehr als einmal musste Irene Markworth hören: "Mutter, du musst mal ruhiger gehen."