Eine tierische Begegnung mit Ansage: Kindergartenkinder aus Radisleben haben in Halberstadt ihre neuen Spielkameraden begutachtet. Darunter einen Esel und ein Schwein, gefertigt von Amateurschnitzern.

Halberstadt l Esel, Schwein und Co. - was klingen mag, wie der Titel einer neuen Tierparksendung im öffentlich rechtlichen Fernsehen, wurde in der Kreativwerkstatt des Halberstädter Bildungsinstitutes AFU (Ausbildung - Fortbildung - Umschulung), einem Projekt der Kommunalen Beschäftigungsagentur (KoBa), Realität.

Dort entstehen geschnitzte Ebenbilder verschiedener Haustiere, die auch zum Reiten geeignet sind. Vergangene Woche bekamen die "Tierpfleger" der KoBa Besuch von einigen zukünftigen "Tierhaltern". Ein halbes Dutzend Kindergartenkinder der Tagesstätte Domänenhof in Radisleben durfte die hölzernen Spielgefährten erstmals unter die Lupe nehmen.

Einige bereits fertiggestellte Exemplare wurden von den Minijockeys sogleich auf ihre Funktionalität getestet. Mit ausgelassenem Jubel bestiegen die Knirpse bereits im Vorraum die ersten Skulpturen.

Hase und Hühner eroberten die Herzen ihrer Reiter sofort im Sturm. In der Werkstatt zeigte Holzbildhauermeister Uwe Bormann den Kleinen und Tagesstätten-Leiterin Anja Amft die größeren Exemplare. Für Staunen sorgten dabei der noch nicht komplett fertig gestellte Esel sowie ein Holzschwein.

Die Figuren sind den Originalen beinahe lebensgroß nachempfunden, aber trotzdem kam es bei den Knirpsen zu kurzen Unstimmigkeiten: "Ich möchte jetzt auch mal da drauf", war eine ungeduldige Stimme zu hören. "Ich war auch noch nicht", eine weitere. Als daraufhin die anderen fertigen Tiere aus dem Flur mit in die Werkstatt hinzugeholt wurden, gab es nur noch fröhliches Kinderlachen und zufriedene Erwachsene zu sehen und hören.

Thomas Hauptmann, der Schnitzer des Schweines, stellte zufrieden fest: "Die Kinder so begeistert zu sehen, dass freut einen schon."

Anja Amft war im Juli vergangenen Jahres an die KoBa mit der Frage herangetreten, ob es möglich sei, für den Kindergarten Holzfiguren zu bekommen. Die Idee kam ihr eigenem Bekunden nach, als sie von der Übergabe von Holzfiguren an den Tierpark Spiegelsberge gelesen hatte.

Nach der Zusage der KoBa ging alles ganz schnell. Seit Anfang Oktober werden die Tiere in Handarbeit aus Lärchenstämmen geschnitzt. Jeder der acht Projektteilnehmer bekam dann unter der Anleitung von Schnitzmeister Bormann ein Tier zugewiesen und arbeitete weitgehend allein daran. "Jede Figur braucht etwa vier Wochen, vom rohen Stamm bis zum fertigen Objekt", sagte Bormann und ergänzte, dass es bei den größeren Tieren auch schon mal länger dauern könne. So benötige der Schnitzer des Esels etwa drei Monate, bis der fertig sei.

Bis auf einen Ölanstrich bleiben die Holzplastiken naturbelassen. "Da das Holz direkt aus dem Wald kommt, kann mit den Tieren im Freien nichts passieren, die halten mehrere Jahrzehnte", sagte Bormann. Etwa 15 Tierfiguren werden insgesamt Anfang April an den Verein übergeben. Uwe Bormann und die Projektteilnehmer fahren zur Übergabe nach Radisleben. Dort werden die Holztiere im Außenbereich der Einrichtung aufgestellt.

Die naturtherapeutische Tagesstätte hat vor zwei Jahren einen auch für die Öffentlichkeit zugänglichen Spielplatz bauen lassen. Dieses Gelände wurde naturnah angelegt und dazu wurden sowohl Tiergehege als auch Stallungen darin integriert. Darin sind laut Anja Amft etwa 30 Tiere aus dem Nutz- und Kleintierbereich untergebracht. Mit Hilfe der animalischen Spielgefährten sollen die Kinder Natur und Leben greifen und begreifen lernen.