Jugendliche zweier Schulen engagieren sich gemeinsam in einem Projekt bei den "Tagen der Begegnung". Die Aktion findet in der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge statt.

Halberstadt l Jonas Böhler steht vor der Gedenktafel am Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge. Den Kopf hat er zum Lesen in den Nacken gelegt. Die halblangen Locken verdecken sonst seine Augen.

"Mich interessiert das Thema einfach", antwortet er auf die Frage, warum er sich freiwillig bei einem Projekt engagiert, das sich mit der Aufarbeitung der Geschichte des Konzentrationslagers beschäftigt. Der 17-Jährige erzählt, dass er durch Martina Lucht zu dem Projekt kam. Die Lehrerin der Berufsbildenden Schule (BbS) in Böhnshausen war in verschiedene Klassen gegangen und hatte gefragt, ob jemand Interesse habe, bei dem Projekt mitzuwirken. Neben dem jungen Wernigeröder hatte sich noch ein Freund von ihm gemeldet.

"Die Jugendlichen sollen anhand des hier Erlebten die Historie begreifen."

Hanka Rosenkranz, Gedenkstättenpädagogin in Langenstein-Zwieberge

Die "Wege im Lager" sollen in einer Gedenkaktion am 13. April auf dem Gelände nahe des Eingangsbereiches dargestellt werden. In den Boden gesteckte Metallstangen symbolisieren Plätze im Lager, die im Alltag der Häftlinge wichtig und entscheidend waren. Mit weißem Flatterband werden dann die Wege und deren Geradlinigkeit angedeutet. Auf jedem "Weg" werden die jungen Teilnehmer Gedanken, die sie bei der Umsetzung des Projektes hatten, notieren.

Angst, bis hin zu Albträumen hätten die Jugendlichen verspürt, berichtet Gedenkstättenpädagogin Hanka Rosenkranz. Sie hatte Freiwillige in der Sekundarschule Hagenberg in Gernrode für das Projekt mobilisiert. Bis auf eine Ausnahme sind die anwesenden Mädchen alle erst 15 Jahre alt. Der Holocaust sowie der Zweite Weltkrieg sind seit Anfang des Schuljahres Inhalt ihres Geschichtsunterrichtes. "Die Jugendlichen sollen anhand des hier Erlebten die Historie begreifen", sagt Hanka Rosenkranz. So funktioniere praxisorientiertes Lernen, erklärt die Geschichtslehrerin.

Für die Dramaturgie des Projektes wurde Anja Grasmeier, Theaterpädagogin im Nordharzer Städtebundtheater, gewonnen. Jonas Böhler und die anderen Projektteilnehmer sollen beim Gang zwischen den einzelnen Orten des Schreckens ein Zitat von ehemaligen Häftlingen vortragen.

Nicht zu schnell und vor allem ganz deutlich sollen die jungen Leute sprechen - die Theaterfrau befürchtet sonst, dass der Wind die Stimmen verwehen könnte. Die Gäste der Veranstaltung am 13. April sollen schließlich jedes einzelne Wort genau hören.

Die Idee zu dem Projekt hatte die Gruppe der 2. Generation, einem Zusammenschluss von Nachkommen ehemaliger KZ-Häftlinge. Etwa 65 ehemalige Insassen und Nachkommen erwarten die Organisatoren zur diesjährigen Veranstaltung. Diese beginnt am Freitag, dem 11. April.

"Das Projekt in der Gedenkstätte macht mir Spaß."

Jonas Böhler, Schüler

An diesem Tag werden die Freiwilligen um Jonas Böhler die Gäste kennenlernen und mit ihnen Gespräche führen können. Aufregung verspüre er jetzt noch nicht, sagt der Schüler, ergänzt aber, dass er nicht wisse, wie das an jenem Freitag sein werde. Der junge Mann strahlt dabei eine Gelassenheit aus, die nicht vermuten lässt, dass er aufgeregt sein wird. Ohne Hast rollt er das Flatterband auf und lächelt verschmitzt. "Das Projekt in der Gedenkstätte macht mir Spaß", sagt er und verweist darauf, dass er bei jedem Treffen seit dem verschneiten Tag im Februar, als die Teilnehmer das erste Mal zu der Gedenkstätte kamen, dabei gewesen sei. Die gute Note, die er für sein Engagement am Projekt erwarten kann, sei nur ein schöner Nebeneffekt.