Halberstadt. Rot wie Feuer und geschwungen wie die gotischen Fenster des Halberstädter Doms: Seit Weihnachten liegt auf dem Altar des Stephanus-Doms ein neues Antependium. Ein Antependium ist eine Altardecke, die im Laufe des Kirchenjahres ein anderes Erscheinungsbild hat.

Ulrich Schäffner, Halberstädter Pfarrer im Ruhestand, erklärt, wofür die unterschiedlichen Decken stehen. So steht ein weißes Antependium für die Christusfeste wie Ostern oder Himmelfahrt. Das violette Tuch wird während der Zeit der Buße und des Fastens – also von Aschermittwoch bis Karsamstag – und in der Adventszeit aufgelegt. "Ursprünglich ist diese Zeit ja auch eine Zeit der Buße und des Fastens", so Schäffner. Ein grünes Antependium liegt die meiste Zeit des Jahres auf den Altären, denn es begleitet die Zeit zwischen den Feiertagen.

Die rote Decke fehlte bisher im Bestand der Gemeinde, wie Ulrich Schäffner zu berichten weiß. Sie ist eigentlich für Pfingsten vorgesehen, wird aber auch zum Reformationstag und zu den Gedenktagen für Heilige und Märtyrer aufgelegt. Und der 26. Dezember ist der Tag des Stephanus – des Namenspatrons des Halberstädter Doms. Er gilt als einer der ersten Märtyrer. Den Missstand, das ausgerechnet das Antependium, welches den Namensgeber des Gotteshauses ehrt, nicht im Bestand war, wollte die Gemeinde nun ändern.

Die Aufragsarbeit aus Seide wurde Katharina Hinz übertragen. Die Tochter des ehemaligen Halberstädter Künstlers und Ratspräsidenten Peter Hinz gilt als Expertin für solche Arbeiten. Sie empfand das textile Kunstwerk den gotischen Bögen des Halberstädter Doms nach. "Wir haben lange miteinander geredet und uns schließlich für eine schlichte, aber sehr symbolische Darstellung entschieden", so Schäffner. Die Rottöne der Altardecke finden sich auch im großen Fenster des Hohen Chores wieder. In der Gestaltung hat Hinz die Formen des Gewölbes aufgenommen.

Das rote Antependium von Katharina Hinz wird noch bis zum Ende dieser Woche auf dem Altar liegen, um dann erst wieder zu Pfingsten präsentiert werden.

Das Antependium ist im übrigen nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Parament, das den gesamten Altar bedeckt. Als Antependium wird lediglich die farblich gestaltete Front bezeichnet.