"Freundschaften einst und jetzt" war das Leitmotiv der diesjährigen Feier für Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Die Feier aus Anlass des 295. Geburtstages lockte rund 100 Kinder und Jugendliche an. Obendrein wurden sechs Museumsbotschafter ernannt.

Halberstadt l Im Halberstädter Gleimhaus ist Geburtstagsparty angesagt. "Da müssen wir hin", sagten sich knapp 100 Kinder und Jugendliche und pilgerten am Sonntagnachmittag in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern ins Literaturmuseum, um den 295. Geburtstag von "Vater Gleim" zu feiern. Die Gastgeber - die Mitarbeiter des Museums, die Mitglieder des Förderkreises und die Lesepaten - bewiesen, wie gut sie es verstehen, eine Feier auszurichten, bei der keine Wünsche offenbleiben.

So hatten die Geburtstagsgäste die Wahl, in Gleimscher Manier einen Brief mit der Feder an einen Freund zu schreiben und das Schreiben zu versiegeln oder im Rahmen des "Gleim-net" die Rolle einer Persönlichkeit aus Gleims Freundeskreis zu übernehmen und in einem lokalen Netzwerk miteinander ins Gespräch zu kommen.

Obendrein konnten sie sich im Schattenriss nach der (fast) originalen Methode des 18. Jahrhunderts porträtieren lassen oder Buttons für Freunde basteln. Das beliebte Entenschießen als Referenz an die Spielkultur zu Zeiten Gleims durfte ebenfalls nicht fehlen. Musikalisch umrahmt wurde die opulente Geburtstagsfeier vom Chor der Goethe-Grundschule, mit der das Gleimhaus einen Kooperationsvertrag hat.

Höhepunkt der Geburtstagsfeier war die Ernennung von sechs Kindern zu Museumsbotschaftern - sogenannten "Peer Teamer". Mit ihrer Zertifizierung endete der erste Durchlauf des Projektes "Freundschaften - einst und jetzt". Eine filmische Dokumentation hielt seine Etappen fest.

"Gleim war ein Genie der Freundschaft, das Gleimhaus ist ein Museum der Freundschaft. Freundschaft ist und bleibt eines der wichtigsten Themen auch und gerade der Jugend. Unser Projekt will Kindern und Jugendlichen das Gleimhaus über deren eigenen Interessen vermitteln", unterstrich der wissenschaftliche Museumsmitarbeiter Reimar Lacher.

Im Rahmen eines Museums- und Medienworkshops seien einige Kinder und Jugendliche zu Museumsbotschaftern ausgebildet worden. Sie sollen nun im nächsten Schritt ihren Freunden und Bekannten das Gleimhaus vorstellen und gemeinsam mit ihnen ein Porträt des Hauses erarbeiten. Das Programm soll zur Beschäftigung mit dem Thema "Freundschaft" sowie zu musealer, sozialer und medialer Kompetenz beitragen", so der Lacher.

Das Vorhaben wurde in Zusammenarbeit mit dem Soziokulturellen Zentrum "Zora" und dem "Rauhen Haus" umgesetzt. Von letzterem waren Katharina Krannich und Petra Lorek auf der Geburtstagesfeier vertreten. Es ist Teil des Förderprogramms "Von uns - für uns! Die Museen unserer Stadt entdeckt" des Deutschen Museumsbundes, der in Persona von Christine Brieger vertreten war.

"Mit diesem Förderprogramm beteiligt sich der Deutsche Museumsbund als einer von 34 Projektpartnern an der Initiative ,Kultur macht stark - Bündnisse für Bildung` des Bundesbildungsministeriums, sagte Brieger am Rande der Veranstaltung. Der erste Durchlauf des Projektes habe im September 2013 begonnen, weitere seien für 2014 und 2015 geplant.

"Gleim war ein Genie der Freundschaft, das Gleimhaus ist ein Museum der Freundschaft."

Reimar Lacher, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Gleimhaus

Wie sehr die angehenden Museumsbotschafter ihre neu erworbene Qualifikation einzusetzen verstehen, zeigten unter anderem Felix und Pascal (beide als Gleim) und Isabell Zorn (als Anna Luisa Karsch). Sie führten im Laufe des Geburtstagsfestes - sprühend vor Begeisterung und großer Identifikation mit ihrer Rolle - die großen und kleinen Gäste durch "ihr" Museum.

Ganz im Sinne des Projektes haben die Botschafter es auch verstanden, weitere Kinder für das Museum zu begeistern. Zum Beispiel Marie, auf deren Initiative die Kinder von Sabrina und André Gebauer sowie von Mona und Detlef Rosenbusch das Museum besuchten. Für Reimar Lacher ist diese besondere Art der Museumspädagogik auf Augenhöhe - Kinder führen Kinder - besonders wertvoll. Das Potenzial soll auch künftig genutzt und etabliert werden.

Deshalb soll der Kontakt zwischen Museumsteam und den jungen Museumsbotschaftern nicht abreißen. Museumsdirektorin Ute Pott: "Für eine gewisse Zeit können sie weiter kostenlos das Gleimhaus besuchen."

 

Bilder