17 533 Fälle haben die Kriminalisten 2013 erfasst - vom Fahrraddiebstahl bis zum Mord. Einige von ihnen sind spektakulär gewesen. Zumindest einer davon verfolgt die Ermittler sogar schon seit Jahren, wie ein Blick in die jüngste Statistik zeigt.

Wernigerode/Ditfurt/Quedlinburg l Die Kripo-Statistik 2013 für das Polizeirevier Harz ist noch ausführlicher ausgefallen als in den Jahren zuvor. Neben einer Aufstellung der Straftaten werden einige der 17 533 erfassten Delikte detailiert beleuchtet - die spektakulärsten.

So zum Beispiel die Amoktat einer 15-jährigen Schülerin am 26. Februar am Wernigeröder Gerhart-Hauptmann-Gymnasium. Den Ermittlern stellt sich der Fall im Nachhinein wie folgt dar. Um 9.50 Uhr stand das Mädchen ohne Vorankündigung im Französischunterricht der achten Klasse auf. Sie sagte: "Sorry, ich muss das jetzt tun." Dann feuerte sie mit einer Gasdruckwaffe mehrere Male ziellos in die mit weiteren 24 Schülern besetzte Klasse. Unmittelbar darauf wurde sie von einem der Jungen überwältigt und entwaffnet.

Nach der Vernehmung stand für die Beamten schnell fest. Es war vorsätzlich geplant. Die Pistole hatte sie ihrem Vater bei einem Besuch gestohlen. In ihrem Zimmer wurden eine Softairwaffe, selbst entwickelte Checklisten zur Begehung der Tat und Anleitungen zum Bau von Rohrbomben gefunden. Als Motiv gab die 15-Jährige an, sie habe sich das Mobbing von Mitschülern nicht mehr gefallen lassen wollen.

Es war nicht ihr erster Amoklauf. Am 9. November 2011 legte sie am Ballenstedter Gymnasium während des Unterrichts Feuer und bedrohte mit einer Axt und mehreren Messern Kinder. Auch damals hatte das Mädchen ihre Pläne akribisch aufgeschrieben.

15-Jährige wird in Psychiatrie nach Uchtspringe eingewiesen

Nach der Tat in Wernigerode wurde die Schülerin auf Beschluss des Amtsgerichts Halberstadt in der psychatrischen Einrichtung in Uchtspringe (Altmarkkreis) untergebracht.

Szenenwechsel: Am 4. November gegen 23.10 Uhr zündeten Unbekannte eine Lagerhalle mit Stroh und weitere Diemen auf dem Gelände des Reiterhofes in Ditfurt, Wegelebener Weg 100, an. Dabei entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 350 000 Euro. Speziell ausgebildete Kriminalisten fanden an verschiedenen Stellen Reste eines festen Grillanzünders, befragten etliche Zeugen und suchen noch heute nach den Urhebern.

Es war übrigens bereits der fünfte Anschlag. Zunächst ging am 29. Dezember 2007 eine Scheune in Flammen auf. Am 22. Oktober 2009 brannten zwei Heulager. In der Nacht zum 3. Mai 2013 traf es ein Aufenthaltsgebäude. Knapp 24 Stunden später wurde wiederum eine Scheune angesteckt.

Gebrannt hatte es im letzten Jahr auch in Quedlinburg. Bis Ende August hatte die Polizei in der gut 28 000 Einwohner zählenden und täglich von tausenden Touristen besuchten Welterbestadt 26 vorsätzlich gelegte Feuer registriert. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012 bedeutete dies eine Steigerung um 100 Prozent. Obwohl sich das Fachwerkensemble deshalb noch genauerer Beobachtung als sonst erfreute, konnte zunächst kein Täter überführt werden.

DNA-Gutachten überführt Quedlinburger Feuerteufel

Bis zum September. Da lag den Fahndern ein zur Auswertung eines Laubenbrandes erstelltes DNA-Gutachten vor. Dessen Resultate passten zu einem Quedlinburger. Der 26-Jährige war zwar bereits bei einem Großteil der Feuer als Verdächtiger eingestuft worden. Allerdings reichten die Indizien in keinem einzigen Fall, um ihn zu überführen.

Mit den neuen Spuren änderte sich das allerdings. Nach einer Wohnungsdurchsuchung und einer langen Vernehmung, gestand der Mann die meisten Brandstiftungen. Sicher zugeordnet werden konnten ihm bis heute zehn mit einem Gesamtschaden von etwa 80 000 Euro. Geräteschuppen, Lauben, Müll-und Papiercontainer, Garagen und kleinere Gebäude.

An Ermittlungserfolge wie diesen erinnern sich die Beamten gewiss gern. Und sehen sich zugleich schon mit der nächsten Serie konfrontiert. Wieder in Quedlinburg. Diesmal sind es Pkw, die zumeist des Nachts in der Stadt aufgebrochen werden. Vom Jahresbeginn an bis heute bereits in mehr als 50 Fällen.

 

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