Illegal entsorgter Müll türmt sich auf dem verwaisten Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks Halberstadt. Nachdem die Stadtverwaltung Halberstadt die Deutsche Bahn AG als Grundstückseigentümerin informiert hat, soll das Areal nun vom Dreck beräumt und besser gesichert werden.

Halberstadt l Mülltourismus - in Halberstadt seit Jahren ein großes Problem, das die zuständigen Behörden der Stadt Halberstadt und des Landkreises Harz nicht in den Griff bekommen. Dem schmutzigen Treiben ist nur schwer Einhalt zu gebieten. Die Täter zu erwischen ist reine Glücksache. Ihr Unwesen treiben sie meist im Dunkeln oder an einsamen Orten.

Das verwaiste Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes in Halberstadt gehört eigentlich nicht in diese Kategorie und trotzdem stapelt sich dort der Dreck. Illegal entsorgter Hausmüll, Autoteile, Plastikbehälter, Altkleider und vieles mehr - einfach abgekippt oder in eines der nicht gesicherten Gebäude gestopft.

"Wir haben eine Frist bis Ostern gesetzt, dann muss der Müll entsorgt sein."

Thomas Dittmer, Teamleiter Ordnung und Sicherheit Stadtverwaltung Halberstadt

Zwei Kleingartensparten befinden sich im unmittelbaren Umfeld des verwahrlosten Bahngeländes, auf dem zahlreiche Ruinen stehen. Die Präsenz der Gartenfreunde schreckt trotzdem nicht ab. Ungeniert wird das Areal als Müllkippe missbraucht. Nicht nur von Umweltverschmutzern aus Halberstadt und Umgebung, wie Kleingärtner beobachtet haben wollen. Im Umfeld des vor Jahrzehnten ausrangierten Bahnbetriebswerkes würden immer wieder Fahrzeuge mit landkreisfremden Kennzeichen gesehen, die mit Müll beladen dort vorfahren und den Dreck entladen. Darunter Pkw aus Aschersleben, dem Salzlandkreis und sogar aus Stendal, berichten die Gärtner auf Volksstimme-Nachfrage. Warum sie dagegen nicht einschreiten oder zumindest Kennzeichen notieren, um die Mülltouristen anzuzeigen, bleibt unklar.

Im Ordnungsamt der Stadtverwaltung Halberstadt sind das Gelände des Bahnbetriebswerks und das permanente Müllproblem alles andere als neu. Probleme mit der illegalen Müllentsorgung habe es immer wieder gegeben, bestätigt Thomas Dittmer vom Team Ordnung und Sicherheit. Auch der aktuelle Fall sei dokumentiert und der Eigentümer angeschrieben worden. Wer das sei, dürfe er nicht sagen.

"Arbeiten zur Beräumung und im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht werden veranlasst."

Erika Poschke-Frost, Sprecherin Deutsche Bahn AG

"Wir haben eine Frist bis Ostern gesetzt, dann muss der Müll entsorgt sein. Wird nicht reagiert, schaltet die Stadtverwaltung das Umweltamt des Landkreises Harz ein", kündigt Thomas Dittmer auf Volksstimme-Nachfrage an. Diese Behörde könne eine Beräumung veranlassen und die Kosten dafür dem Grundstückseigentümer in Rechnung stellen.

Die Deutsche Bahn AG sei Eigentümerin, bestätigt Erika Poschke-Frost, Pressesprecherin des Bahn-Regionalbereichs in Leipzig. "Nach einer Vor-Ort-Besichtigung müssen wir bestätigen, dass das Gelände von Bürgern als Müllplatz genutzt wird. Entsprechende Arbeiten zur Beräumung und im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht werden veranlasst", sagt die Sprecherin.

Auf die Fragen, warum die Bahn ihrer Sicherungspflicht nicht nachkommt und ob ein Verkauf des Geländes geplant ist, antwortet sie: "Im kommenden Jahr beginnen die Prüfungen beziehungsweise Untersuchungen für die weitere Verwendung des Bahnbetriebswerkes. Es geht entweder um einen Abriss oder einen Verkauf."

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