Am Rand von Dedeleben am Bruch lebt Familie Krause mit ihren Straußen. Trotz vieler Hürden durch zuviel Bürokratie und ständige Kontrollen ist hier eine Afrika-Oase mit eigenen Flair entstanden.

Dedeleben l Egbert Krause öffnet die Tür zum Brüter. Dann pfeift er und die Eier wackeln hin und her. Hier wachsen kleine Straußenküken heran. Wenn sie geschlüpft sind, wird das erste, was sie sehen, das Gesicht von Egbert Krause sein, er ist dann "Papa" und wird ihnen alles beibringen.

Egbert Krause hat sich hier am nördlichen Rand von Dedeleben einen Traum erfüllt. Auf dem Gelände der ehemaligen LPG "Friedensland" ist eine Straußenfarm entstanden. Hier weht ein Hauch von Afrika Idylle. Drei Hähne streifen durch das Gelände. Sie heißen Carlos, Nobody und Oskar und sind vom Charakter völlig unterschiedlich. Jeder von ihnen lebt mit zwei Hennen in einem separaten Quartier und hat einen eigenen Auslauf auf die Wiesen. Und wie so oft in der Vogelwelt sind die Männchen mit ihrem schwarz-weißen Federkleid die Attraktiveren. "Die Hennen heißen alle `Henne`, sonst komme ich durcheinander." Die Hähne können sich untereinander nicht besonders leiden, berichtet Krause. Daher halte er sie streng getrennt. "In der Natur kann der Schwächere weglaufen, das geht hier nicht." Eifersucht sei übrigens auch unter Straußen völlig normal, jeder Hahn habe seine momentane Lieblingshenne.

Bevor Egbert Krause mit der Verwirklichung seines Traumes vom einer Straußenfarm loslegen konnte, musste er erst die Schulbank drücken, und den "Straußenzüchterschein" machen. Entscheidend für die Zulassung sei am Ende das hiesige Veterinäramt, das die Anlage genehmigt.

2005 kamen dann die ersten Küken nach Dedeleben, insgesamt 11 Stück. "Ich habe erst einmal mit ihnen vier Wochen im Stall geschlafen", erinnert sich Egbert Krause. Er sei der "Papa" gewesen und habe den kleinen Straußen die wichtigsten Dinge gezeigt, die ein Strauß braucht, um zu überleben: wo sie Futter und Wasser finden und dass der Stall Zuflucht und Schutz bedeute. Nach etwa drei Jahren allerdings sei seine "Vaterrolle" vergessen gewesen, auch Strauße kämen in die pubertären "Flegeljahre". In der Natur wird ein Strauß 60 bis 70 Jahre alt und hat keine natürlichen Feinde. Strauße sind übrigens reine Vegetarier und mit Gras, Klee, Luzerne und Löwenzahn glücklich.

Wenn die Henne signalisiert, dass sie ein Ei legen wird, kratzt der Hahn ein sauberes Sandbett aus und die Henne legt das Ei hinein. Wenn Strauße brüten, tun sie das gemeinsam. Die Henne tagsüber und der Hahn in der Nacht. In Dedeleben übernimmt eine Maschine das Brüten. Die Brutzeit dauert sechs Wochen und die Temperatur liegt exakt bei 26 Grad. Die Maschine übernimmt sogar das Wenden der Eier. Wenn die Zeit heran ist, bekommen die Küken ein Signal und versuchen dann die harte Schale aufzubrechen. Meistens gelingt ihnen das auch allein, doch ab und zu muss Egbert Krause auch Geburtshilfe leisten. Sind die Kleinen dann geschlüpft, kommen sie in die Kinderstube, und hier ist wieder "Papa" gefragt.

Egbert Krause hat viele Anfragen für Führungen über das Gelände und durch die Ställe. Skeptiker, die meinen, dass es hier zu kalt sei für die exotischen Riesenvögel werden schnell still, wenn sie hören, dass die Strauße auch gern mal im Schnee tanzen.

Auf der Straußenfarm am Bruch werden vor allem die Eier verwertet. In einer eigenen Gaststätte direkt auf dem Farmgelände kann man vieles rund um das Straußenei probieren. Ein Ei wiegt übrigens durchschnittlich 1,6 Kilogramm und entspricht etwa 25 Hühnereiern, wobei das Ei vom Strauß würziger schmecken soll. Das bisher größte Ei wog 2061 Gramm.

Straußenfarm ist Ostern geöffnet, Anfragen bitte unter (03 94 22) 6 00 99

 

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