Der Karfreitags-Gottesdienst in der Groß Quenstedter Laurentiuskirche ist für die Gläubigen des Ortes etwas ganz Besonderes gewesen. An diesem Tag ist das frisch restaurierte, spätgotische Kruzifix aus der Petri-Kirche in das Gotteshaus umgezogen.

GroßQuenstedt l Die Restauratorin Heike Glass aus Erfurt habe ganze Arbeit geleistet, findet auch Henning Blume, von der Evangelischen Kirchengemeinde Groß Quenstedt. "Das Kruzifix ist ein echtes Schmuckstück geworden", stellt er fest. "Es war schon schwer in Mitleidenschaft gezogen. Etliche Finger und Zehen der Jesusfigur waren beschädigt oder abhanden gekommen."

Die Künstlerin aus Thüringen hat das Kruzifix so wieder hergerichtet, dass nicht die Spur auf alte Beschädigungen hinweist. Fehlende Teile hat sie mit Lindenholz ersetzt und anschließend so eingearbeitet, dass keine Übergänge zu sehen sind. Davon überzeugten sich auch die Besucher des Gottesdienstes, die eigens schon etwas früher in die Kirche kamen, um sich ein ganz persönliches Bild von dem Kunstwerk zu machen. "Der Karfreitag, an dem die Christen an das Leiden und Sterben von Jesus Christus denken, ist ein denkbar passender Termin für den ersten Gottesdienst unter dem neuen alten Kreuz und für die Betrachtung dieses wichtigsten aller christlichen Symbole", erläutert Pfarrer Arnulf Kaus. "Der Platz an der Nordwand im Altarbereich ist nahezu optimal. Dort kommt das Kunstwerk gut zur Geltung."

Neue Farben für das restaurierte Kruzifix

Heike Glass hat dem Jesus auch neue Farben gegeben, die Kreuzigungswunden und das Gesicht fallen dem Betrachter sofort in die Augen. Pfarrer Kaus verteilt an die Besucher Bilder, auf denen das Kruzifix vor und nach der Restaurierung zu sehen ist. Das Kreuz ist spätgotisch, wurde aber in barocker Zeit übermalt. Seit Jahren war es in bedauernswertem Zustand: die Bemalung löste sich, verschiedene Teile waren ausgebrochen und der Corpus stark verschmutzt.

"Wir haben uns in der Gemeinde dafür entschieden, nicht den spätgotischen Originalzustand herzustellen, sondern es bei der barocken Überarbeitung zu belassen", sagt Henning Blume. Von ihm ging vor acht Jahren die Initiative aus, das Kruzifix, das einst in der jetzt größtenteils abgetragenen Petrikirche hing, wieder herrichten zu lassen. "Es stand in der Pfarre in einer dunklen Ecke und verstaubte einfach", schildert er. "Da seinerzeit in der Schwanebecker Kirche Restaurierungen vorgenommen wurden, bin ich einfach in den Nachbarort gefahren und habe mir Rat von den Fachleuten geholt." Dabei traf er Heike Glass, die das Kruzifix in Augenschein nahm und einen ersten Kostenvoranschlag abgab. "Knapp 7000 Euro sollten für die Restaurierung fällig werden", führt Blume fort. "Das war natürlich eine beträchtliche Summe, aber wir haben sie über den Zeitraum von etwa acht Jahren zusammenbekommen."

7000 Euro Spendengelder in acht Jahren gesammelt

Die Spenden kamen von den Bürgern der Gemeinde und ehemaligen Einwohnern. Die Kollekte einer Hochzeitgesellschaft und der goldenen Konfirmanden trugen dazu bei. Der verstorbene Sohn eines ehemaligen Pfarrers verfügte gar, dass bei seiner Beerdigung auf Kränze und Blumen zu verzichten sei. Stattdessen bat er um Geldspenden für die Herrichtung des Kruzifixes. Eine beeindruckende Geschichte, bilanziert auch Henning. "Wir danken allen Beteiligten für die Spendenbereitschaft", sagt er. "Es ist uns gelungen, ein wichtiges Element der Petrikirche zu retten."

Lange gab es in Groß Quenstedt zwei evangelische Kirchengemeinden, die 1972 zusammengeführt wurden. Die Petrikirche galt schon zu jener Zeit als baufällig. Im Jahr 1979 wurde sie zum größten Teil abgetragen - heute stehen nur noch der Turm und einige Grundmauern.

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