Jeden dritten Mittwoch im Monat ist in Berßel Stammtisch-Zeit an einem ungewöhnlichen Ort - in der Heimatstube.

Berßel l Bier steht nicht auf dem Tisch, wenn das Berßeler Heimatstubenteam zum Stammtisch ruft. "Höchstens mal ein Glas Wein oder Sekt", sagte Dita Bergener schmunzelnd. Aber auch das ist eher selten der Fall. Kaffee und Kuchen, von jedem der Teilnehmer mal gebacken, sind die kulinarischen Begleiter dieses Nachmittags, der vor eineinhalb Jahren nach einer Idee von Inge Volkmann ins Leben gerufen wurde.

Immer ist ein Vortrag vorbereitet. Diesen Mittwoch hatte Heike Wiese Computer und Bildwerfer mitgebracht, um noch einmal Fotos von der 1000-Jahrfeier im vergangenen September zu zeigen. "Darauf sind viele Frauen aus dieser Runde zu sehen."

Die Organisation des Ortsjubiläums hatte auch das ehrenamtliche Heimatstubenteam lange auf Trab gehalten. Die Heimatforschung trat daher vorübergehend in den Hintergrund. Doch jetzt geht es weiter. Die Geschichte der LPG aufzuarbeiten ist ein Ziel. Und dann sind da die vielen Familiengeschichten. Allmonatlich ist davon ja auch in der Osterwiecker Ilsezeitung zu lesen.

Berühmte Familien in Berßel waren die Rössings und von Gustedts, die hier das Rittergut und später das Gut besaßen. Nachkommen besuchten Dorf und Heimatstube in jüngerer Zeit. Das ist auch immer wieder Gesprächsthema am Stammtisch.

Hier hat Elsa Baxmann schon oft ihre auf Berßel bezogenen gereimten Geschichten vorgestellt. Und wenn es bisher den Eindruck hat, dass nur Frauen zum Stammtisch kommen, so trügt dieser. Zum Beispiel Herbert Volkmann, Günter Baxmann, Klaus Wrackmeyer und Werner Strutz sind ebenfalls oft hier und haben etwas aus der Geschichte zu erzählen.

Vor ziemlich genau vier Jahren wurde die Heimatstube im Schloss eröffnet. Es war kein Neuanfang, die Vorfahren hatten schon viele Gegenstände und schriftliche Informationen gesammelt. Zuletzt war es Heinz Ehrhardt, der sogar ein ganzes Haus dafür nutzen konnte. Jetzt sind die Räume genauso geschichtsträchtig wie die Ausstellung. Der Bürgermeister und der Arzt hatten hier früher ihre Dienstzimmer. Gleich über den Flur ist heute der Kindergarten. "Die Kinder sind öfter hier", berichtete Dita Bergener und beschrieb die staunenden Augen der Kleinen, wenn ihnen der Nachttopf unterm Bett oder die Gerätschaft für die früher übliche Hausschlachtung gezeigt werden. "Wir", sagte Bergener beim Blick in die Runde, "haben alle noch die Schule hier im Dorf gehabt". Weil das heute nicht mehr der Fall sei, fehle den Kindern viel Wissen über ihren Ort. Da könne die Heimatstube einen Beitrag leisten.

Dass die Stammtischrunde stets gut besucht ist, ist alles andere als ein Indiz dafür, dass sonst nichts los wäre in Berßel. Dita Bergener zählt die verschiedenen Seniorenkreise der Frauen und Männer sowie die Sport- und sonstigen Gruppen auf. Viele aus der Stammtischrunde gehen auch zur Seniorengymnastik mit Inge Volkmann. "Das tut uns allen sehr gut", sagte Adelheid Bollmann. Die Frauengruppe, die zur 1000-Jahrfeier die kilometerlangen Wimpelketten zum Ausschmücken der Straßen genäht hatte, ist auch zusammengeblieben. Heute wird mal gehäkelt oder auch nur Karten gespielt. Der geschmückte Osterbaum gegenüber vom Kreuerplatz geht auch auf diese Gruppe um Inge Volkmann zurück. "Das Dorf lebt", stellte Dita Bergener fest, und für die Stammtischrunden gibt es noch jede Menge Gesprächs- und Informationsstoff.

Die Berßeler Heimatstube im Schloss ist jeden ersten Sonnabend im Monat ab 14 Uhr geöffnet. Der Stammtisch kommt hier jeden dritten Mittwoch im Monat um 14.30 Uhr zusammen.