Halberstadt l "Ich war skeptisch", sagt Michael Herrmann. Der Firmenchef steht in der Minna-Bollmann-Straße in Halberstadt und schaut auf die fertigen Fassaden. Leuchtendes Orange, dunkles Grau, helles Grün und sattes Bordeauxrot verleihen im Zusammenspiel mit dunkelgrauen Fensterrahmen, höhergezogenen Giebeln und Windfängen an den Eingängen dem Straßenzug ein modernes und einladendes Ambiente. Nichts erinnert mehr daran, warum Halberstädter diesen westlichen Abschnitt der Bollmann-Straße "Klostraße" nannten. Die winzigen Badezimmerfensterchen sind komplett verschwunden.

"Wenn ich das so sehe, bin ich überzeugt, dass diese Entscheidung richtig war", sagt der Halberstädter, der als Auftragnehmer für die Dämmung und Farbgebung an den Fassaden zuständig war. Gemeinsam mit Gabriele Keidel vom Serviceteam Technik der Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe) blickt er auf das ursprüngliche Farbkonzept und vergleicht es mit dem Ergebnis an den Hauswänden. "Sieht richtig gut aus", sagt Keidel. Von den Gerüsten gibt es an zwei Stellen noch helle Flecken, aber die wird wohl der nächste Regen abwaschen.

Die anfängliche Skepsis des Malerchefs beruhte auch auf ganz praktischen Erfahrungen. Immerhin bedarf es bei den dunklen Farben einer besonderen Farbmischung, damit gewährleistet ist, dass die Oberflächentemperatur bei Sonneneinstrahlung nicht zu hoch wird. "Sonst kommt es zu Wärmestau und Rissbildungen", sagt der Juniorchef des Malerfachbetriebes Schmidgunst Herrmann. "Vor drei Jahren gab es diese Zusätze noch gar nicht."

Dass Herrmann Wort gehalten hat und zu Ostern die Straßenfassaden der Häuser 62 bis 68 fertig sind, freut HaWoGe-Chefin Beate Grebe. "Das ist eine schöne Osterüberraschung", sagt sie. Und erklärt, warum die Häuserzeile, vor die ein Laubengang gebaut worden ist, als Fassadenfarbe nur das leuch- tende Orange erhalten wird. "Dort mussten wir aus Brandschutzgründen eine mineralische Dämmung aufbringen", sagt sie und Michael Herrmann ergänzt: "Die dunklen Farben funktionieren auf dem mineralischen Gemisch nicht." Aber das vorgebaute Treppenhaus trägt das dunkle Grau, so dass es wieder einen angenehmen Kontrast gibt.

Auf der Rückseite der Häuserzeile sind die Gerüste schon komplett abgebaut. Hier werden demnächst noch Balkone vorgesetzt und dann kann in einigen Wochen auch mit der Gestaltung des großen Hofareals begonnen werden. Grün soll es werden und auch Platz für Autos der Mieter bieten. Immerhin 83 Wohnungen sind es, die jetzt in dem farbenfrohen Block auf neue Bewohner warten. Wie HaWoGe-Chefin Grebe berichtet, liegen für fast alle Wohnungen Reservierungen vor, in den Eingängen 62 und 63 sind die ersten Mieter bereits eingezogen.