Der Einweihungstermin ist schon geplant. In diesen Tagen beginnen die Arbeiten für das Wendezeit-Denkmal an der Martinikirche,auch wenn noch Geld gesammelt werden muss. Die Initiativgruppe Denkort Martini ist zuversichtlich.

Halberstadt l Die friedliche Revolution, die das Ende der DDR einläutete, fand nicht nur in Leipzig und Berlin statt. Auch in Halberstadt war der Herbst 1989 vom Mut erst Einzelner, dann Tausender geprägt, die durch die Straßen zogen und Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit einforderten. Daran soll ab 25. Oktober dieses Jahres ein Denkmal erinnern, das vor der Westfassade der Martinikirche stehen soll. War die Kirche doch Zentrum der Bürgerbewegung, die schließlich mit dazu beitrug, dass es ab 1990 wieder nur einen deutschen Staat gab.

Das erste "Gebet für unser Land" fand am 4. Oktober 1989 in der Martinikirche statt, am 25. Oktober wagte man sich das erste Mal auf die Straßen. Mit Kerzen in den Händen, als Symbol der Friedfertigkeit.

Dieses Symbol ist es, was die Künstlerin Katharina Hinz in ihrem Denkmalentwurf aufnimmt. Bei der Vorstellung des Projektes am Sonnabend im Gleimhaus erläuterte sie, warum es gerade die Kerzen sind, die sie zu ihrem neun Meter hohen Objekt inspirierte. "Es geht um mehr als Texte, die die Ideen und Visionen der Wendezeit widerspiegeln. Licht ist ein Medium, das eine große Symbolik hat. Es besitzt eine Strahlkraft und eigene Mystik, bedarf aber immer auch einer Quelle, die es speist. Auch im Kirchenraum sind Kerzen seit Jahrhunderten Lichtquelle gewesen, die man auch ständig erneuern muss. Die Symbolik des Lichts ist kulturhistorisch ganz tief verwurzelt in uns." Mit dieser Symbolik umzugehen, fand die Künstlerin spannend, zumal sie als 19-Jährige das Wendegeschehen selbst erlebt hat, allerdings mehr in Magdeburg als in Halberstadt.

Mit rund drei Zentimetern breiten und jeweils 21 Zentimeter hohen Edelstahlplättchen, die beweglich an dünnen Edelstahlstäben befestigt sind, will sie diese Lichtsymbolik aufgreifen. Das Längenmaß ist mit Bedacht gewählt: 21 Zentimeter lang sind viele Haushaltskerzen. Und die waren es, die die Menschen damals in den Händen hielten. Und so unvorhersehbar wie der Ausgang der ersten Demonstration damals war, so unvorhersehbar ist es, ob Sonne die Plättchen zum Funkeln bringt oder Wolken die Sonne verdecken.

Unterhalb der in einem Metallgitterrahmen montierten Reflektoren sollen zwei große Tafeln Auskunft geben zu den Geschehnissen im Herbst 1989 im Allgemeinen und in Halberstadt im Besonderen. Die Texttafeln werden sich im unteren Drittel des rund neun Meter hohen Denkmals befinden. Eingraviert und farblich abgesetzt, sollen die Buchstaben lange halten.

"Auf die Kostenvoranschläge dafür warten wir noch. Wir haben zwei Firmen angeschrieben", berichtete Katharina Hinz am Sonnabend. Erst wenn die Angebote vorliegen, werde man wissen, wieviel Geld noch eingeworben werden muss für dieses Denkmal. Rund 12 000 Euro hat die Initiativgruppe schon gesammelt. "Aber das wird wohl nicht reichen, schließlich sind unsere Kostenschätzungen schon fast fünf Jahre alt", sagte Kristine Paul.

Sie erinnerte daran, dass der Antrag für die Errichtung eines solchen Denkmals bereits 2009 im Stadtrat befürwortet worden war. Die Initiativgruppe hat die Stadt als Bauherrin gewinnen können, die sich bereits um die denkmalrechtlichen Genehmigungen gekümmert habe. Nun müssen die Feinabstimmungen erfolgen.