Von der Kälte lassen sich Anwohner der Altstadt und engagierte Bürger nicht abschrecken. Sie kommen zuhauf auf den Platz Bei den Spritzen und machen die erste "Platzwächter"-Aktion zu einem Erfolg. Weitere symbolhafte Aktionen sollen folgen.

Halberstadt l "Ich war überrascht, dass trotz der unangenehmen Kälte so viele Leute gekommen sind", sagt Bianca Groß. Die Buchhändlerin hatte zur ersten "Platzwächter"-Aktion aufgerufen und freut sich, mit diesem Appell nicht auf taube Ohren gestoßen zu sein. Wie sie am Montag im Volksstimme-Gespräch berichtet, waren sich zwar viele Bürger untereinander völlig fremd, "aber alle hatten das gleiche Anliegen", sagt sie. Nämlich etwas zu tun gegen die Vereinnahmung von Plätzen durch Menschen, die blindwütig zerstören, achtlos Müll in die Gegend werfen und sich in keiner Weise um ein ordentliches Stadtbild kümmern. Im Gegenteil.

"Ich möchte die Bürger sensibilisieren."

Bianca Groß, Initiatorin

Das Fazit, das sie aus der ersten Platzbesetzung ziehe, sei, "dass viele Bürger Randalierer sehen und beobachten, sich aber nicht trauen, die Polizei oder die Ordnungsbehörden einzuschalten. Diesbezüglich scheint eine große Unsicherheit zu herrschen", so Groß.

Sie freut sich, dass auch Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) und Mitglieder des Stadtrates dem Aufruf gefolgt waren. "Das Thema geht uns schließlich alle an", so Groß.

Wenige Tage zuvor waren die Holzbänke auf dem Platz in der Altstadt mal wieder Vandalen zum Opfer gefallen. Die "Platzwächter" setzen sich gegen Zerstörung, Graffitis, Vermüllung der Parkanlagen, Ruheplätze und Sitzgelegenheiten ein, erklärt Bianca Groß. "Das ist ein Beleg bürgerschaftlichen Engagements", sagt Oberbürgermeister Andreas Henke. Er wünsche sich, dass die "Platzwächter" nicht nur Symbolcharakter haben, sondern durch die Aktion Bürger und Anwohner für ihr Umfeld sensibilisiert werden.

"Manchen ist gar nicht bewusst, dass schon kleine Unachtsamkeiten wie das Fallenlassen einer Zigarettenkippe bereits eine Ordnungswidrigkeit darstellt, die mit einem Ordnungsgeld von 20 Euro geahndet werden kann", sagt Groß. Sie selbst habe das staunend zur Kenntnis genommen, als sie am Montagvormittag mit der Chefin der Ordnungsabteilung der Stadt, Heidi Wilde, telefoniert habe. Das gilt übrigens auch für das Fallenlassen von Papiertaschentüchern.

"Ich möchte die Bürger sensibilisieren, bei Vandalismus die Behörden zu informieren. Viele denken, dass die Polizei nichts macht. Dies ist aber nur augenscheinlich so", betont die Initiatorin. Sie habe im Gespräch mit den Beamten erfahren, dass diese gerade auch das Areal um den Johannesbrunnen im Fokus habe.

"Aus meiner Sicht ist jeder Bürger mitverantwortlich, unsere Stadt vor mutwilligen Zerstörungen zu schützen. Man muss nicht selbst aktiv werden, es reicht der Hinweis an die Polizei beziehungsweise an das Ordnungsamt", unterstreicht die Unternehmerin.

Die "Halberstädter Platzwächter" werden aktiv bleiben, verspricht sie: "Auch andere Plätze rufen uns!". Ihr schwebe zudem eine Präventionsarbeit in Kooperation mit Polizei und Stadtverwaltung vor. Denn viele Bürger fühlen sich unsicher bei der Frage, ab wann bestimmtes Verhalten eine Straftat bedeute.

Wer sich den "Halberstädter Platzwächtern" anschließen will, kann sich an Bianca Groß wenden, Telefon (0 39 41) 58 89 10

 

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