Drei Wochen vor der Kommunalwahl laufen die Kandidaten im Wahlkampf zur Höchstform auf. Der Halberstädter Andreas Gatzemann, der für die CDU in Stadtrat und Kreistag einziehen will, ist dabei in die Kritik geraten. Der Lehrer hat Schüler in seinen Wahlkampf eingespannt.

Halberstadt l Keine Frage: Andreas Gatzemann will es bei der Kommunalwahl am 25. Mai wissen. Der 52 Jahre alte promovierte Sonderpädagoge und Erziehungswissenschaftler will beim Urnengang doppelt punkten und strebt einen Einzug sowohl in den Harzer Kreistag als auch in den Stadtrat von Halberstadt an. Entsprechend offensiv geht der Lehrer, der am Förderschulzentrum "Albert Schweitzer" in Halberstadt Ethik und Sport unterrichtet, in den Wahlkampf. Dieser Tage lächelt Gatzemann in der Kreisstadt zuhauf von Wahlplakaten. Obendrein hat der Christdemokrat nach eigenen Worten Tausende Wahlflyer drucken lassen, mit denen er die Wähler persönlich überzeugen will. Beim Verbreiten jener Flyer hat Gatzemann nun womöglich Grenzen überschritten: Er hat, wie er selbst gegenüber der Volksstimme einräumt, einige seiner Schüler im Wahlkampf als Boten eingespannt.

Bekannt wurde der Fall dieser Tage, als eine Förderschülerin Gatzemanns Wahlwerbung mit nach Hause brachte. Vollkommen unangekündigt und auch ohne jede Aufforderung, wie es gegenüber der Volksstimme heißt. Entsprechend empört reagierte die Mutter, als sie Gatzemanns Wahlwerbung bei ihrer Tochter entdeckte. Es sei ein absolutes Ding der Unmöglichkeit, Neuntklässlern in eigener Sache derartiges Material in die Hand zu geben, so die Kritik der Mutter.

Andreas Gatzemann zeigt sich über diese Kritik verwundert. Obendrein weist er den Eindruck, er sei von sich aus auf seine Schüler der Klassenstufen sechs bis neun zugegangen und habe Wahlflyer verteilt, zurück. Das Engagement sei nicht von ihm ausgegangen, sagt Gatzemann. "Es war anders: Ich bin Vorsitzender des Schul-Fördervereins und setze mich für den Erhalt unserer Förderschule ein. Eltern, die von meinem Engagement wissen, sind auf mich zugekommen und haben mich um Material gebeten", erklärt der Pädagoge auf Anfrage. Zudem sei es auch um die Frage gegangen, ob und wie sie als Eltern Kandidat Gatzemann persönlich unterstützen könnten.

Eine Frage, auf die der 52-Jährige sofort eine Antwort parat hatte: Unterstützung im Wahlkampf, beispielsweise beim Verteilen von Flyern in den Stadtbezirken oder Ortsteilen von Halberstadt, wäre hilfreich. Besagte Wahlflyer, die im Auto des Lehrers lagerten, seien anschließend auf dem Parkplatz an Eltern übergeben worden. Aber eben nicht nur an Eltern, sondern auch an Förderschüler, wie Gatzemann einräumt: "Ich habe auch Schülern in größerer Stückzahl Flyer für die Eltern übergeben. Das ist aber nur in Fällen geschehen, wo das die Eltern so wollten und es vorab telefonisch besprochen war." Keinesfalls, so Gatzemann, habe er die Schüler von sich aus angesprochen oder sie um Unterstützung beim Verteilen seiner Flyer gebeten.

Dennoch bleibt im Umfeld der Schülerin ein ungutes Gefühl: Andreas Gatzemann sei als CDU-Kandidat ein Vertreter einer vollauf demokratisch ausgerichteten Partei. Allerdings würden auf diese Weise doch Grenzen überschritten, die andere Parteien und Wählergruppen sofort nutzen könnten. Und was, so die rhetorische Frage, würde wohl passieren, wenn ein Lehrer als Kandidat einer als extrem eingestuften Partei Schüler für solche Botendienste im Wahlkampf einsetzen würde?