Der Abriss zweier baufälliger Häuser am Marktplatz in Wegeleben ist Geschichte. Die Bauarbeiten sind beendet worden, die Freifläche ist jedoch noch mit zahlreichen Ziegelsteinen und großen Putzresten übersät. Das Bauordnungsamt des Landkreises Harz erklärte die Aktion in einem Schreiben an den Bürgermeister für beendet.

Wegeleben l Die Stadt Wegeleben ist im zweiten Weltkrieg nicht bombardiert worden. Wie es aber hätte aussehen können, wenn dies doch der Fall gewesen wäre, können die Einwohner derzeit an der neuen Freifläche am Marktplatz gut nachvollziehen. Dort wurden kürzlich zwei herrenlose Häuser abgerissen. Ordnungsgemäß beräumte Grundstücke sehen anders aus. Jetzt finden sich auf dem Gelände Mauersteine, Putzreste. Zusätzlich ragt ein abgerissenes Kabel an der Seite zur Straße aus dem Weg hervor. Eine Begrenzungsmauer schließt den traurigen Anblick zur Stadtkirche hin ab.

Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer (CDU) zeigt beim Vor-Ort-Termin auf das Chaos und fragt: "Soll ich mich jetzt als Trümmerfrau betätigen oder wie habe ich das zu verstehen?" Er tritt lässig gegen die noch stehende Begrenzungsmauer und setzt hinzu: "Die gehört zu dem Grundstück und hätte eigentlich mit abgerissen werden sollen. Da kommen erhebliche Nacharbeiten auf uns zu."

Zimmer hatte das Abrücken der beauftragten Firma beobachtet und danach ein Schreiben an die Untere Bauaufsichtsbehörde des Bauordnungsamtes im Landkreis Harz gerichtet. Darin bat er um Aufklärung, ob die Fläche nun noch beräumt werden würde. Er schlug außerdem einen Ortstermin vor. "Das war lediglich als eine Art höfliche Anfrage gedacht", erklärt der Bürgermeister. "Letztendlich freuen wir uns hier alle darüber, dass die maroden Häuser aus dem Stadtbild verschwunden sind und damit eine Gefahrenquelle beseitigt wurde." Eine Antwort flatterte umgehend ins Haus. Thomas Schittko, Prüfer der Bauaufsicht, meldete sich beim Wegelebener Ortsvorsteher - das Schreiben liegt der Redaktion vor. Schittko meinte darin, er könne "zum Teil den Unmut nachvollziehen". Er machte aber klar, dass sich in den letzten Jahren herausgestellt hätte, dass nur ein kleiner Kreis von Firmen in der Lage und dazu bereit wäre, die in Auftrag gegebenen Abbrucharbeiten vorzunehmen. Er selber hätte in der Regel schon Schwierigkeiten, überhaupt drei Angebote von potenziellen Firmen zu bekommen. Das kostengünstigste Angebot hätte seinerzeit den Zuschlag erhalten. "Eine andere Verfahrensweise wäre nur zulässig, wenn die kostengünstigste Firma zeitlich oder fachlich nicht in der Lage ist, die entsprechenden Sicherungsarbeiten auszuführen", führt er aus. Das beauftragte Unternehmen hätte schon einige Abbrüche im Auftrag des Landkreises vorgenommen. Bisher seien die Arbeiten immer problemlos verlaufen.

"Die Begrenzungsmauer muss auch weg, damit am Ende eine ebene Fläche entsteht. Das sind zusätzliche Kosten, mit denen ich nie und nimmer gerechnet habe."

Hans-Jürgen Zimmer, Bürgermeister

"Das mag ja stimmen", äußert sich Zimmer. "In diesem speziellen Fall kann ich das Ergebnis aber nur mit mangelhaft bewerten. So hinterlässt man keine Baustelle." Er marschiert auf die Freifläche, stößt Ziegel und Putzreste mit dem Fuß beiseite und ist dabei sichtlich erregt. Dann zeigt er auf die Wand der Roten Schule und meint: "Dort wollten wir eigentlich demnächst Ausbesserungsarbeiten vornehmen. Auf dem wackligen Grund kann ich aber kein Gerüst aufbauen lassen, da bekommen wir nie Halt hinein." Zimmer muss es wissen, jahrzehntelang war er im Bau tätig. "Hier müssen wir gehörig nachbessern und das Gelände erst einmal beräumen", schimpft er. "Die Begrenzungsmauer muss auch weg, damit eine ebene Fläche entsteht. Das sind zusätzliche Kosten, mit denen ich nie und nimmer gerechnet habe." Er müsse für den anfallenden Schutt einige Container nachbestellen. Es sei keineswegs geplant gewesen, dass sich Mitarbeiter der Stadt um die restlichen Arbeiten kümmern müssten. Rein rechtlich gesehen müsse eigentlich eine Absperrung um das Gelände herum errichtet werden, denn von einer Gefahrenabwehr könne beim jetzigen Zustand der Baustelle keine Rede sein. "Wenn Kinder auf der ungesicherten Fläche herumtollen, besteht für sie die Gefahr, dass sie sich verletzen", stellt Zimmer klar.

Thomas Schittko hat eine Antwort auf diese Äußerungen vorsorglich schon mit in sein Schreiben einfließen lassen. "Sicherlich ist eine fehlende Absperrung auf der Rückseite der Abbruchbaustelle nicht korrekt." Dies hätte die Firma nach Aufforderung aber sofort geändert. Ein Blick auf die Freifläche offenbart aber eine ganz andere Tatsache. Von einer Absperrung ist keine Spur zu sehen - schließlich ist die Firma inzwischen abgerückt.

Einen Vor-Ort-Termin hält Schittko nicht für erforderlich. "Der Umfang ordnungsbehördlicher Verfahren hat mittlerweile einen solchen Umfang angenommen, dass ich bereits differenzieren muss, in welchem Fall ich behördlich tätig werde und wo ich auf die privatrechtliche Klärung des Sachverhalts verweise", heißt es weiter. "Mir fehlt schlichtweg die Zeit für einen solchen Ortstermin." Weiter wird eingeräumt, dass "ein Abbruch nicht sehenswert ist".

Das weiß auch Hans-Jürgen Zimmer, er ist aber keineswegs begeistert darüber, dass noch jede Menge Schutt auf dem Gelände herumliegt. Die Baustelle hat der Prüfer der Bauaufsicht "im Vorbeifahren" schon gesehen, als er zu einem Termin in Wegeleben weilte. Er schreibt dazu: "Nunmehr ist der Blick auf die Kirche durch das fehlende ruinöse Gebäude freigegeben und viel schöner als zuvor." Hinzu komme, dass der Abbruch vom Landkreis bezahlt worden sei. Daher solle Zimmer die Aktion als etwas Positives betrachten und die Probleme in den Hintergrund stellen.

"Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Im Vorbeifahren kann man auch schlecht erkennen, dass hier noch die Begrenzungsmauer steht", sagt der Bürgermeister an. "Das ist erst von der Kirchenseite aus sichtbar."

In seiner Anfrage hatte er sich außerdem über den verspäteten Beginn der Bauarbeiten ausgelassen. Den Grund erklärte ihm Schittko in seiner Antwort ausführlich. Die beauftragte Firma hätte einige unerwartete Probleme gehabt. Es wären Beleuchtungen gestohlen worden und der Motor des Baggers sei ausgefallen. Daher hätte man kurzfristig Ersatz beschaffen müssen. Natürlich sei es ärgerlich, wenn Abbrucharbeiten länger als geplant andauern.

"Der Umfang ordnungsbehördlicher Verfahren hat einen solchen Umfang angenommen, dass ich bereits differenzieren muss, in welchem Fall ich tätig werde."

Thomas Schittko, Prüfer der Bauaufsicht des Landkreises Harz

Der Firmenchef war auf Nachfrage der Volksstimme telefonisch nicht zu erreichen. Das war schon zu Beginn der Arbeiten so (Volksstimme berichtete), als Anwohner berichteten, dass sich nachts Unbekannte an dem dort etwa eine Woche lang abgestellten Bagger zu schaffen gemacht hätten. Deshalb verwies seinerzeit ein Mitarbeiter des Unternehmens auf seinen Chef. Eine Reaktion zu diesem Fakt steht bis heute aus. Zimmer kennt die Details und bastelt im Gedanken schon an der Lösung des Problems. "Da die Sache für den Landkreis wohl nunmehr erledigt ist, müssen wir die Baustelle nun selber beräumen", macht er deutlich. "Ich vermisse bis heute eine ordnungsgemäße Übergabe des Geländes. Man hätte die Probleme vor Ort deutlich machen können. Solch eine Verfahrensweise bei Bauarbeiten kenne ich aus meiner aktiven Zeit nicht."

Nach der endgültigen Beräumung des Abrissgeländes ist das Auffüllen des Bereiches mit Erde vorgesehen. Danach soll hier eine Rasenfläche entstehen.