Seit gut acht Jahren sorgen archäologische Funde nahe Göddeckenrode/Isingerode für Aufsehen. Die Arbeit und Entdeckungen der ehrenamtlichen Grabungshelfer stößt auch bei Gleichgesinnten auf Interesse.

Göddeckenrode/Isingerode l Es geht nur langsam voran. Statt mit Schaufel und Spaten werden die Erdschichten mit einer Kelle abgetragen. So werden Zeugnisse der mehrfach zerstörten jungbronzezeitlichen Wehranlage bei Göddeckenrode/Isingerode freigelegt. Seit 2006 forschen die "Freunde der Archäologie im Braunschweiger Land" (FABL) in ihrer Freizeit auf dem Gelände. Die Ehrenamtlichen, deren Vorsitzende Bärbel-Regine Steinmetz ist, sind hauptsächlich an Wochenenden auf der bedeutenden archäologischen Ausgrabungsfläche tätig. Der Museumsleiter und Archäologe Wolf-Dieter Steinmetz hält dabei die Fäden zusammen.

Auf unterschiedlichen Flächen der ehemaligen Wehranlage kamen so rund 10 000 Scherben und andere interessante Funde ans Tageslicht. Dazu gehören ein Hausgrundriss (900/950 vor Christus) und die vor einem Jahr geborgene Bronzesichel sowie eine Bronze-Gussform aus Stein, Spiralen, Ringe, das Fragment einer Pfeilspitze und weitere Kleinteile.

Ein Kultstein aus der Zeit um 700 vor Christi Geburt wurde ebenfalls erst vor einem Jahr geborgen. "Wir haben auch Keramik aus der Jungsteinzeit, ein kleines Steinbeil und ein Axtbruchstück gefunden", erklärt Steinmetz. Die erste befestigte Wehranlage stammt aus dem 12. bis 10. Jahrhundert vor Christi Geburt.

Vor wenigen Tagen besichtigten Mitglieder der "Hugo Obermaier-Gesellschaft" - ein Verein zu dem 250 Einzelmitglieder und Institutionen aus vielen Ländern Europas gehören - das Grabungsgelände. Ihr Namensgeber, der in Regensburg geborene Hugo Obermaier (1877-1946), war zuerst Priester und dann Prähistoriker. "Großartig, dass die Gesellschaft hergekommen ist", betonte Grabungshelfer Manfred Bolluck aus Groß Denkte, der mit weiteren Helfern neue Funde suchte.

Von den Mitgliedern der Obermaier-Gesellschaft werden insbesondere das Eiszeitalter und die Steinzeit erforscht. Dazu gehören zum Beispiel die Bereiche Urgeschichte, Geologie, Geographie, Paläobotanik, Paläontologie und Anthropologie. Geschäftsstelle ist das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Erlangen.

Die Gesellschaft hielt in Braunschweig eine Tagung ab, besuchte an einem Abend das Museum "Archäologie in der Kanzlei" in Wolfenbüttel, wurde von FABL-Mitgliedern in gemütlicher Runde bewirtet und wollte eine aktuelle Grabungsfläche sehen. Dazu hatte sich der Besuch des "Isiburg"- Geländes angeboten. "Wir konnten nachweisen, dass hier Metall gegossen worden ist", erläuterte Steinmetz. Mit Anschauungstafeln verdeutlichte er die Informationen. Woher das Erz vor langer Zeit gekommen sei, werde untersucht. Noch sei ebenfalls nicht vollständig geklärt, weshalb die Wehranlage viermal flächendeckend abgebrannt ist. Der Archäologe Steinmetz teilte mit: "Die Anlage reicht in westlicher Richtung bis zum Steilhang." Sie sei nicht nur im erforschten Innenbereich gut besiedelt gewesen, sondern auch im Außenbereich.

Die Professoren Thomas Terberger vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover und Thorsten Uthmeier von der Universität Erlangen und Präsident der Gesellschaft, bedankten sich bei Steinmetz für die informativen Ausführungen. Anschließend besuchten diese Gäste Höhlen im Süden des Harzes.