Die Abfallwirtschaft Nordharz ist seit Montag unterwegs, um im Harzkreis die Weihnachtsbäume einzusammeln. Doch was passiert eigentlich mit den Bäumen, nachdem sie in das Fahrzeug geladen wurden?

Halberstadt. Nackt und einsam liegt er am Straßenrand und wartet auf sein Ende. Vor wenigen Wochen noch erstrahlte er in Glanz und Gloria. Er war der Star in jeder Wohnung, den alle bewunderten. Nun will ihn niemand mehr haben. Und deswegen muss er verschwinden: der Weihnachtsbaum.

Dabei ist die Verbannung aus dem Haus erst der Anfang seines weiteren Leidenswegs. Denn seit Anfang der Woche ist die Abfallwirtschaft unterwegs, um sämtliche abgestellte Bäume aufzuladen und zu entsorgen. Und das noch bis zum 18. Januar.

Die Kreisstadt Halberstadt machte am Montag den Anfang. Seit 7 Uhr durchkämmten sechs Entsorungsfahrzeuge das Stadtgebiet. Die Sperrmüllwagen können etwa achteinhalb Tonnen Holz fassen, aber die Sorge der Mitarbeiter richtet sich eher auf den zeitlichen Umfang und die Gründlichkeit der Sammelaktion. Denn das Gebiet ist groß und die Bäume sind manchmal schlecht zu erkennen oder liegen nicht direkt am Straßenrand. "Geschmückte Bäume müssen wir stehenlassen. Die sind nicht kompostierbar. Aber mittlerweile kommt so etwas gar nicht mehr vor", erzählt Michael Jenz, der eines der Sammelfahrzeuge fährt. Am Morgen hat er mit seinem Kollegen Frank Rubrecht den Norden der Stadt abgefahren und hilft nun einem Kollegen im Ostgebiet aus.

Mit dem Sperrmüllauto zwängt er sich durch enge Gassen und Wohngebiete. Während Rubrecht die Bäume einsammelt und sie auf die Ladefläche wirft, kontrolliert Jenz den Zerkleinerungsprozess über eine Kamera im Fahrerhaus. Mit neun Tonnen Druck werden die Tannen gepresst und nach hinten gezogen. Dabei berichtet er von einem Kollegen, der mal versehentlich einen richtigen Baum aus dem Vorgarten mitnehmen wollte. "Er hat sich die ganze Zeit gewundert, warum er ihn nicht aufheben konnte." Aber heute verläuft alles normal.

Nach über sechs Stunden Arbeit und knapp 80 gefahrenen Kilometern ist die Aktion beendet. Jenz spricht sich kurz mit seinen Kollegen ab, aber die scheinen auch bald fertig zu sein. Mit 2,6 Tonnen Weihnachtsbäumen im Container geht es nach Heudeber zum Recyclingpark. Dort wird das Fahrzeug gewogen und bekommt einen Abladeplatz zugewiesen. Sanft gleiten die zusammengepressten Gewächse hinaus. Ein Mitarbeiter des Recyclinghofs schiebt sie zu einem großen Haufen zusammen. Für die Wienröder Jenz und Rubrecht ist die Arbeit hier beendet. Sie fahren zurück zur Abfallwirtschaft nach Reddeber.

Die Bäume werden geschreddert und kompostiert. Dabei gibt es zwei verschiedene Wege: Das Schreddergut wird mit Klärschlamm vermischt, durchgesiebt und zu Mieten aufgesetzt. Dieser Kompost wird vorwiegend für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Der andere Weg ist, die Nadelhölzer mit anderem Grünschnitt statt mit Klärschlamm anzureichern. Der Humus wird den Kommunen angeboten, um zum Beispiel Parkanlagen damit zu versorgen.Etwa drei bis sechs Monate dauert es, bis der Kompost verteilt werden kann. Auf dem Recyclinghof in Heudeber kommen im Jahr bis zu 20 000 Tonnen Grünschnitt aus dem gesamten Harzkreis und benachbarten Landkreisen zusammen.

Der Weihnachtsbaum kriegt davon gar nichts mehr mit. Seine Überreste bilden die Grundlage neuen Lebens. Vielleicht wird er neue Weihnachtsbäume zum Wachsen bringen, die zu den Feiertagen geschlagen, geschmückt und bewundert werden. So schließt sich der Kreislauf des Lebens.

 

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