Was den Augen der Einheimischen vertraut ist und daher möglicherweise übersehen wird, bezeichnen andere als Schätze. Wegelebens historische Altstadt mit einem reichen Bestand an Fachwerkhäusern sei ein "städtebauliches Juwel" hieß es unlängst bei einem Architekturspaziergang durch die Bodestadt.

Wegeleben. Rund 30 Frauen und Männer hieß Bernhard Lohe vom Arbeitskreis Denkmalpflege zum Architekturspaziergang, einer Veranstaltung des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt, kürzlich auf dem Marktplatz von Wegeleben willkommen. Hier bezeichnete Lohe die Bodestadt mit ihren geschlossenen denkmalgeschützten Bereichen und zahlreichen Einzeldenkmalen als ein "städtebauliches Juwel".

Mit einer nahezu geschlossenen Fachwerkbebauung aus dem 16. und 17. Jahrhundert und seinen 370 denkmalgeschützten Objekten verfüge Wegeleben über Fachwerkhäuser, "die durchaus mit Wernigerode und Quedlinburg mithalten können".

Allerdings befinden sich die Bauten in sehr unterschiedlichen Zuständen. Darauf machte der Experte während des Rundgangs aufmerksam, der dem regelmäßigen Grundriss der mittelalterlichen Stadtanlage mit dem Rathaus, den wertvollen Fachwerkhäusern, den Resten der Burg und der evangelischen Stadtkirche folgte. Als ein Beispiel sehr gelungener Sanierung nannte er das Haus Hundsrücken 4 aus dem Jahre 1680, in dessen Erdgeschoss sich ein Blumengeschäft befindet.

Doch neben den zahlreichen positiven konnte Lohe auch einige "weniger gelungene" und sogar negative Ergebnisse präsentieren. Bei dem einen waren es nur die Plastikfenster, die nicht dem Denkmalschutz entsprechen, bei dem anderen eine komplette Plastikfassade oder vor- gesetztes wärmedämmendes Fachwerk, eine Ausführung, die er mit "Lego" verglich. Und er sprach im Anblick eines südlich am Kirchhof stehenden Fachwerkhauses sogar von "denkmalpflegerischer Trauerarbeit". Nach den Sanierungen zu DDR-Zeiten und in den vergangenen Jahren gebe es hier sehr unterschiedliche Ergebnisse zu sehen, bei diesem Haus sei aber "leider nicht mehr viel zu holen".

Die Besichtigung der benachbarten evangelischen Stadtkirche St. Peter und Paul wurde zugleich genutzt, um einige Bilder und Zeichnungen in die Runde zu geben. Hier widmete sich Dr. Thomas Weber, Vorsitzender der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen-Anhalt, den Aspekten der Bodendenkmalpflege. Er gab einen Überblick über archäologische Funde in der großen Gemarkung Wegeleben. Im Zuge des Kiesabbaus sei man immer wieder zufällig auf Zeugnisse alter Besiedlung gestoßen.

Ein Abstecher führte die Gruppe zu den Resten der im 11. Jahrhundert erbauten Burg, von der heute lediglich ein mittelalterlicher Turm mit Zeltdach und eine Durchfahrt erhalten sind. Im Keller des benachbarten Gutshauses könnte man durchaus noch auf Spuren der alten Burg stoßen, vermutet Bernhard Lohe.

Letzte Stationen des Architekturspaziergangs war die Klosteranlage im Ortsteil Adersleben. Von den historischen Gebäuden des ehemaligen Zisterzienserinnenkloster sind heute kaum noch Reste erhalten. Das Torhaus befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Aus diesem Grund empfahl Lohe nach dem Besuch der dem heiligen Nikolaus geweihten Barockkirche allen Teilnehmern als Multiplikatoren zu wirken und von dem, was sie gesehen haben, zu berichten: "Empfehlen Sie einen Besuch von Wegelebens Altstadt und der Aderslebener Klosteranlage. Sagen Sie, dass ein Besuch sich lohnt."