Halberstadt l Die Vorwürfe wiegen schwer. Ein Lehrer aus Halberstadt soll einer Schülerin nahe gekommen sein. Womöglich zu nahe und möglicherweise nicht nur einer einzigen. Zumindest soll, so lautet der Vorwurf, es mit der Jugendlichen nicht nur eine sehr intensive und persönliche Chat-Kommunikation geben, sondern auch körperliche Nähe. Die Rede ist von Berührungen, von Küssen. All das soll es schon längere Zeit gegeben haben.

Die der Volksstimme namentlich bekannte Schülerin berichtet von einem längeren Kontakt via Chat-Dienst mit ihrem Lehrer, der immer persönlichere Züge angenommen habe. Obendrein sei ihr der Lehrer sehr nahe gekommen. "Er hat sich mit mir im Zimmer eingeschlossen, mich berührt und schließlich geküsst." Und: Vergleichbares soll auch mit anderen Schülerinnen ihrer Schule geschehen sein, sagt die 15-Jährige zur Volksstimme.

Doch warum kommen diese schwerwiegenden Vorwürfe erst jetzt auf den Tisch? Just wenige Tage vor der Kommunalwahl, bei der der Beschuldigte kandidiert, werden die Vorwürfe plötzlich laut. Machen hinter vorgehaltener Hand in Halberstadt die Runde. Und beschäftigen seit dieser Woche die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft. All das wirft Fragen auf: Gibt es wirklich ein strafrechtlich relevantes Vergehen oder werden hier letztlich haltlose Vorwürfe konstruiert? Handelt vielleicht eine Schülerin mit Rachegedanken aufgrund schlechter Benotung und werden - womöglich mit Blick auf die bevorstehende Wahl - Intrigen geschmiedet? Ob wirklich etwas dran ist, bleibt abzuwarten. Noch gilt die Unschuldsvermutung.

Hauke Roggenbuck von der Staatsanwaltschaft in Halberstadt bestätigt am Freitag gegenüber der Volksstimme, dass die Anzeige einer 15-jährigen Schülerin vorliegt und ermittelt wird. "Wir nehmen die Vorwürfe wie immer sehr ernst, stehen gegenwärtig aber noch ganz am Anfang der Ermittlungen", so der Oberstaatsanwalt.

Die erhobenen Vorwürfe gingen in den Bereich sexueller Handlungen. Bislang sei die Anzeigenerstatterin von der Polizei befragt worden. Zudem gebe es eine Zeugin, die ebenfalls als Geschädigte betroffen sein könnte, sagte Roggenbuck. "Der Beschuldigte selbst ist bislang noch nicht zu den im Raum stehenden Vorwürfen befragt worden, wir klären erstmal den gesamten Sachverhalt auf."

"Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen."

Hauke Roggenbuck, Staatsanwaltschaft in Halberstadt

Gegenüber der Volksstimme wollte sich der Mann trotz der schweren Anschuldigungen nicht äußern. "Ich habe dazu und zu anderen Themen erstmal nichts zu sagen", erklärte der Halberstädter Pädagoge am Freitag am Telefon. Er sprach zugleich von Lügen und den Gefahren, die von unwahren Vorwürfen und Vorverurteilungen ausgehen können.

Daran erinnerte auch CDU-Kreischef Ulrich Thomas mit Blick auf seinen Parteifreund. Zu den Vorwürfen selbst und den Ermittlungen wollte sich Ulrich Thomas nicht äußern.

Gehandelt haben nach verlässlichen Volksstimme-Informationen hingegen die Schulbehörden. Der Halberstädter, der an einer Förderschule in der Stadt unterrichtet, ist seit Bekanntwerden der Vorwürfe beurlaubt. In der Einrichtung selbst wollte sich gegenüber der Volksstimme niemand zu den Vorgängen äußern.

Auch im Landesschulamt in Halle gab man sich am Freitag mehr als wortkarg. Die Anfrage zu dem Lehrer betreffe ein laufendes Personalverfahren, sagte Direktor Torsten Klieme. "Dazu äußern wir uns generell nicht."