Gemeindezentrum Ja oder Nein. Am Sonntag sind die 800 wahlberechtigten Bewohner von Groß Quenstedt aufgefordert, an die Wahlurne zu treten und beim Bürgerentscheid ihre Stimme abzugeben. Über 100 Groß Quenstedter folgten am vergangenen Mittwoch der Einladung des Vereins Kultur- und Gemeindezentrum St. Petri, der in zwei Veranstaltungen das Modellprojekt noch einmal vorstellte.

Groß Quenstedt. Die Mehrzweckhalle, in der die Informationsveranstaltung stattfand, ist über Jahrzehnte kulturelles Zentrum im Ort gewesen und wird von der Grundschule für den Sportunterricht genutzt. Um den schlechten Zustand des barackenartigen Gebäudes zu erkennen, muss man kein Fachmann sein. Dass die eigentliche Nutzungsdauer bereits 1990 abgelaufen ist, wissen die Experten, ebenso dass jede künftige Investition nur Flickschusterei wäre.

Schlimmstenfalls kann die Halle von heute auf morgen gesperrt werden. Dann fällt nicht nur der Sportunterricht aus, dann ist auch der Schulstandort gefährdet. Für Feierlichkeiten ziehen die Groß Quenstedter ohnehin schon seit Längerem Räumlichkeiten in benachbarten Orten vor.

Um diese Situation zu ändern, hat sich im August 2009 der Verein Kultur- und Gemeindezentrum St. Petri gegründet, der heute 30 Mitglieder zählt. Er hat die Idee für ein multifunktionelles Gemeindezentrum gemeinsam mit einem Architekten bereits komplett durchgeplant und bekam wegen des Modellcharakters vom Land Sachsen-Anhalt Fördermittel in beträchtlicher Höhe in Aussicht gestellt.

Das Gemeindezentrum soll auf den Grundmauern des einstigen Kirchenschiffs der St. Petri-Kirche gebaut werden und deren noch vorhandener unter Denkmalschutz stehender Turm soll in das Gebäude integriert werden. Vorgesehen ist eine Nutzung durch die politische und die kirchliche Gemeinde sowie die Bürger. Die Details über die unterschiedlich großen Räumlichkeiten und deren Nutzungsmöglichkeiten, stellte Vereinsvorsitzender Tino Wiedenbein vor. Schulsport, Versammlungsstätte für Vereine, Nutzung durch die Kirchengemeinde, Familienfeiern und vieles andere mehr seien aufgrund der durchdachten Planung möglich – sogar parallel laufende Veranstaltungen.

Roman Schwarz informierte über die Finanzierung des mit 1,15 Millionen Euro veranschlagten Projektes. "Ohne Landesförderung können wir nichts bewegen", betonte er. Neben der in Aussicht gestellten Landesförderung gebe es feste Zusagen der Harzsparkasse, der Volksbank, der Sportförderung des Landkreises und von Lotto-Toto. Die evangelische Landeskirche habe 100 000 Euro zugesichert.

"Wäre froh, wenn Zukunftsträchtiges entsteht."

Schwarz widmete sich jedoch nicht nur der notwendigen Baukostensumme, sondern legte auch Zahlen vor, die für einen künftigen Betrieb des Zentrums mit seinen insgesamt 527 Quadratmetern Nutzungsfläche wichtig sind. Bis ins Detail haben Experten ausgerechnet, wieviel Kosten entstehen und wie diese gedeckt werden können. Nicht nur die Vereinsmitglieder sind überzeugt, dass Groß Quenstedter, die heute ihre Feiern nach außerhalb verlegen, künftig wieder im Ort feiern würden. Denn hier bietet sich ihnen nicht nur die Nähe an, sondern ein modern ausgestattetes Haus, in dem Räume gemietet und die Ausgestaltung der Veranstaltung (Catering, Getränke ...) selbst organisiert werden können. Einen Gaststättenpächter werde es nicht geben.

Die Fragen der Bürger bezogen sich unter anderem auf die Nutzungsmöglichkeiten, die Gestaltung des Zentrums und seiner Außenanlagen. Es wurde nachgehakt, ob die genannten Zahlen realistisch sind und ob die Bürger in irgendeiner Weise zur Kasse gebeten werden. Letzteres schloss der Verein aus. Auch die genannten Zahlen basierten, was den Bau betrifft, auf Berechnungen von Experten oder stammen aus dem vom Gemeinderat beschlossenen Haushaltsplan.

Pfarrer Arnulf Kaus lobte die fundamentierte Darstellung. Vor dem Hintergrund, dass man künftig nicht mehr zwei Kirchen und zwei Pfarrhäuser betreiben kann, sagte er, dass man sich vom Pfarrhaus im Ostendorf trennen werde und einen Raum im Zentrum nutzen wolle. Er verwies darauf, dass ein im Ort kursierendes Flugblatt nicht von der Kirchengemeinde stammt, nicht seine oder die Meinung des Gemeindekirchenrates, sondern nur die einiger weniger widerspiegelt.

"Die Mehrzweckhalle entspricht schon lange nicht mehr den Anforderungen", betonte Roswitha Zimmermann, "wir müssen deshalb diese einmalige Chance unbedingt nutzen." In der St. Petri Kirche konfirmiert, habe sie später den Abriss des Kircheschiffs miterleben müssen. "Ich wäre froh, wenn an diesem Platz wieder etwas entsteht, was zukunftsorientiert ist und allen Groß Quenstedtern dienlich ist. Das wäre gut für unseren Ort und für dessen Zukunft." Es gehe eigentlich nicht um die Frage von Wollen oder Nicht-Wollen, sondern um das Müssen und Können. "Wir müssen", unterstrich Regina Zimmermann. Wenn die alte Halle nicht mehr genutzt werden kann, gebe es keine Alternative: "Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es bald keine Grundschule mehr geben. Was haben wir dann noch zu bieten. In zehn Jahren wird Groß Quenstedt ein Geisterdorf sein."

Bei einem Nein müsse man sich der Tragweite bewusst sein, hieß es vom Verein, denn für die Mehrzweckhalle werde es keinen Cent Fördermittel geben. "Wir brauchen ein klares Votum. Entscheiden sich die Bürger am Sonntag für ihr Gemeindezentrum, dann gehen die Fördermittelanträge sofort raus", sagte Tino Wiedenbein. Nach der Zusage folgen Bauantrag und Ausschreibung. Im Herbst könnte Baubeginn sein, Einweihung nach einem Jahr Bauzeit.