Osterwieck (mhe) l Erinnerungen an große Filmgeschichte bot das Potsdamer Saxophonquartett "Meier´s Clan" am Sonntagabend in der Osterwiecker Stephanikirche. Filmmusiken standen im Mittelpunkt seines Konzerts - aber nicht nur.

Pfarrer Stephan Eichner wertete das Gastspiel der Saxophonisten bereits im Vorfeld als "außergewöhnlich". Vor zwei Jahren waren die Vier schon mal hier gewesen. Damals herrschte Begeisterung und der Wunsch: "Das müssen wir nochmal erleben."

"Meiers Clan" spielt oft in Kirchen. "Die Akustik bietet sich dafür an", erklärte Ralf Benschu, der Leiter des Quartetts, der von 1990 bis 2009 auch Mitglied der Band "Keimzeit" war. Wie vielseitig die Saxophonisten sind, wurde schnell deutlich. Vor den Filmklassikern präsentierten sie Stücke aus der Kirchenmusik, Klassik von Palestrina und Bach sowie ein Stück von Ralf Benschu selbst. "Voller Euphorie nach dem ersten Fallschirmsprung geschrieben", wie Matthias Wacker dem Publikum erklärte. Wacker, der seine ersten Sporen in der Rockband "Franky" verdiente, gönnte seinem Saxophon beim Titel "Sag ihr auch" eine kurze Pause und sang den Text des DDR-Schlagerstars Gerd Christian.

Wacker übrigens hat Osterwiecker Vorfahren, Ensemblemitglied Mark Wallbrecht dagegen Beziehungen zur Ilsestadt. Die frühere Kantorin Gertraud Schneyer ist seine Tante und hörte sich das Konzert mit Freude an.

Beim "Englishman in New York" dachte man, gleich wird Sting singen. Auch das Original beginnt mit Saxophonklängen. Mal beschwingt, mal ruhig spielend, zeigten die Musiker, für welch unterschiedliche Rhythmen ihre Instrumente einsetzbar sind. Kontraste von der schnulzigen Musik im Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod" mit Claudia Cardinale bis zu Action-Filmen mit Tom Cruise und "007" Daniel Craig.

Durch die verschiedenen Stimmlagen der Instrumente wirkte das Quartett mitunter wie ein ganzes Orchester. Für das Publikum gab es sogar einen "Kampf" des riesigen, tiefen Bass-Saxophons von Sebastian Hillmann mit den hohen Tönen von Ralf Benschu, der gern noch höhere Töne bieten wollte, aber das angekündigte (Mini-)Sopranino schlicht und einfach einzupacken vergessen hatte.

Das Publikum verzieh ihm und seinen Mitstreitern das gern. Dafür erlebte es noch andere Köstlichkeiten, die man sonst kaum zu hören bekommt. Etwa täuschend echt gackernde Enten oder auch ein Lied einfach nur auf dem Mundstück ohne Instrument geblasen. Die Vier sind eben Meister ihres Fachs, alle an Musikschulen als Lehrer sowie auch noch in anderen Projekten tätig. Einmal in der Woche aber, so berichtete Benschu, kommen die Vier zum Üben als "Meiers Clan" zusammen. Benannt übrigens nach ihrem früheren gemeinsamen Musiklehrer.