Das ehrgeizige Projekt, in Groß Quenstedt ein neues, kirchlich-kommunales Gemeindezentrum zu bauen, ist am Votum der Einwohner gescheitert: Beim Bürgerentscheid sprachen sich am Sonntag 76 Prozent der befragten Einwohner gegen das Vorhaben aus. Damit ist das Ansinnen, anstelle des abgerissenen Schiffs der Sankt-Petri-Kirche ein von Kirche und Kommune gemeinsam genutztes Gemeindezentrum zu bauen, wohl vom Tisch.

Groß Quenstedt. Der monatelange Kampf war vergebens, die Enttäuschung ist bitter: Das von den Mitgliedern des "Fördervereins Kultur- und Gemeindezentrum Sankt Petri" forcierte Neubauprojekt in Groß Quenstedt ist gescheitert. Am Sonntag haben die Einwohner der gut 1000 Einwohner zählenden Gemeinde mit einer unerwartet deutlichen Mehrheit den Plan, anstelle des früheren Kirchenschiffs des Sankt-Petri-Gotteshauses ein kirchlich-kommunales Gemeindezentrum zu bauen, gestoppt. Rund 76 Prozent der Wahlberechtigten votierten laut Vize-Wahlvorsteher Harald Brockelt gegen das Ansinnen. Lediglich jeder vierte Wähler habe sich – bei einer vergleichsweise hohen Wahlbeteiligung von 75 Prozent – dafür ausgesprochen.

"Das Ergebnis ist eindeutig, da gibt es nichts zu deuteln"

Ein Fakt, den auch Tino Wiedenbein als Vorsitzender des Fördervereins nicht schönreden will: "Das Ergebnis ist eindeutig, da gibt es nichts zu deuteln", meinte er gestern. Über die Gründe für diese vergleichsweise klare Ablehnung konnte indes auch er nur rätseln. Möglicherweise sei es den rund 30 Akteuren im eigens für dieses Projekt gegründeten Verein doch nicht gelungen, die Mehrheit der Einwohner im Ort mit den Argumenten vom Sinn und Vorteil eines solchen Neubaus zu überzeugen, meinte der 34-Jährige.

Dabei waren die Fakten, die die Befürworter des ehrgeizigen Planes zusammengetragen hatten, aus Sicht vieler Beobachter ebenso klar wie überzeugend: Dort die betagte und in vielen Punkten baufällige Mehrzweckhalle, die in direkter Nachbarschaft mit dem modernen und baulich ausgefeilten Gemeindezentrum ersetzt werden soll. Die Kosten für jenen Neubau werden von den Planern mit rund 1,1 Millionen Euro veranschlagt.

Ein recht großer Brocken, der aus Tino Wiedenbeins Sicht freilich relativiert werden müsse: "Wir hatten wegen der Einzigartigkeit unseres Vorhabens gute Aussichten auf eine recht hohe Förderung." Aber: Weil es bekanntlich ohne Eigenmittel keine Förderung gibt, sei trotz Zusagen von Partnern wie der Kirche oder Banken eine Deckungslücke geblieben, räumt Wiedenbein ein: "Wir sind planungsseitig von einer realistischen Förderquote von 66 Prozent ausgegangen, obwohl wir berechtigte Hoffnung auf eine noch höhere Quote hatten", berichtet der Vereinschef und kommt auf die beiden daraus resultierenden Problempunkte zu sprechen: Erstens musste die Kommune – entgegen der ursprünglichen Planungen – als Antragsteller für die Fördermittel doch mit ins Boot. Und zweitens habe sich bei jener 66-prozentigen Förderquote eine Finanzierungslücke von rund 167 000 Euro ergeben. Ein Betrag, bei dem die Vereinsmitstreiter letztlich in Richtung der Kommune schauten.

Im Gemeinderat, wo die Befürworter des Projektes von Anfang an eher dünn gesät waren, mehrten sich spätestens an dieser Stelle die kritischen Stimmen: So interessant das Projekt für Groß Quenstedt auch sei – kommunale Finanzmittel dürften dafür nicht beansprucht werden, erinnert sich auch Vize-Wahlvorstand Harald Brockelt an den Tenor im Rat. Letztlich hätten sich die Gemeinderäte daraufhin im Herbst 2010 auf einen Kompromiss geeinigt: Sie stellten den nötigen Fördermittelantrag, um das Projekt nicht bereits an dieser Stelle auszu-bremsen. Zugleich aber beschlossen sie, die endgültige Entscheidung für oder gegen das neue Gemeindezentrum einem Bürgerentscheid zu unterstellen (die Volksstimme berichtete).

Und bei diesem wurde am Sonntag keine der beiden zwingenden Erfolgsvoraussetzungen erfüllt: Die einfache Mehrheit der Befürworter-Stimmen wurde ebenso verfehlt wie die bei einem Bürgerentscheid nötige 25-Prozent-Quote. Letztlich, so rechnet es Harald Brockelt vor, hätten mindestens 25 Prozent aller wahlberechtigten Groß Quenstedter mit Ja stimmen müssen. Zudem hätte diese Mindestzahl von 215 Ja-Stimmen zugleich der einfachen Mehrheit aller gültigen Stimmen entsprechen müssen.

Zwei Hürden, die beide nicht genommen wurden. Deshalb gibt sich Fördervereinschef Tino Wiedenbein auch keinerlei Illusionen hin, dass das "für Groß Quenstedt richtungsweisende Vorhaben" nun endgültig gescheitert ist: "Wir müssen und werden uns dem Bürgervotum beugen. Ein zweiter Anlauf macht ebenfalls keinen Sinn – dafür ist das jetzige Ergebnis zu eindeutig." Zudem sei es kaum möglich, den speziell für dieses Projekt im Sommer 2009 gegründeten Förderverein einfach mit Blick auf ein anderes Ziel – beispielsweise einen Neubau an einer anderen Stelle im Ort – zu verändern.

"Ein zweiter Anlauf macht keinen Sinn – dafür ist das Votum zu klar"

Letzteres wäre hinsichtlich der Örtlichkeiten – zumindest theoretisch – denkbar. Schließlich war ein Fakt, der im Ort immer wieder kritisch diskutiert worden war, die Lage des geplanten Gemeindezentrums: Breiter als das einstige Kirchenschiff ausgeführt, wären auch Flächen, die einst als Grabstätten genutzt worden waren, überbaut worden. Ein Fakt, der vor Ort zwar für Diskussionen sorgte – den Hauptgrund für das Scheitern des Bürgerentscheides sieht Tino Wiedenbein darin jedoch nicht.

"Wir werden das Resultat jetzt im Förderverein auswerten." Anschließend seien aus seiner Sicht insbesondere die Kritiker des Neubaus gefragt: Wohin soll die Reise in Groß Quenstedt nun gehen? Und vor allem: Was soll aus der betagten Mehrzweckhalle werden? Abgesehen vom problematischen Hauptbaustoff Asbest sei längst auch das Dach undicht. "Hier muss schnell was gemacht werden", erinnert er.

Gut möglich also, dass die Zukunft und Sanierung der asbestbelasteten Mehrzweckhalle nun als nächste Kernfrage in Groß Quenstedt in den Mittelpunkt rückt.