Mit einer Reihe von sprichwörtlich heißen Themen beschäftigen sich heute die Mitglieder des Gemeinderates Groß Quenstedt: Diskutiert werden soll unter anderem die Frage, wie es mit der abgerissenen Fußgängerbrücke über die Holtemme weitergehen soll. Zudem ist die Zukunft der Bibliothek ein Thema im öffentlichen Teil der Sitzung. Überdies wollen die Räte über den gescheiterten Bürgerentscheid zum neuen Gemeindezentrum diskutieren und als Konsequenz den Fördermittelantrag zurückziehen. Unterdessen regt sich nun auch Kritik am Vorstand des Fördervereins.

Groß Quenstedt. Die Würfel sind gefallen: Der Bürgerentscheid zugunsten des Neubaus eines kirchlich-kommunalen Gemeindezentrums auf der Fläche des früheren Kirchenschiffs in Groß Quenstedt ist gescheitert. In der heute um 19 Uhr beginnenden Ratssitzung dürfte das Resultat des Bürgerentscheides, bei dem am Sonntag rund 75 Prozent der Wähler mit Nein votiert hatten (die Volksstimme berichtete am Dienstag ausführlich) breiten Raum einnehmen. Gut möglich, dass die Groß Quenstedter dann auch die Zeit finden, um über das Miteinander und die Art und Weise der Argumentation im Vorfeld der Abstimmung zu reden.

Fragwürdiges Flugblatt

Schließlich waren die argumentativen und emotionalen Wogen zwischen den Befürwortern des Projektes auf der einen und den Gegnern auf der anderen Seite zuletzt recht hoch geschlagen. So meldete sich vor dem Urnengang am 16. Januar beispielsweise auch die "Sankt-Petri-Kirche" höchstselbst auf einem Flugblatt zur Wort, um die Wähler im Ort gegen das Projekt zu motivieren.

Von einer "Verstümmelung" des nach dem Abriss des Kirchenschiffs ohnehin schon geschundenen Gotteshauses ist in dem verteilten Flugblatt die Rede. Nun solle hier ein "Prunkbau" errichtet werden und dort, wo einst der Altar stand, eine Biertheke entstehen und Alkohol in Strömen fließen, warnen die namenlosen Kritiker des Neubaus. Ein geradezu "pietätloser Gedanke", finden die anonym gebliebenen Verfasser, die leider nicht den Mut und die Courage fanden, offen zu ihrer Meinung zu stehen.

Kritik am Vorstand

Offen formuliert indes Doris Koch, die Pächterin der örtlichen Mehrzweckhalle, ihre Kritik: Sie sei selbst Mitglied des Fördervereins für den Neubau geworden und habe jetzt – an der entscheidenden Stelle – dennoch dagegen gestimmt. "Ich fand und ich finde das Vorhaben als solches ganz toll. Aber selbst mich haben die Mitglieder im Vorstand des Fördervereins für den Neubau letztlich nicht von der Richtigkeit des Vorhabens überzeugt", stellt die 60-Jährige klar und erinnert daran, dass sie als "normales" Mitglied des Fördervereins beispielsweise niemals eine Einladung zu einer Veranstaltung erhalten habe.

Priorität Finanzen

"Die Bau- und Kostenplanungen für das kirchlich-kommunale Gemeindezentrum wurden nur im Vorstand des Vereins besprochen", meint Doris Koch rückblickend und bilanziert ganz persönlich: "Wie soll ich die Bürger von der Richtigkeit und Notwendigkeit des Projektes überzeugen, wenn ich selbst nicht einmal davon überzeugt worden bin?"

Kritik, die Vereinsmitglied Brigitte Spillecke indes nur teilweise nachvollziehen kann: Nach ihrer Erinnerung habe Doris Koch den Verein unmittelbar nach ihrem Eintritt schon wieder verlassen, weil sie wohl Argumente einiger Neubau-Befürworter nicht habe teilen wollen. Kochs inhaltliche Kritik am Vereinsvorstand teilt Brigitte Spillecke indes punktuell: "Es gab in der Tat recht wenige Informationen vom Vereinsvorstand. Man muss aber auch bedenken, dass sich dort Leute engagiert haben, die beruflich und persönlich sehr stark eingebunden sind und all das nebenbei auf sich genommen haben."

Vereinschef Tino Wiedenbein erinnerte gestern daran, dass das Konzept zum Neubau des Gemeindezentrums schon vor der Vereinsgründung vorlag und absolut kein Geheimnis war. "Es bestand vereinsintern darin Einigkeit, dass wir anfangs vor allem Mitstreiter brauchen, die uns helfen, finanzielle Quellen zu erschließen." Doris Koch sei dies wohl entgangen, weil sie mal Vereinsmitglied gewesen sei und dann mal wieder nicht. Was Doris Koch empört zurückweist: "Ich bin bis heute Mitglied im Förderverein."

Wie auch immer. Für Tino Wiedenbein ist die Sache längst abgehakt: "Ich habe zu der ganzen Sache mit dem Gemeindezentrum nichts mehr zu sagen – das Thema ist durch."

Provisorische Brücke?

Gänzlich anders ist der Sachstand bei der Holtemme-Brücke, die im vergangenen Frühjahr abgerissen worden ist: Mittlerweile habe ein Gutachter sowohl die alte Brücke als auch deren Auflager beurteilt, informierte Vize-Verwaltungschef Harald Brockelt. "Die eigentliche Brücke war marode", so Brockelt. Hinsichtlich der Auflagepunkte sehe der Gutachter indes keine Probleme, soweit darauf eine ähnlich dimensionierte Brücke montiert werde.

Suche nach Angeboten

Genau in diese Richtung gingen nun die Überlegungen. Zumindest übergangsweise – bis zu dem von der Bahn geplanten Umbau der Bahnstrecke – solle eventuell eine vorgefertigte Behelfsbrücke montiert werden. "Bauamtsleiter Werner Fiedler holt gegenwärtig Angebote ein – wir hoffen, dass wir den Räten am Donnerstag Vorschläge unterbreiten können", stellte Harald Brockelt dieser Tage in Aussicht. Anschließend müssten die Räte entscheiden, ob die Holtemme-Querung zwischen Gemeinde, Bahnhof und Sportplatz zumindest provisorisch wieder hergestellt werden solle.