1545 Menschen aus 22 Ländern wurden im vergangenen Jahr in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) aufgenommen. Die meisten blieben nur drei Monate in der Einrichtung vor den Toren Halberstadts, andere ein ganzes Jahr. Einige wurden abgeschoben, andere erhielten eine Aufenthaltsgenehmigung. Aber eins eint sie alle: Die ersten Tage, Wochen und Monate in Deutschland sind sie in einem fremden Land, ohne Sprachkenntnisse und ohne eine Aufgabe oder Beschäftigung.

Halberstadt. Amidou Traore ist sichtlich froh über die positive Resonanz auf seinen Aufruf. In der Volksstimme hatte der Caritas-Mitarbeiter um ehrenamtliche Unterstützung bei seiner Arbeit mit Asylbewerbern gebeten. "Es haben sich gleich mehrere Menschen bei uns gemeldet, die sich engagieren wollen", so Traore. Zudem habe es viele Anfragen gegeben von Leuten, die Sachspenden wie Kinderkleidung, Bücher und Spielzeug zur Verfügung stellen wollen. Cathleen Brand von der Halberstädter Caritas, freut sich besonders über das Angebot eines Schwanebecker Sportvereins, die ZASt-Kinder kostenlos zum Training einzuladen.

Zwei künftige Ehrenamtler – Aniko Kurth und Jürgen Vollheim – wollten sich in dieser Woche selbst ein Bild von der Einrichtung und ihrem möglichen Einsatzort machen und besuchten Amidou Traore an seinem Arbeitsplatz in der ZASt. "Die Caritas ist wie eine Insel innerhalb der ZASt", erklärte ihnen Cathleen Brand. "In diesen Räumen können wir entscheiden, was wir machen."

Gemeinsam überlegte man nun, wie die künftige ehrenamtliche Tätigkeit aussehen könnte. Für die junge Mutter Aniko Kurth wurde schnell klar, dass sie sich gern um die vielen Kinder in der ZASt kümmern möchte. Gemeinsam mit dem Anliegen eines Sprachkurses, entwickelte sich so die Idee, Sprachunterricht speziell für die jüngsten Bewohner anzubieten. "Das ist eine tolle Idee", schwärmte Cathleen Brand, denn ein solcher Kurs wäre ein Novum in der ZASt. Gerade der Unterricht in der deutschen Sprache sei für viele Asylbewerber besonders wichtig.

Das konnte auch Kirsten Helmecke unterstreichen. Die Studentin bietet bereits seit dem vergangenen Sommer Sprachkurse in der ZASt an. Und die erfreuen sich großer Beliebtheit. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin ist bislang die einzige, die Amidou Traore bei seiner Arbeit tatkräftig unterstützt. Neben ihrem regelmäßig stattfindenden Sprachkurs hat sie auch kürzlich ein Fußball-Turnier organisiert. Aus Erfahrung weiß sie: "Die Leute nehmen jedes Angebot dankbar an." Denn, so Helmecke weiter: "Was die Menschen in erster Linie brauchen, ist menschliche Nähe."

"Das ist ganz wichtig für viele", stimmt ihr Traore zu. Das was in der ZASt geboten werde, reiche nicht aus. Er spricht aus eigener Erfahrung, kam er doch Anfang der 1990er Jahre selbst als Asylbewerber nach Halberstadt. Natürlich bekäme man etwas zu essen, einen Schlafplatz und alles Notwendige, aber: "Das ist nicht das, was der Mensch braucht, um sich entfalten zu können." Zwar gebe es Sprachkurse, aber die wären nur für bereits anerkannte Flüchtlinge. Solange das teilweise sehr langwierige Verfahren dauere, würden solche Angebote nicht gefördert. "Es geht aber darum, die Menschen, solange sie hier sind, zu beschäftigen, zu unterstützen und ihnen zu helfen", sagt Amidou Traore.

Der afrikanische Kontinent begleitet Jürgen Vollheim bereits sein halbes Leben. Der Halberstädter Rentner hat unzählige Male auf dem Kontinent Urlaub gemacht. Der selbsternannte Wildtierliebhaber kennt Land und Leute sehr gut. "Deswegen ist es mir eine Herzensangelegenheit. Und ich fragte mich: Was kann ich als Rentner machen, um den Afrikanern zu helfen?" Er stelle sich vor, den Menschen bei Behördengängen unter die Arme zu greifen oder ihnen das tägliche Leben in Deutschland näher zu bringen. Amidou Traore betonte auch, dass es um ein "Geben und Nehmen" gehe: "Das ist ja auch für Deutsche die Gelegenheit, ihre interkulturelle Kompetenz zu erweitern."

Wer sich ebenfalls in der ZASt engagieren möchte, kann sich bei Cathleen Brand unter der Telefonnummer (0 39 41) 2 60 98 melden.