Von Jörg Endries

Halberstadt l Eine hässliche Abrissfläche im Herzen der Altstadt Halberstadts ist innerhalb nur weniger Wochen verschwunden. Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) hat gestern Nachmittag die Bürgergärten in der Judenstraße mit der Übergabe der Pachtverträge an die künftigen Nutzer der Parzellen eingeweiht.

"Die historische Altstadt Halberstadts, wo sich einst das jüdische Viertel befand, hat viele Wunden erfahren; Krieg, Vernachlässigung, Verfall, Abriss. 1990 ist dann ein neues Kapitel der Stadtsanierung aufgeschlagen worden", erinnert der Oberbürgermeister. Auch im Bereich der Judenstraße habe man sich lange Zeit intensiv Gedanken darüber gemacht, wie "die Leere kultiviert werden kann - sinnvoll, verträglich und vor allem erträglich", betont Andreas Henke.

Vor mehr als zwei Jahren ist das Projekt zur Wiederbelebung des Areals aus der Not heraus geboren worden. Trotz intensiver Bemühungen ist es der Stadtverwaltung nicht gelungen, Bauherren für die Abrissfläche zu gewinnen, die dort Wohn- und Geschäftshäuser errichten. Anwohner, Verwaltung und eine Studentin setzten sich daraufhin an einen Tisch, zerbrachen sich die Köpfe, wie das Areal aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken sei. Ergebnis: die Geburtsstunde der Bürgergärten. Andreas Henke: "Die Bürger haben sich gefreut, dass in der Judenstraße endlich etwas passiert. Vorallem darüber, dass sie gefragt wurden bevor etwas passiert."

Anfang Mai konnte der Startschuss für die Umgestaltung der Fläche gegeben werden. Bis zu Fertigstellung sind 1400 Tonnen Bauschutt entfernt, auf 750 Quadratmetern Fläche 550 Kubikmeter Muttererde aufgebracht, ein 3,50 Meter tiefer Brunnen für die Wasserversorgung gebohrt, 350 Heckenpflanzen gesetzt, 250 Meter Zaun gezogen worden und elf Parkplätze entstanden. Kosten: etwa 75 000 Euro, bezahlt aus dem städtischen Sanierungsprogramm. Ein Garten ist noch zu haben. Interessenten können sich im Rathaus bei Siegrun Ruprecht von der Abteilung Stadtplanung melden.