Zu einem runden Wiegenfest erhält der Jubilar für gewöhnlich ein besonderes Geschenk. Die Bockwindmühle in Anderbeck bekommt zum 150. Geburtstag neue Flügel. Diese sollen sich zum Fest im September drehen.

Anderbeck l Wohin man auch schaut, überall in der Bockwindmühle von Anderbeck klappert es. Verantwortlich dafür ist nicht der Wind, sondern ein Elektromotor. Er sorgt dafür, dass sich in der Mühle alles bewegt. Hans-Otto Klopp vom Verein "Windmöhle un Backhus" aus Anderbeck freut sich besonders darüber, dass sich erstmals das Rad für den Antrieb der Mühlsteine wieder dreht. Dieses Rad sei neu.

Die Sanierung der Mühle erfolgt in kleinen Schritten. "Doch sie lebt wieder", schwärmt Klopp, ein gelernte Müller. Zum Deutschen Mühlentag freute er sich über jeden Gast und wurde nicht müde, das Prinzip der Windmühle und ihre Geschichte zu erzählen.

Anderbecks Bockwindmühle wurde 1864 am südlichen Ortsrand errichtet. Seit 1991 befindet sie sich in der Verantwortung des Vereins, der sich rührig um die Sanierung der Mühle kümmert. Um das Ganze zu finanzieren, wurden 1998 das Backhaus mit einem altdeutschen Backofen errichtet und 2004 der Verein "Windmöhle un Backhus" gegründet.

Zweimal im Jahr, immer zu Pfingsten und im September, wird an der Mühle gefeiert. "Dabei ziehen unsere Vereinsmitglieder alle mit an einem Strang", beschreibt Gerald Grzeschniok das Engagement. Er sei stolz auf die vielen fleißigen Helfer. Nicht nur die Erwachsenen, auch die Kinder würden mit zupacken.

Die Vereinsmitglieder Conny und Holger engagieren sich zum Beispiel als Bäcker, die im Akkord im Backhaus Brot und Kuchenteige auf Naturbasis kneten, ausrollen, formen und backen. Während Vater Uwe Lehmann seinem Hobby als Müller in der Bockwindmühle nachgeht, verkaufen die Frauen der Lehmanns im Backhaus Kuchen, Brot und Kaffee. "Ist doch Ehrensache, dass ich hier helfe", sagte Tochter Hannah und lachte. Nebenan wurde Gegrilltes den Besuchern angeboten. "Alles für die Mühle", sei die Devise aller Helfern.

Gerald Grzeschniok hatte sich eine schweißtreibende Aufgabe ausgesucht, er betätigte sich als Karussellmann. Im Schatten der Mühle hatte der Verein ein Karussell nach historischem Vorbild errichtet, das mit reiner Muskelkraft in Gang gebracht werden musste.

Bis zum September sollen nun die Flügel der Bockwindmühle erneuert werden. Für zwei der insgesamt vier Mühlenflügel sei eine Bespannung mit Segeltuch geplant. Solch eine sogenannte Besegelung sei früher üblich gewesen. Bis zu den Feierlichkeiten am Sonntag, 7. September, habe also Mühlenbauer Brüggemann "viel zu tun", sagte Gerald Grzeschniok. Dank der Hilfe von Lotto Toto sei die Finanzierung gesichert.

Für das Fest selbst sei ein umfangreiches Programm mit Mühlenmärchen, lebendiger Mühlenhistorie, Mühlenführungen, Köstlichkeiten aus dem "Backhus" und musikalischer Umrahmung geplant. Die Freunde der alten Mühlentechnik sollen "voll auf ihre Kosten kommen", so Grzeschniok. Er und alle anderen Vereinsmitglieder fiebern zum Festtag einem besonderen Moment entgegen: Wenn sich die neuen Flügel der Bockwindmühle im Wind drehen.

   

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