Hessen l Der kleine Schloss-Förderverein hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um den Besuchern auf vier Bühnen ein Programm mit Profikünstlern von Theater und Bühne, aber auch mit lokalen Tanzgruppen und Sängern zu bieten. Ein Mix aus Klassik, Rock, Schlager und Show - und das bis Mitternacht. Die Hofgesellschaft, dargestellt von Hessenern, bekam diesmal Verstärkung aus Schöppenstedt. Till Eulenspiegel mimte den Hofnarren. Vor allem aber spielte nach dem Regen-Dilemma im Vorjahr diesmal das Wetter mit und bescherte eine sternenklare Nacht.

Auch wenn die Gartennacht von den Aktiven des Schloss-Fördervereins organisiert wurden, war sie doch ein Werk des ganzen Dorfes. Schon im vergangenen Oktober begann zum Beispiel eine Frauengruppe mit dem Herstellen der Dekorationen, berichtete Gerrit Achilles. Nach dem Fest ist vor dem Fest. Ortsbürgermeister Rüdiger Seetge (Linke) sieht die Bemühungen um den Aufbau eines Dorfklubs bestätigt. Dort arbeiten alle Verein mit, um die Hessener 1050-Jahrfeier 2016 vorzubereiten. In jener Festwoche wird die Gartennacht einen besonderen Stellenwert bekommen.

"Der Garten muss Kultur leben", sagte Fördervereinsvorsitzender Klaus Bogoslaw. Denn schon vor über vier Jahrhunderten, als die Braunschweiger Herzöge in Hessen ihren Sommersitz hatten, gab es große Feste im gleichsam prächtigen wie bedeutenden Lustgarten der Renaissance.

Als 2011 die erste Gartennacht in Hessen über die Bühne ging, wurde damit eine Inspiration von der großen Potsdamer Schlossernacht aufgenommen. Die Hessener begannen klein mit einer Bühne, jetzt sind es schon vier. Das Garten- und Parkgelände ist immer weitläufiger fürs Fest hergerichtet worden und bietet noch weitere Platzreserven.

1500 Kerzen, alle von Hand angezündet, brachten die Quartiere des Lustgartens zum Erleuchten. Ohnehin ist seit dem ersten Fest vor drei Jahren durch entsprechende Grasmahd der schon vor Jahrhunderten aufgegebene Garten zumindest dem Anschein nach wieder existent. Diesen wenigstens in Teilen tatsächlich wieder anzulegen, ist ein ganz großes Ziel des Fördervereins. Dieser hat in den vergangenen fast 20 Jahren schon so viel erreicht, indem das Schloss schrittweise saniert und wieder nutzbar gemacht werden konnte. Der nächste große Bauabschnitt soll unbedingt dieses Jahr beginnen mit der Turmsanierung. 308 000 Euro stehen bereit, aber 23 000 Euro fehlen noch, damit die Finanzierung rund ist. "Wir haben unsere Fühler in alle Richtungen ausgestreckt", sagte Klaus Bogoslaw. So werden die Besucher der Schloss- und Gartennacht wohl auch in künftigen Jahren immer wieder etwas Neues sehen können.

 

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