Osterwieck l "Das ist das Schöne, man dreht eine Runde durch die Ausstellung, und schon stehen hier wieder andere Autos", schwärmt Jörg Kaiser, der 2. Vorsitzende der gastgebenden Interessengemeinschaft für historische Fahrzeuge. Tatsächlich war das Wochenende über ein ständiges Kommen und Fahren auf dem früheren Druckereigelände nahe der Altstadt zu beobachten.

Die Osterwiecker Schau ist unter Experten bekannt. Teils von weither kamen die Aussteller für eine längere oder kürzere Präsentation ihrer Schätzchen. Zum Beispiel aus Hannover ein 356er Porsche der Nachkriegszeit. Oder aus dem Bördekreis eine größere Gruppe mit Lanz-Bulldog-Traktoren. Rolf Mickler, der Chef der Interessengemeinschaft, verwies auf die Vielfalt dieser Ausstellung, die sogar Stationärmotoren und historische Fahrräder umfasst.

Einiges indes entdecken nur Kenner der Szene. So machte Jörg Kaiser auf drei nebeneinander stehende EMW 340 aufmerksam. "Das ist wie ein Fünfer im Lotto." Dass er dabei selbst ein wenig nachgeholfen hat, daraus macht er keinen Hehl. Dieser Pkw wurde in Eisenach von 1949 bis 1955 als Nachfolger des BMW produziert. "Es gibt nur noch 100 in Deutschland, davon sind noch etwa 60 zugelassen." Kaiser hat selbst einen EMW, Baujahr 1951. Und wie wohl fast jeder Oldtimer könnte das Auto Geschichten erzählen. In diesem Fall wurde der EMW u. a. in der Bezirksregierung Erfurt gefahren und war 1986 im Dienst des Filmstudios Babelsberg. Hier ist er zum Beispiel im DEFA-Krimi "Die Beteiligten" zu sehen.

Als Kaiser den verrosteten Wagen 2001 aus dem Filmfundus kaufte, hatte dieser fünf Schichten Lack. "Für jeden Film ist er umgespritzt worden." Jetzt glänzt er nach unvorstellbar aufwändigen Restaurierungsarbeiten wieder im originalen Schwarz. Und Kaiser organisiert selbst die zweijährlichen EMW-Treffen, die es seit 2004 gibt, mit.

"Wir halten an der Tradition fest", blickte Rolf Mickler voraus. Diese Osterwiecker Oldtimertreffen wird es also auch weiterhin geben. Rund 40 Mitglieder hat die Interessengemeinschaft im Umland. "Mit 15 haben wir mal angefangen." Wenn auch nicht im Status eines Vereins, gibt es ein Gemeinschaftsleben. Alle Vierteljahr sind Versammlungen, mit Ehefrauen finden die Jahresabschlussfeiern statt. Die Frauen backen auch den Kuchen für die Ausstellung. Das alles wäre aber kaum möglich, wenn nicht Henning Borek, der selbst Oldtimerfreund ist, als Eigentümer der Druckerei das Grundstück kostenfrei zur Verfügung stellen würde.

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