Die Zitterpartie um die Zukunft der Verkehrs Industrie Systeme GmbH Halberstadt (VIS) geht weiter. Nachdem Eigentümer und Gesellschafter Dirk Zeppenfeld Ende 2010 die Schließung des Unternehmens verkündet hatte, kam jetzt der Rückzieher. Zu einer Belegschaftsversammlung, auf der er sein Fortführungskonzept erläutern sollte, erschien Zeppenfeld nicht.

Halberstadt. Verunsicherung und Zukunftsängste sind seit Monaten in der Verkehrs Industrie Systeme GmbH Halberstadt (ehemals RAW) zuhause. Nach einer Monate währenden Zitterpartie hatte Eigentümer und Gesellschafter Dirk Zeppenfeld im vergangenen Jahr die Schließung des Halberstädter Schienenfahrzeugbauers verkündet. Der Grund: leere Auftragsbücher.

Für etwa die Häfte der Belegschaft bedeutete das bereits zum Jahresende den Verlust des Arbeitsplatzes. Gespräche mit möglichen Investoren verliefen im Sand. Die Belegschaft, derzeit noch etwa 70 Frauen und Männer, will jedoch nicht den Kopf in den Sand stecken.

"Der Druck aus der Mannschaft wird immer größer."

"Der Druck aus der Mannschaft wird immer größer", sagte Betriebsrat Frank Brehmer auf Nachfrage der Halberstädter Volksstimme. Geschäftsführer Dirk Zeppenfeld wurde aufgefordert, endlich vor der Belegschaft Farbe zu bekennen. Das sollte während einer Betriebsversammlung am Mittwoch geschehen. Der Geschäftsführer kam jedoch nicht. Daraufhin zogen die empörten Mitarbeiter zum Verwaltungsgebäude vor das Büro Zeppenfelds. Der war sichtlich überrascht, dass seine Mitarbeiter plötzlich vor der Tür standen. "Er war ganz schön blass im Gesicht", berichtete Henning Lange von der Eisenbahnergewerkschaft Transnet, der auf Einladung des Betriebsrates an der Versammlung teilnahm. Zeppenfeld habe jedoch kein Wort zur Zukunft des Unternehmens verloren.

Stattdessen ist ein Aushang der Geschäftsführung aufgetaucht, wo mitgeteilt wird, dass die Geschäftsleitung den ursprünglichen Beschluss zur Schließung des Werks aufgehoben habe. "Vor dem Hintergrund einer veränderten Marktentwicklung sind die Gesellschafter davon überzeugt, dass ein dauerhafter Fortbestand des Unternehmens erzielt werden kann", heißt es im von Dirk Zeppenfeld unterzeichneten Papier.

"Wir haben Sorge um unsere Arbeitsplätze."

Und da Belegschaft und Geschäftsführung scheinbar nicht mehr direkt miteinander sprechen, folgte ein offener Brief des Betriebsrates. "Es wäre, um das Vertrauen wieder aufzubauen, besser gewesen, wenn der Geschäftsführer vor den Mitarbeitern wenigstens ansatzweise das Fortführungskonzept erklärt hätte", betonte Frank Brehmer.

"Wir haben das mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass Sie sich nicht in der Lage sahen, über Ihr Konzept zur Fortführung unseres Betriebes zu informieren", heißt es in einem offenen Brief des Betriebsrates an den Eigentümer, der im Anschluss an die Versammlung aufgesetzt wurde. Dass die VIS-Gesellschafter von einem dauerhaften Fortbestand des Unternehmens überzeugt sind, könne die Belegschaft nicht nachvollziehen. Die Auftragsbücher seien nach wie vor leer, Nachfolgeaufträge gänzlich weggebrochen, so Brehmer. Offensichtlich ginge es nur darum, den Schließungstermin zu verzögern.

"Wir haben Sorge um unsere Arbeitsplätze und darüber, die im Sozialplan fixierten Abfindungen zu verlieren und am Ende mit völlig leeren Händen dazustehen", ist Brehmer besorgt. Der kündigt eine Erhöhung des Drucks der Mitarbeiter auf die Geschäftsführung an, damit die so bald wie möglich mit offenen Karten spielt.