Rohrsheim (mhe) l Es war für Rohrsheim die einzige Chance, das 60 Jahre alte Freibad erhalten zu können: Seit diesem Jahr kümmert sich der Dorfklub um den Betrieb. Die Stadt Osterwieck hatte das Bad aus Finanzgründen abgestoßen. Dabei ging es um jährlich rund 12 000 Euro.

Doch dem Dorfklub, einem etwa 40-köpfigen Verein, fällt es keineswegs leichter, das notwendige Geld zusammezubekommen. Auch wenn die Stadt die ersten drei Jahre noch einen - abschmelzenden - Zuschuss gibt. Daher luden die Vereinsmitglieder die Bundestagsabgeordnete Heike Brehmer und den Landtagsabgeordneten Bernhard Daldrup (beide CDU) ein, dass sie Wege weisen, wo weitere Zuschüsse zu bekommen sind. Die Gäste konnten dem Vorsitzenden Christian Bosse auch einige Adressen vermitteln. Und sie gaben Tipps, wie man die Werbung verstärken könnte.

Was die Kosten betrifft, hat Rohrsheims Bad den großen Vorteil, das Wasser kostenfrei aus dem früheren Trinkwasserbrunnen für das Dorf beziehen zu können. Damit hatte diese Einrichtung von den vier Bädern der Stadt den geringsten Zuschussbedarf. Ohnehin waren es schon seit Jahren die Rohrsheimer selbst, die die Einrichtung in Schuss hielten. Doch die Anlage wurde von der Stadt mit Investitionsbedarf übergeben. Die Spielgeräte entsprechen nicht mehr den Vorschriften. Rings um die Becken haben Rohrsheimer schon einen Teil der Einfassung gepflastert.

Was die Lage Rohrsheims in der Bäderlandschaft betrifft, ist diese eigentlich ungünstig. Die Nachbardörfer Hessen und Dedeleben haben noch modernere Freibäder. Dennoch schwören die Rohrsheimer auf ihre Anlage. Die weitläufige, parkähnliche Liegewiese mit ihren hohen Bäumen und die insgesamt drei Becken bieten Gästen viel Platz und Abwechslung. "Hier darf man auch vom Beckenrand reinspringen", warf Maximilian Rauprich ein. Die ersten Wochen der Saison liefen jedenfalls gut an, bis zu 100 Besucher kamen am Tag, berichtete Christian Bosse.

Um noch kostengünstiger als vorher zu arbeiten, werden die Leistungen der Rettungsschwimmer nicht mehr eingekauft. Stattdessen haben 13 Rohrsheimer im Winter in Wernigerode einen Lehrgang absolviert und wechseln sich nun mit den Diensten ab. Täglich um 13 Uhr öffnet das Bad, an den Wochenenden sowie in den Ferien schon um 10 Uhr. Früher dagegen hatte es montags geschlossen. Die Eintrittspreise sind konstant geblieben.

Christian Bosse und die anderen Vereinsmitglieder erzählten den Gästen noch von weiteren Aktivitäten des Dorfklubs. Von dem Spielplatz, der für die Kinder des Dorfes gestaltet wurde. Von der Heimatstube, die im Schützenhaus entstehen soll. Und von der 1075-Jahr-Feier, die 2016 in Rohrsheim als ältestem Ort in der Stadt Osterwieck gefeiert werden soll.