Halberstadt l Die Harmoniestraße ist seit Dienstag dieser Woche wieder ungehindert passierbar. Zumindest für den Straßenverkehr, der nun auch stadteinwärts wieder über die B 81 rollen kann. Gut eine Woche nach der Irrfahrt eines Linienbusses, dessen Fahrer wohl einen Herzinfarkt erlitten hatte und in ein Haus gerast war, erinnern lediglich die massiven Holzstützen am beschädigten Gebäude und die Absperrung auf dem Gehweg noch an das Unglück. Genau diese Absperrung wirft nun neue Fragen und Kritik bei Passanten auf. Sie müssen entweder die Straßenseite wechseln oder sich am Straßenrand an der Absperrung entlangschlängeln.

"Ich finde, so kann das keineswegs bleiben", gibt Anwohner Manfred Griebner zu bedenken. Griebner ist mit Hund "Rudi" unterwegs und hat sich gerade eben zwischen den an der Ampel wartenden Autos und den Zaunfeldern entlanggehangelt. Und damit ist er in guter Gesellschaft: Alle Passanten, die am Mittwochmittag aus Richtung Spiegelstraße kommen oder dorthin unterwegs sind, wechseln wenige Meter vor der Ampelkreuzung nicht etwa die Straßenseite, sondern auf die Fahrbahn.

Eine heikle Situation. Auf der leicht abschüssigen Bundesstraße sind viele Autos unterwegs, darunter große Laster, die aufgrund ihrer Breite wenig Abstand zum Straßenrand lassen können. Hinzu kommt die unübersichtliche Gesamtsituation: Die massiven Holzstützen, die das beschädigte Haus abfangen, und die Zaunfelder erschweren die Sicht auf Fußgänger, die dann schlagartig auf die Straße treten. Obendrein könnten Autofahrer Passanten schnell übersehen, weil sie sich an dieser Stelle auf die Ampel konzentrieren. Hinweise für die Autofahrer, dass auf der Straße mit Passanten zu rechnen ist, oder eine Aufforderung an Fußgänger, die Straßenseite zu wechseln, sucht man vergeblich.

Und daran soll sich nichts ändern, hieß es zunächst aus der Kreisverwaltung. Die halbseitige Straßensperrung bis zum 17. Juni sei erfolgt, um die Unfallstelle zu räumen und das Haus zu sichern, teilte eine Sprecherin am Donnerstagmittag mit. Nachdem ein Prüfstatiker eine Einsturzgefahr verneint habe, musste die Sperrung nicht verlängert werden.

Mit Blick auf die Fußgänger sah man in der Kreisverwaltung zunächst ebenfalls keinen Handlungsbedarf: Die Sperrung des Gehwegs sollte Passanten auch ohne zusätzliches Schild veranlassen, die Straßenseite zu wechseln. Ein Tempolimit sei nicht geplant.

Auch im Rathaus sehen die Verantwortlichen keinen Handlungsbedarf. "Wir sind nicht zuständig, das ist Sache der Kreisverwaltung", ließ eine Sprecherin auf Anfrage wissen.

Am späten Nachmittag dann die überraschende Kurskorrektur in der Kreisverwaltung: Man werde nun die Stadt auffordern eine Beschilderung (Baustelle) vorzunehmen. Obendrein sollen Radfahrer zum Absteigen und Fußgänger zum Wechsel der Straßenseite aufgefordert werden, hieß es.